Geiseldrama in Armenien dauert an - Menschenmenge verhindert Sturm durch Spezialeinheiten

Geiseldrama in Armenien dauert an - Menschenmenge verhindert Sturm durch Spezialeinheiten
Das Geiseldrama in Armenien dauert an: Am 17. Juli haben Extremisten ein Polizeirevier in Jerewan gestürmt und Geiseln genommen. Vor dem umzingelten Gebäude hält eine Menschenmenge Tag und Nacht Wache. Die Leute wollen einen möglichen Sturm durch die Polizei verhindern.

Am Dienstagabend spitzte sich die Situation um den besetzten Polizeirevier zu. Eine Gruppe von Aktivisten beschloss, die Nacht vor dem umzingelten Gelände im Bezirk Erebuni zu verbringen.

„Wir alle müssen hier bleiben und die im Gebäude befindlichen Polizisten sowie unsere Jungs unterstützen. Wir sind mit dem Volk und werden kein Blutvergießen zulassen“, rief ein Aktivist per Lautsprecher. 

Anscheinend will die Menschenmenge verhindern, dass die Sicherheitsbehörden eine gewaltsame Befreiungsoperation beginnen.

In der Nacht zum Mittwoch kam es zu einem Moment des Chaos, als die Extremisten, die das Polizeirevier bisher in ihrer Gewalt halten, zu schießen begannen. Einer der Geiselnehmer teilte später am Telefon mit, dass seine Komplizen in die Luft gefeuert hätten, um die Teilnehmer der Protestaktion zu unterstützen.

Ansonsten verlief die dritte Nacht der Geiselnahme ruhig. Unter den Gekidnappten sind der stellvertretende Polizeichef Armeniens, Generalmajor Wardan Jegiasarjan, und der stellvertretende Polizeichef Jerewans, Oberst Waleri Ossipjan.   

Im Nationalen Sicherheitsdienst Armeniens hieß es, dass ein Spezialkommando zwar einsatzbereit sei. Es gebe bisher allerdings keine Voraussetzungen für aktive Handlungen.    

In der Sicherheitsbehörde wies man darauf hin, dass bei der seit dem 17. Juli laufenden Antiterroroperation fünf Geiseln befreit worden waren. 

„Man unternimmt aktive Handlungen, um die restlichen Geiseln zu befreien und die entstandene Situation friedlich zu lösen. Mit den Mitgliedern der bewaffneten Gruppe wird weiterhin verhandelt“, hieß es.

Am 17. Juli hatten mehrere bewaffnete Extremisten ein Polizeirevier in Jerewan eingenommen und dabei einen Polizisten getötet. Weitere vier Menschen waren verletzt worden. 

Die Geiselnehmer fordern die armenische Regierung auf, den Koordinator der oppositionellen Bewegung „Gründungsparlament“, Schirair Sefiljan, auf freien Fuß zu setzen. Der Mann sitzt momentan wegen illegalen Waffenbesitzes in Untersuchungshaft. Außerdem fordern die Extremisten den Rücktritt der Regierung.

Der offizielle Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, verurteilte den Versuch, einen politischen Wandel in Armenien mit Gewalt herbeizuführen:

„Wir verurteilen natürlich scharf jede Anwendung von Gewalt, um politische Änderungen in Armenien und sonst wo zu bewirken. Wir raten den armenischen Behörden, die Situation zurückhaltend zu behandeln. Unser Beileid gilt den Polizeikräften, die ihr Leben bei der Attacke verloren haben.“