Abstecher in die Botanik - Deutsche Austauschschülerin berichtet RT von ihrem Leben in Russland

Abstecher in die Botanik - Deutsche Austauschschülerin berichtet RT von ihrem Leben in Russland
Alona Bartenschlager kommt aus Bayern, ist 15 Jahre alt und hat sich mit dem Zug auf den Weg nach Russland gemacht. Von Ingolstadt über Berlin ging es nach Sotschi. Dort besucht Alona für mehrere Monate die Schule. Für RT Deutsch berichtet Alona, abseits der großen Politik und medialer Verzerrungen, von ihrem neuen Alltag in Russland. In ihrem aktuellen Beitrag erzählt sie über den Besuch des Botanischen Instituts und dessen langjährigen wissenschaftlichen Beziehungen mit Deutschland.

Meine Mama wollte mir so viele Facetten von Sotschi zeigen wie möglich. Denn Sotschi ist nicht nur Kur- und Urlaubsort, sondern hier gibt es auch Wissenschafts- und Forschungszentren. Zum Beispiel ein Botanisches Institut. Dort arbeitet der Papa von meiner Klassenkameradin Nastja; er gehört zur Leitung des Instituts. Meine Mama hat ihn gefragt, ob wir das Institut anschauen dürfen und er hat alles organisiert. Und jetzt sind wir da.

Für meine Mama ist das ganze Gebiet nicht unbekannt: Meine Oma wurde im Zweiten Weltkrieg zu ihren zwei Tanten, in die Heimat ihrer Mutter, also Sotschi, evakuiert. Meine Oma kannte hier jeden Strauch und meine Mama kannte sich auch gut aus. Empfangen hat uns Natalie Karpun, Stellvertretende Wissenschaftliche Direktorin und promovierte Biologin, Dozentin. Sie hat sehr interessant über ihr Forschungsgebiet erzählt und dann einen jungen Kollegen, Andrej Weliki, gebeten, eine Führung durch das Institut und die zugehörige Plantage zu machen.

Das Institut hat eine lange Geschichte. Gegründet wurde es am 12. April 1894 von Zar Alexander III. Es ist das älteste an der russischen Schwarzmeerküste. Es beschäftigt sich mit Erforschung und Bewahrung von Blumen und subtropischen Pflanzen. In Sotschi herrscht subtropisches Klima. Noch im 19. Jahrhundert haben Forscher Pflanzen aus anderen Ländern geholt, geschaut, wie sie hier wachsen und mit ihnen experimentiert. Deshalb gibt es hier eine Pflanzenvielfalt wie sonst selten.

Andrej hat uns durch das Gebäude geführt. Es ist schon älter, aber sehr interessant gebaut: Das quadratische Atrium ist als Wintergarten eingerichtet. Dort ist es immer grün. Über das Atrium ziehen sich Galerien über mehrere Stockwerke. Von den Geländern ragen Pflanzen herab.

Andrej hat uns mehrere Labore gezeigt. Hygiene ist ganz groß geschrieben. Was dort im einzelnen gemacht wird, habe ich nicht immer verstanden. Jedenfalls experimentieren die Forscher viel, sie versuchen den Ertrag von Pflanzen zu steigern, neue, an die sich verändernde Umwelt besser angepasste Sorten zu entwickeln und sie arbeiten auch mit verschiedenen Blumensorten. Andrej erzählt ganz stolz, dass das Institut schon mehrere goldene und silberne Medaillen bekommen hat. Es hält auch 50 verschiedene Patente.

In einem Raum lagern Bodenproben von den verschiedensten Gebieten und aus verschiedenen Jahren.

Das Institut hatte und hat nach wie vor gute Kontakte zu westlichen Ländern, natürlich auch mit Deutschland. Die Forscher tauschen sich gegenseitig aus. Andrej hat uns Chemikalien gezeigt, die vor über 100 Jahren von Dortmund nach Russland geliefert worden waren. Sie stehen immer noch in den  Regalen und Andrej hat uns erzählt, dass die Flaschen und Gläser vor Kurzem geöffnet worden waren; die Qualität sei immer noch gut, sagte der junge Forscher. Er schreibt gerade seine Doktorarbeit, die sich mit dem Teestrauch beschäftigt.

Dieses Forschungszentrum hat ein hohes Niveau, denn es arbeiten hier erfahrene Experten und junge Forscher zusammen. Viele junge Wissenschaftler wollen hier arbeiten, habe ich erfahren.

Andrej hat uns dann mitgenommen in die gut gepflegte Plantage. Dort wachsen Äpfel, Birnen, Zwetschken, Trauben, verschiedene Arten von Haselnüssen, Pfirsiche, Kiwi, mexikanische Bananen, Mandarinen, Feigen, chinesische Datteln, Khaki, Fechoa. Plötzlich ist ein Tier zwischen den Bäumen aufgetaucht. Meine Mama hat gemeint, das ist ein Schakal. Ich habe mich gewundert, weil ich dachte, Schakale gibt es nur in Afrika. Aber Schakale hat es immer auch im Kaukasus gegeben und jetzt kommen sie langsam wieder zurück, sagt meine Mama. Bären übrigens auch. Bekannte haben uns erzählt, dass sie schon manchmal Bären am Rand von Sotschi gesehen hätten.

Die ganze Führung hat mir gut gefallen und so habe ich und ihr auch ein Bild von dem wissenschaftlichen Teil aus Sotschi.

Alles Gute Alona