Vom Whistleblower zum Entwickler: Snowden baut an Gerät, um Smartphones vor Überwachung zu schützen

Öffentliche Auftritte außerhalb Russlands sind für Edward Snowden weiterhin nur per Videostream möglich
Öffentliche Auftritte außerhalb Russlands sind für Edward Snowden weiterhin nur per Videostream möglich
Der NSA-Whistleblower Edward Snowden ist in seinem russischen Exil alles andere als untätig und hat gemeinsam mit einem befreundeten Hacker ein Zusatzgerät für Mobiltelefone entwickelt, das Benutzer vor Überwachungsmaßnahmen oder umgeleiteten Signalen warnt. So soll unter anderem Journalisten Schutz vor staatlicher Spionage gewährt werden. In wenigen Jahren soll das Gerät marktreif sein.

„Introspection engine“ nennt Snowden seine Erfindung, die als Batterie-Gehäuse für das iPhone 6 verwendet werden kann und alle Signale protokolliert und anzeigt, die an die Antennen des Gerätes gesendet werden. Der Missbrauch von Smartphones als Spionagewerkzeuge soll damit erschwert werden. Entwickelt hat Snowden das Gerät mit dem Hacker Andrew Huang. Gemeinsam stellten die beiden am Dienstag die Innovation im MIT in Boston, Massachusetts und natürlich über Twitter vor.

Das technisch aufgerüstete Gehäuse kommt in schlichtem Design daher und liest alle Signale aus, die an die beiden Antennen des iPhones gesendet werden, inklusive der Übertragung über GPS, Bluetooth, WiFi und dem eingebauten Modem. Wird eine Überwachungsmaßnahme oder ein verdächtiger Datentransfer entdeckt, warnt das Gerät mit einem Alarm den Nutzer.

Ziel der Erfindung ist es, Besitzern von Smartphones Transparenz darüber zu gewährleisten, mit wem das Gerät kommuniziert. Besonders interessant ist dies für Hacker aber auch für Journalisten, die sich vor staatlicher Überwachung schützen wollen. Seine Motivation beschrieb Snowden wie folgt:

Ein guter Journalist zur richtigen Zeit am richtigen Ort kann die Geschichte verändern. Dies macht ihn zu einem Ziel und zunehmend werden Werkzeuge entwickelt, um diese gegen Journalisten einzusetzen.

Via Videostream aus seinem russischen Exil betonte der Whistleblower auch, dass die von ihm erfundene Vorrichtung sicherer sei als der in Mobilfunkgeräte eingebaute „Flugzeugmodus“, der ebenfalls eine Unterbindung aller unerwünschten Datentransfers sicherstellen soll, jedoch leicht umgangen werden kann. Sogar wenn das Smartphone ganz abgeschaltet ist, kann es von außen als Wanze eingesetzt werden.

Der am Dienstag vorgestellte Entwicklungsstand stellt jedoch immer noch einen Prototypen dar. Snowden und Huang wollen das Gerät in den nächsten Jahren weiterentwickeln und auf den Markt bringen.