Pokémon-Fieber in Moskau: Monsterjagd auf dem Roten Platz, Lenin-Mausoleum und der FSB-Zentrale

Pokémon-Fieber in Moskau: Monsterjagd auf dem Roten Platz, Lenin-Mausoleum und der FSB-Zentrale
Erst vor zwei Wochen freigegeben und bereits so erfolgreich: Die weltberühmte Smartphone-App Pokémon Go macht Menschen in der ganzen Welt süchtig. Russland ist auch keine Ausnahme, obwohl die App hierzulande offiziell erst seit wenigen Tagen verfügbar ist. Pokémons verstecken sich an unterschiedlichsten Orten: In Moskau begibt sich man beispielsweise auf den Roten Platz und zu wichtigsten Staatsbehörden, um Taschenmonster zu fangen.

Spielerisch die eigenen Daten an Google und staatliche Behörden liefern - der Hype um Pokémon Go ist datenschutzrechtlich bedenklich.

In Scharen gehen Moskauer auf die Monster-Jagd raus. Die sogenannten PokeStops befinden sich in allerlei Orten der russischen Hauptstadt, sehr häufig neben den weltbekannten Sehenswürdigkeiten und Museen: So führte das Spiel bereits viele Menschen auf den Roten Platz und in den Moskauer Kreml. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, ist zwar überzeugt:

„Pokémons sind kein richtiger Anlass dazu, den Kreml - Schatzkammer der Weltkultur – zu besuchen, zumal der Kreml beispiellos aufgeschlossen ist, obwohl er die Residenz des Staatschefs ist“.

Es hat sich herausgestellt, dass es auf dem Kremlgelände, sowie auch auf dem Roten Platz und im Alexandergarten nebenan (z.B. am Grabmal des Unbekannten Soldaten) ein paar Dutzend PokeStops gibt. Pokémons verstecken sich auch am Denkmal für den Patriarchen Hermogenus und am Lenin-Mausoleum (dabei muss man ins Mausoleum rein, um Bonuspunkte zu bekommen).

Einige Pokémons wurden vor dem Regierungsgebäude entdeckt, sowie auch vor dem Gebäude des russischen Inlandsgeheimdienstes (FSB) und vor dem Bildungs- und Wissenschaftsministerium. Sportanlagen wie das neue CSKA-Stadion sind auch von Pokémons besetzt: 

Das Puschkin-Museum für bildende Künste lädt mit Hilfe von Pokémon Go Stadteinwohner und Touristen ein: 

Kommen Sie ins Museum, um mindestens Pokémons zu jagen. #PokemonGO

Auch die Große Choral-Synagoge in St. Petersburg springt auf den Hype auf: 

Liebe Freunde! Ich habe eine ungewöhnliche Bitte an euch. Wenn ihr ein Fan vom neuen Modespiel seid und nach Pokémons in Museen, an Seeufern oder sogar in ihren eigenen Wohnungen sucht, seid ihr in meine Synagoge herzlich eingeladen! Ich möchte sehr gerne wissen, ob ich hier Pokémons habe. Kommt bitte hierher und helft mir, sie zu finden, zu fangen und unschädlich zu machen! Als Belohnung bekommt ihr von mir eine Flasche koscheren Wein, und ihr Foto mit meinen Dankesworten erscheint auf der Webseite www.jeps.ru! Wenn ihr bereit seid, mir zu helfen, dann mir bitte in VKontakte oder an ab@jeps.ru!

Einige Pokémons wurden zwar in Kirchen aufgefunden, was ein großes Aufsehen bei Vertretern der orthodoxen Gemeinschaft erregte. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ruft dazu auf, Taschenmonster-Jagd an heiligen Orten wie Gotteshäuser und Friedhöfe zu verbieten.

Die von Nintendo entworfene Smartphone-App Pockémon Go gilt als der derzeitige Sommer-Hit.  „Pokémon“ steht für „Pocket Monster“ - Taschenmonster, die 1996 vom japanischen Designer Satoshi Tajiri als Computerspiel entwickelt wurden. Im Spiel kommt es darauf an, möglichst viele Pokémons zu fangen - im Pokémon-Universum sind es mehr als 700. Die Besonderheit des Spiel besteht darin, dass es auf einer Technologie der sogenannten „ergänzten Realität“ (engl. „Augmented Reality“) beruht: Monster werden durch die Kamerafunktion in die reale Umgebung eingefügt.

In Russland ist die App im Google Play Store und im iTunes App Store von Apple seit dem 18. Juli verfügbar, obwohl das Pokémon-Fieber das Land bereits vor zwei Wochen erreicht hat. Das Spiel wurde am 6. Juli in den USA, Australien und Neuseeland freigegeben und seitdem erschienen inoffizielle Dateien zum Runterladen für Android im Netz.