Exklusivbericht von RT: Ehemaliger IS-Kämpfer erzählt von seinem Dienst im „Kalifat“

Exklusivbericht von RT: Ehemaliger IS-Kämpfer erzählt von seinem Dienst im „Kalifat“
RT-Korrespondentin Maria Finoschina ist es gelungen, einen Mann aus Inguschetien zu interviewen, der ungefähr ein Jahr lang in Syrien auf der Seite des „Islamischen Staates“ gekämpft und als Leibwächter eines IS-Anführers gedient hat. Im Interview für RT erzählt das ehemalige IS-Mitglied, was ihn dazu veranlasst hatte, sich der Terrormiliz anzuschließen und was ihn letztendlich bewogen hatte, den IS zu verlassen.

„Wir haben uns Videos angeschaut. Dort haben Frauen und Greise geschrien: ʻWo seid ihr, Muslime? Warum versteckt ihr euch? Habt ihr etwa beschlossen, sofort friedlich zu werden, als die Not gekommen ist?ʼ Wir haben Schuldgefühl und Mitleid mit ihnen bekommen. Dass wir dorthin gefahren sind, war kein bewusster Schritt, sondern eine Gemütsbewegung“, sagte der Mann.

Sein Weg nach Syrien hatte über die Türkei geführt. – Die gewöhnliche Route für Tausende ausländische IS-Anhänger.

„Wir haben die Flugtickets nach Istanbul gekauft. Dort hat uns ein Dagestaner empfangen. Dann haben wir die Grenze mit dem Bus passiert“, teilte das frühere IS-Mitglied mit.

Er und weitere Personen wurden in ein Trainingslager der Terroristen gebracht. Der Mann will sich im Norden Syriens, unweit der Stadt Idlib, aufgehalten haben. Eben dort, an der Grenze zur Türkei, hatte die Terrorbewegung einen ihrer Schwerpunkte. Seit Beginn des Konfliktes in Syrien vor gut fünf Jahren lief hier ununterbrochen der Nachschub an Waffen und Kämpfern über die Grenze. In dem IS-Trainingslager will der ehemalige IS-Kämpfer das Töten gelernt haben. Schon zwei Monate nach dem Unterricht hatte er rund vier Wochen lang in der vordersten Linie mit anderen Extremisten gekämpft.

„Nach einem Monat haben wir alles begriffen und wollten ʻabspringenʼ“, gestand der Mann.

Er und seine Mitkämpfer hatten begonnen, über die Flucht nachzudenken, als sie Zeugen massenhafter Hinrichtungen von Christen durch den „Islamischen Staat“ geworden waren. Da die Terroristen ihn und seine Mitkämpfer nicht einfach so hätten ziehen lassen, hatten sie beschlossen, das Vertrauen der IS-Anführer zu gewinnen.

Auf diese Weise will der Mann aus Inguschetien Leibwächter von Abu Omar al-Schischani geworden sein. Medienberichten zufolge soll der im März 2016 getötete georgisch-stämmige Islamist Befehlshaber über kaukasische Kämpfer und eine der Führungspersönlichkeiten des „Islamischen Staats“ gewesen sein.

Laut Angaben des von Maria Finoschina interviewten ehemaligen IS-Kämpfers hatte dieser seine Flucht monatelang vorbereitet:

„Ich bin unter dem Vorwand weggereist, dass meine Mutter auf mich wartet. Ich hatte sie angelogen und behauptet, ich sei in der Türkei. Ich habe bei ihnen Geld geliehen und gesagt, ich werde alles Notwendige mitbringen. Der Emir hat mir Geld ausgehändigt und eine Bestellung aufgegeben“, erzählte das ehemalige IS-Mitglied. Für den „Islamischen Staat“ gelte er nun wohl als abtrünnig.

Nach seiner Rückkehr nach Inguschetien hatte er sich der Polizei gestellt und war zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Während des Verfahrens hatte der Mann behauptet, keine Zivilisten getötet zu haben. Das ehemalige IS-Mitglied bat die Korrespondentin, seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht zu nennen, da er eine Rache von seinen Ex-„Brüdern“ vom IS fürchtet.