Entkommunisierung nach Kiewer Art: "Mutter Heimat" soll ihres Schmucks beraubt werden

Die Bilderstürmer gehen um in Kiew. Die Stadtverwaltung der ukrainischen Hauptstadt brüstet sich damit, Musterschülerin bezüglich der Umsetzung des umstrittenen Gesetzes zur Entkommunisierung zu sein.
Die Bilderstürmer gehen um in Kiew. Die Stadtverwaltung der ukrainischen Hauptstadt brüstet sich damit, Musterschülerin bezüglich der Umsetzung des umstrittenen Gesetzes zur Entkommunisierung zu sein.
Nur fünf sowjetische Denkmäler trennen die ukrainische Hauptstadt Kiew von der vollständigen Entkommunisierung. Dies hat der Stadtverschönerungsberater des Bürgermeisters von Kiew, Dmitri Belozerkowez, erklärt. Die Mutter-Heimat-Statue hat Glück: Sie darf nicht abgerissen werden. Dafür soll sie aber alle sowjetischen Symbole einbüßen. Einige Denkmäler haben noch weniger Glück. Hierzu ein Überblick.

Die Hauptstadt Kiew hat das umstrittene Entkommunisierungsgesetz, das im Mai des Jahres 2015 verabschiedet worden war, bis dato am weitesten von allen ukrainischen Gemeinden umgesetzt. Dies erklärte Dmitri Belozerkowez, der Stadtverschönerungsberater des Bürgermeisters von Kiew, gegenüber ukrainischen Medien. Der Prozess sei aber, so der Beamte, noch nicht abgeschlossen.

Belozerkowez betonte, dass der Stadtverwaltung in ihrem Bildersturm mit Blick auf mehrere Monumente noch die Hände gebunden sind. Konkret nennt der Klitschko-Berater folgende Objekte:

Das Denkmal für Tscheka-Mitglieder; das Geländer auf der Paton-Brücke (in diesem Fall müsse man darüber nachdenken, womit die zu entfernenden sowjetischen Symbole ersetzt werden könnten; außerdem müssten allfällige Maßnahmen aus dem Haushalt finanziert werden); die derzeit mit Tuch verhängte Wand in der U-Bahn-Station "Teatralnaja" (man bräuchte hier, so Belozerkowez, ein Projekt zur Demontage und ein Projekt dahingehend, wodurch sie ersetzt werden könnte), die Mutter-Heimat-Statue (hier bedürfe es einer Reaktion des Kultusministeriums, weil sie ein Objekt sei, das in dessen Kompetenz falle und mit dem die Stadt nichts zu tun habe) und das Schtschors-Denkmal.

Die 62 Meter hohe Statue "Mutter Heimat" befindet sich im Mittelpunkt der baulichen Anlage zum Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg. Die Skulptur erhebt sich auf einem Berghang über dem Dnepr und ist aus allen Vororten Kiews gut sichtbar. In der rechten Hand hält "Mutter Heimat" ein 15 Meter langes Schwert. Auf dem Schild in ihrer linken Hand ist das Wappen der Sowjetunion abgebildet. Die Statue an sich hat man zwar "begnadigt", doch müsste dem Buchstaben des Entkommunisierungsgesetzes zufolge das sechs mal vier Meter große und rund acht Tonnen schwere UdSSR-Symbol vom Schild entfernt werden. Experten schätzen jedoch, dass es äußerst schwierig und wirtschaftlich kaum vertretbar werden könnte, das Wappen vom Schild zu entfernen.

Das Denkmal für ehemalige Tscheka-Mitglieder steht seit 1967 auf dem Lybedskaja-Platz, der ehemals nach Felix Dserschinski benannt war. Dabei handelt es sich um eine Granitstele, die zwei überdimensionale Antlitze von Kämpfern der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution darstellt. Das Denkmal stammt aus dem Meißel des bekannten sowjetischen Bildhauers Wassili Borodaj, der auch die Mutter-Heimat-Statue entworfen hat.

Das gusseiserne Geländer mit Stern, Hammer und Sichel auf der Paton-Brücke über dem Dnepr dürfte jedoch bald Vergangenheit sein.

Das Denkmal für den Divisionskommandanten der Roten Armee, Nikolaj Schtschors, ist bislang noch auf dem Schewtschenko-Boulevard im Stadtzentrum von Kiew zu sehen. Es wurde berichtet, dass die abgetragenen Monumente provisorisch auf dem Flughafen Kiew-Schuljany untergebracht werden müssten, weil deren "Endlagerstätte" noch nicht feststünde.

Die Lenin-Bronzebüste an der Kiewer U-Bahn-Station "Teatralnaja" ist seit 2014 mit einer falschen Wand verdeckt, die den Zuschauerraum des Kiewer Taras-Schewtschenko-Opernhauses verziert.

Der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko, hat erklärt, dass die ukrainische Hauptstadt Spitzenreiterin in Bezug auf die Entkommunisierung des Landes sei. Gemessen an der Zahl der umbenannten Straßen nach stehe Kiew auf Platz 1.

Im Mai 2015 ist in der Ukraine das "Gesetz über die Verurteilung des kommunistischen und nazistischen Regimes" in Kraft getreten. Demgemäß sollen unter anderem die nach sowjetischen Persönlichkeiten benannten Städte und Straßen umbenannt werden.