Snowden in den USA: Aber nur auf der Leinwand

Snowden in den USA: Aber nur auf der Leinwand
Hollywoods politischster Regisseur Oliver Stone hat auf der Comic Con seinen neuen Film „Snowden“ präsentiert. Nach dem Dokumentarfilm über den Putsch in der Ukraine bringt der amerikanische Filmemacher nun einen Spielfilm über einen modernen Helden.

von Olga Banach

„Snowden“ ist die Geschichte des berühmten gleichnamigen „Whistleblowers“, der als ehemaliger NSA-Mitarbeiter klassifizierte Dokumente für die Öffentlichkeit zugänglich machte. International gesucht, fand er schließlich Asyl in Russland. 

Der Film gibt dem blassen IT-ler Edward Snowden Farbe und Form - in Hollywood-Manier. Da das Thema den Hollywood-Studios zu heiß war, produzierte Stone den Film mit europäischen Partnern aus Deutschland und Frankreich. Gefilmt wurde auch in den Bavaria Film-Studios in München, gefördert von der Bayrischen Filmförderanstalt.

Den echten Snowden traf Stone zum ersten Mal im Jahr 2014 in Moskau. Stone war fasziniert von seiner Stärke und seinem Mut. Nie habe er den Gegnern kleinbeigegeben. Dennoch bliebe er eine mysteriöse Figur. 

„Es gibt Dinge, die noch im Dunkeln verborgen sind, aber hoffentlich eines Tages ans Licht kommen.“

Snowden war zu Beginn von Stones Filmvorhaben nicht sehr interessiert und es brauchte seine Zeit, ehe er und Stone warm wurden.

Öffentliche Auftritte außerhalb Russlands sind für Edward Snowden weiterhin nur per Videostream möglich

Mit bei der Filmvorführung auf der „Comic-Con“ waren ebenfalls die Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt, der Snowden darstellte, Shailene Woodley als seine Lebensgefährtin im Film, und Zachary Quinto als der amerikanische Journalist und Jurist Glen Greenwald. Auf die Frage, warum Oliver Stone einen Film zu Snowden gemacht hat, antwortete er, dass „Snowden“ eine sehr aktuelle Geschichte über unser Zeitgeschehen sei, die die Mehrheit der Zuschauer des Filmes betrifft.

Starregisseur und Vietnam-Veteran Oliver Stone ist der wohl größte Liebhaber von Verschwörungen, den Hollywood zu bieten hat und er liebt herausfordernde, politische Themen.

Dreimal mit einem Oscar ausgezeichnet, scheut er sich nicht davor, unbequeme Fragen zu stellen und seine politische Meinung kundzutun, die oftmals nicht dem Bild der Mainstream-Medien entspricht. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen: „Platoon“, „Wall Street“ und das Porträt George W. Bushs  „W“. 

Im Juli präsentierte er auf dem italienischen „Taormina Film Festival“ auf Sizilien den noch weniger bekannten Dokumentarfilm „Ukraine on Fire“. Produziert von Oliver Stone, mit Interviews von Wladimir Putin und Viktor Janukowitsch, dem ehemaligen Präsidenten der Ukraine, geht es um die aktuelle Situation in der Ukraine und die historische Perspektive des herrschenden Konflikts.

Oliver Stones Ziel war es, dem westlichen Publikum ein anderes Bild der Wirklichkeit zu bieten, jenseits von dem, was die Massenmedien präsentieren.  

Doch „Snowden“ ist leider kein politischer Film, der neue Wahrheiten aufdeckt. Stone selbst bezeichnet ihn eher als einen intellektuellen Thriller und ein objektives Porträt der Figur und der Geschehnisse. Während man in dem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „Citizenfour“, über und mit Snowden selbst, die Angst Snowdens als Gefangener zwischen den Welten in einem Hotelzimmer in Hong Kong spürt, bleibt die Figur Snowden in Stones Film rein fiktionaler Natur.

Stone macht keinen hehl aus seiner persönlichen Meinung zu den Enthüllungen Snowdens und teilt die Ansicht, dass die amerikanische Regierung ein Überwachungsstaat ist.

Auf einer Pressekonferenz während der Cannes Lions 2016 sagte er: „Facebook“, „Google“ und „Microsoft“ seien aktive Mitspieler in der Spionage der Bürger. Ein Thema, welches sich bei keinem der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten wiederfände.

Doch was macht Snowden dieser Tage in Russland? Die Bild-Zeitung, wie auch Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes, schürten das Gerücht, Snowden sei ein russischer Agent. Putin selbst gab hierzu selbst die Antwort.

Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich über die Anschuldigungen gegen Edward Snowden

Es sei das unprofessionelle Handeln der Amerikaner gewesen, welches dazu geführt hat, dass sich Snowden nun in Russland aufhält. Er kam in den Transitbereich auf russischem Boden an und niemand wollte ihn aufnehmen.

„Russland ist nicht das Land, das Verfechter der Menschenrechte ausliefert.“

Snowden war nicht untätig. Gestern stellte er dem MIT, gemeinsam mit seinem Hackerkollegen Andrew Huang, ein Hardware-Produkt gegen das Ausspionieren persönlicher Daten vor. Das Produkt, dem Akku eines Mobiltelefons ähnelnd, liest elektrische Signale, die zu den internen Antennen des Mobiltelefons gesendet werden.

Die internen Antennen werden für Radio, GPS, Bluetooth und WiFi genutzt. Hierdurch lässt sich  feststellen, ob das Mobiltelefon und damit die persönlichen Daten seines Besitzers ein Ziel von Hackern ist. Das Produkt sei, laut Snowden, auch besonders sinnvoll für Journalisten, die in Ländern operierten, in denen sie besonders gefährdet seien.

Snowden via Video Stream:

„One good journalist in the right place at the right time can change history.“ 

[Ein guter Journalist zur richtigen Zeit am richtigen Ort kann die Geschichte verändern.]

Ob der fiktionale Film „Snowden“ solch einen Effekt haben wird ist fraglich.

Der Moderator der Fragestunde nach der Vorführung trug ein Zitat aus dem Film vor: „Terrorismus ist eine kurzweilige Gefahr. Die Langzeitbedrohungen sind China und Russland.“ Oliver Stone antwortete hierauf: „Bei der Aussage handelt es sich um den Charakter Corban O`Brian, ein Angestellter der Regierung. Im Film heißt es weiterhin: Sicherheit ist der neue Weg zum Sieg. Hiermit gemeint ist der Cyberkrieg, denn dies ist das neue Schlachtfeld.“ 

Auf einer Pressekonferenz in Japan 2015 äußerte sich Stone amüsiert und besorgt über die verkorkste amerikanische Mentalität, in der China als das Übel im Cyber-Krieg angesehen wird, obwohl es doch die USA selbst sind.

Er fand es besonders schockierend zu verfolgen, welche Länder in der Kürze der Zeit Snowdens Asylgesuch ablehnten. Snowden sei ein Held, da er nicht für den Profit, sondern für sein Gefühl von moralischem Handeln agiert hat. Obama hingegen sei eine Schlange, die die Verfolgung von „Whistleblowern“ zuließe.

Der Darsteller Zachary Quinto merkte an, es sei erstaunlich, dass die Überwachung im nationalen Sicherheitsinteresse stattfände, aber, und dies wird im Film deutlich, keine der staatlichen Ausspionierungen einen terroristischen Anschlag verhindern konnte.

Was Oliver Stone an der realen Person Snowden überrascht hat, war sein Optimismus. Snowden wäre sehr optimistisch was die Zukunft und den Nutzen der Technik für unsere Demokratie anbelangt. Die Live-Übertragung der Fragestunde nach dem Film konnte aufgrund technischer Probleme nicht stattfinden. Das aufgenommene Panel nach der Vorführung:

Die Vertriebsfirma „Open Road“ des Filmes verteilte auf der Comic-Con Pflaster mit der Aufschrift „Snowden“ und dem Datum der Veröffentlichung des Filmes in den USA. Ob diese auf die Haut, oder die Webcam gegen eine NSA-Überwachung, geklebt werden sollen, erschloss sich den Comic-Con-Teilnehmern allerdings nicht.

In Deutschland soll der Film am 22. September in die Kinos kommen.