Zwei Jahre Haft für Selfies mit abgeschlagenen Köpfen: Deutscher IS-Kämpfer in Frankfurt verurteilt

Zwei Jahre Haft für Selfies mit abgeschlagenen Köpfen: Deutscher IS-Kämpfer in Frankfurt verurteilt
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat einen deutschen Staatsbürger wegen eines Kriegsverbrechens im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Er hatte mit abgeschlagenen Köpfen syrischer Soldaten posiert und Fotos davon an Freunde und Familie verteilt. Eines landete auch auf Facebook.

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Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main hat am Dienstag Aria Ladjevardi, einen aus einer iranischen Einwandererfamilie stammenden, 21-jährigen deutschen Staatsangehörigen, der Kriegsverbrechen gegen zwei syrische Soldaten gemäß §8 Abs. 1 Z. 9 des Völkerstrafgesetzbuches schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Auf Grund dieser Bestimmung machen sich Personen strafbar, die im Zusammenhang mit einem internationalen oder nichtinternationalen bewaffneten Konflikt "eine nach dem humanitären Völkerrecht zu schützende Person in schwerwiegender Weise entwürdigend oder erniedrigend behandeln". Der deutsche Dschihadtourist wurde auf Grund des Schuldspruches zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die vom Gesetz vorgesehene Mindeststrafe im Fall einer Verurteilung nach dieser Bestimmung beträgt ein Jahr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eine nicht identifizierte Gruppe dschihadistischer Kämpfer, der Ladjevardi angehört haben soll, überfiel in der Zeit zwischen dem 8. März und dem 16. April 2014 einen Checkpoint der Syrischen Armee in der Stadt Binnish (Provinz Idlib). Die Gruppe nahm zwei Soldaten gefangen und richtete diese später hin. Dabei oder danach wurden die Opfer enthauptet und ihre Köpfe auf Metallstangen gespießt, um diese öffentlich zur Schau zu stellen, so die Erklärung des Gerichtshofes weiter.

Der Mann hatte vermutlich mindestens drei Wochen innerhalb dieser Terrorgruppe verbracht, nachdem er im Frühjahr 2014 von Deutschland nach Syrien gereist war. Er wurde am Tatort mit einem anderen Dschihadisten fotografiert, der als Vedat V. identifiziert wurde. Dieser hatte eines der Bilder öffentlich auf Facebook eingestellt.

"Der Angeklagte posierte neben den in der beschriebenen Weise entstellten Köpfen und ließ sich dabei dreimal fotografieren, um die Getöteten, die er als 'ehrenlose Ungläubige' ansah, zu verhöhnen und in ihrer Totenehre herabwürdigen", erläuterte das Gericht.
Vedat V. soll seit dem Jahr 2012 aufseiten der bewaffneten "Opposition" gegen die legitime syrische Regierung unter Präsident Bashar al-Assad kämpfen. Ladjevardi, der sich seit seiner Verhaftung durch die deutschen Behörden im Jahr 2015 in Haft befindet, bestritt wiederholt seine Mitschuld an den Verbrechen und gab an, er sei dazu gedrängt worden, für die verstörenden Bilder zu posieren.

"Ich wollte nicht da drauf", erklärte er dem Gericht zu Beginn des Verfahrens im Mai. Der Angeklagte bestritt auch, an den Tötungen teilgenommen zu haben. Die verstümmelten Leichen seien von einem Dorfbewohner entdeckt worden, der dann andere Bewohner darauf aufmerksam gemacht habe. Er behauptete, er sei, nachdem Zuschauer angefangen hätten, Bilder von sich selbst mit dem "Fund" anzufertigen, dazu gezwungen worden, diesem Beispiel zu folgen.
"Wir waren in einem Kriegsgebiet. Ich habe getan, was ich in dieser Situation tun musste", rechtfertigte sich Ladjevardi. Weiter behauptete er, er hätte nicht gewusst, dass die Bilder in den sozialen Medien auftauchen würden.

Als Grund, warum er sich an die dschihadistische Zelle in Syrien anschloss, gab er an, er habe angeblich "Menschen helfen" wollen, nachdem er sein eigenes Leben umgekrempelt habe. Dank der islamischen Lehre und des Sports sei es ihm möglich gewesen, Alkohol und Cannabis aufzugeben.

Während der Islamist zugab, ein Waffentraining in Syrien besucht zu haben, wies er Vorwürfe zurück, ein aktives Mitglied in einer Dschihadisten-Gruppe zu sein. Dennoch speicherte der Angeklagte die Terror-Fotos auf dem Computer der Schwester eines Freundes, der wahrscheinlich in Syrien getötet wurde. Auch seine Mutter hatte Kopien der Fotos auf ihrem Handy.

Der Prozess gegen Ladjevardi machte Schlagzeilen in Deutschland, weil es der erste Prozess wegen Kriegsverbrechen ist, bei dem die Anklage gegen einen Kämpfer richtet, der an dem seit 2011 tobenden militärischen Konflikt in Syrien teilgenommen hat.

Abseits von Ladjevardi befinden sich derzeit etwa zehn Verdächtige in Deutschland, denen in ähnlichen Fällen Kriegsverbrechen in Syrien und dem Irak vorgeworfen werden.