Die Chinesen im Hundefieber

Der Performance-Künstler Pian Shankong kniet in einem Hundekäfig. In Guiyang, in der Provinz Guizhou, will er seine Landsleute damit aufrufen, die geliebten Vierbeiner nicht mehr zu verzehren, Dezember 2011.
Der Performance-Künstler Pian Shankong kniet in einem Hundekäfig. In Guiyang, in der Provinz Guizhou, will er seine Landsleute damit aufrufen, die geliebten Vierbeiner nicht mehr zu verzehren, Dezember 2011.
In diesem Jahr ist das Jahr des Hundes in China. Das Land befindet sich im Hundefieber. Während im New Yorker Stadtteil Chinatown Menschen gegen Hundefleisch auf chinesischen Tellern demonstrieren, werden die neuen Statussymbole der chinesischen Mittelschicht in Hundesalons verwöhnt.

von Olga Banach, Shanghai

Der Hund gilt im chinesischen Kalender als der Freund des Menschen. Er hilft bei der Bewachung anderer Nutztiere in den Häusern der Menschen. Das chinesische Fernsehen überträgt Schönheitswettbewerbe für Hunde. Der Selfie mit dem flauschigen Liebling ist ein Muss für das digitale Netzwerk. 

Die Demonstrationen richteten sich gegen ein kulinarisches Festival für Hundefleisch, welches alljährlich in einem kleinen südchinesischen Ort namens Yulin stattfindet, nahe der koreanischen Grenze. Zehn Tage lang zelebrieren die Bewohner hier ihre besonderen Essensgewohnheiten.  

Der amerikanische Aktivist Marc Ching reiste eigens in die Provinz. Mit seiner Befreiung von 1.000 Hunden zog er das chinesische Medieninteresse auf sich. So hält sich das westliche Klischee vom hundeessenden Chinesen hartnäckig.

In die Diskussion mischte sich auch der britische Star Simon Powell ein, bekannt aus der Jury „Britian's Got Talent“ und dem britischen „X-Faktor“. Er äußerte sich schockiert über chinesische Gepflogenheiten. Es scheint, als sei der Ort Yulin nun in das ausländische Interesse gerückt.

Eine Chinesin beim Hundeessen in Yulin: Jedes Jahr im Juni findet hier ein lokales Festival statt, bei dem Hundefleisch mit Litchi angeboten wird.
Eine Chinesin beim Hundeessen in Yulin: Jedes Jahr im Juni findet hier ein lokales Festival statt, bei dem Hundefleisch mit Litchi angeboten wird.

Simon Cowell warb mit seinen Worten um Unterstützung der Organisation „Human Society International“, die mit einer chinesischen Organisation gemeinsam möglichst viele Hunde vor der Schlachtung bewahren will. Es kam sogar zu Protesten von Hundehaltern vor der chinesischen Botschaft in London.

Die modernen Chinesen aber lassen sich ihre tierischen Lieblinge einiges kosten. Es sind vor allem junge Paare, die sich gegen ein Kind und für einen Hund entscheiden. Die Meisten argumentieren, dass sie sich bei Hunden nicht um die rigiden Aufnahmeprüfungen kümmern müssen. Zudem falle der soziale Druck weg, ein perfektes Kind zu haben. Auch seien die Sorgen um gesundheitliche Probleme aufgrund der Luftverschmutzungen und des Essens viel geringer.

Bereits sieben Prozent der chinesischen Haushalte halten Hunde. Natürlich dürfen bei der Pflege der Hunde chinesische Traditionen nicht fehlen. So sind Akupunktur und pflanzliche Heilkuren für die Vierbeiner keine Seltenheit. Hoch im Trend liegen koreanische Outfits für Hunde.

Der finanzielle Sektor Chinas will an dem Boom ebenfalls teilhaben. Es werden  Hundeversicherungen für 500 Dollar pro Jahr angeboten. In den nächsten fünf Jahren sollen Tierbesitzer in China 2,2 Billionen Dollar für ihre Lieblinge ausgeben.

Die chinesische Webseite Aigu - Ai steht für "Liebe" und Giu für Hunde - bietet alles, was Hundeliebhaber über ihr Tier wissen müssen. Auch sie fungiert als soziales Netzwerk und Datingwebseite, um gleichgesinnten Hundehaltern näherzukommen.