Chef von Human Rights Watch entsetzt, weil Boris Johnson IS schlimmer findet als Assad

Kenneth Roth: Der Chef von Human Rights Watch findet es offenbar skandalös, wenn der IS als "schlimmer als Assad" bezeichnet wird.
Kenneth Roth: Der Chef von Human Rights Watch findet es offenbar skandalös, wenn der IS als "schlimmer als Assad" bezeichnet wird.
Die Abneigung des Polit-Establishments gegen die Ernennung von Boris Johnson zum britischen Außenminister treibt immer seltsamere Blüten. Auf Twitter echauffiert sich der Chef der "Human Rights Watch", Kenneth Roth darüber, dass der Brexit-Befürworter den IS "schlimmer als Assad" findet. Twitter-User reagierten auf diese Verharmlosung der Terrormiliz entsetzt.

Auch wenn das Meinungsbild über den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad durchaus gespalten sein mag, kommen selbst seine schärfsten Gegner nicht an einer entscheidenden Tatsache vorbei: Assad steht selbst nach Jahren des Krieges weiterhin an der Spitze der syrischen Regierung. Ein Politiker, hinter dem nicht erhebliche Teile des Volkes stehen, wäre dazu nicht in der Lage. Nachdem die Scharfmacher in Washington jahrelang "Assad muss weg!" gefordert hatten, hat auch der Westen mittlerweile weitgehend eingesehen, dass eine Friedenslösung in Syrien ohne Assad schwerlich möglich sein wird.

Deshalb ist es auch nur sinnvoll und konsequent, die Regierung in Damaskus an den Friedensverhandlungen zu beteiligen, um deren Erfolg sich an vorderster Front die USA und die Russische Föderation bemühen. Die Regierung Assad ist es, die die letzten noch verbliebenen staatlichen Strukturen im Land kontrolliert. Ohne Assad wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis Terrormilizen wie der "Islamische Staat" vollständig die Macht in dem von fünf Jahren des Bürgerkrieges gezeichneten Land übernehmen würden. Deshalb sollte es selbst ausgesprochenen Assad-Gegnern als nachvollziehbar erscheinen, dass der syrische Präsident jedenfalls im Vergleich zum IS das geringere Übel darstellen dürfte.

Umso verstörender wirkt daher ein jüngst gesendeter Tweet von Kenneth Roth, dem Geschäftsführer der weltweit tätigen NGO "Human Rights Watch"(HRW). Als sich in den sozialen Medien kurz nach Bekanntgabe der Ernennung von Boris Johnson zum neuen britischen Außenminister ein Shitstorm vonseiten der Gegner des Brexit-Wortführers Bahn brach, meinte Roth offenbar, einen speziellen rauchenden Colt im Kampf gegen Johnson aufgespürt zu haben. Der Brite halte den IS doch tatsächlich für schlimmer als Assad:

Womit Roth nicht gerechnet hatte: Es gibt in- und außerhalb Europas offenbar eine Reihe von Menschen, die diese Aussage Johnsons partout nicht als beanstandenswert betrachten. Im Gegenteil: Die meisten der Kommentare auf Roths Tweet zeugen von allgemeinem Kopfschütteln.

So heißt es bei Rachel Thekla:

"Völliger moralischer Bankrott, Herr Roth. Löschen sie ihren Account."

Auch andere User sind not amused.

"Es sieht so aus, als ob da immer noch jemand auf der Gehaltsliste der Saudis steht."

"Sie sind widerlich, Herr Roth"

Unter dem Hashtag #JihadiKenny finden sich Photoshoparbeiten wie diese: