EM 2016: Russlands Team nach blamabler Leistung ausgeschieden – Umbau an Trainerstab und Mannschaft

EM 2016: Russlands Team nach blamabler Leistung ausgeschieden – Umbau an Trainerstab und Mannschaft
Nach dem schlechtesten von drei Auftritten in der Vorrunde verabschiedet sich die russische Fußball-Nationalmannschaft bereits nach der Vorrunde von der Euro 2016. Beim 0:3 (0:2) gegen das Überraschungsteam aus Wales war die russische Elf über weite Strecken völlig von der Rolle und hätte das Spiel sogar noch deutlich höher verlieren können.

Die Abwehrleistung der Sbornaja in der ersten Halbzeit erinnerte zum Teil an das 1:7 der Brasilianer bei der WM 2014 im Halbfinale gegen Deutschland. Mühelos und ohne ernsthaft attackiert zu werden, konnten die gegnerischen Offensivkräfte durch die Reihen marschieren, bis zum Sechzehner und zum Teil noch weiter.

Bereits nach 20 Minuten war durch Tore von Aaron Ramsey (11.) und Neil Taylor (20.) die Vorentscheidung gefallen. Von da an verweigerte der Großteil der Mannschaft weitgehend jeglichen Dienst und nur ein überragender Igor Akinfeev konnte noch Schlimmeres verhindern.

In der zweiten Halbzeit war zumindest phasenweise der Ansatz eines Aufbäumens erkennbar, außer Artem Dzyuba zeigte jedoch keiner der russischen Spieler wirklichen Zug zum Tor. Die bezeichnendste Szene des Spiels war jedoch die in der 52. Minute, als Aleksandr Golovin für Spielführer Roman Shirokov kam und mehrere Teamkollegen die Übernahme der Kapitänsbinde verweigerten.  

Das 3:0 durch Superstar Gareth Bale in der 67. Minute war nur noch Draufgabe. Mit einem Comeback der russischen Mannschaft rechnete zu diesem Zeitpunkt keiner mehr.

Das blamable Abschneiden Russlands bei der Euro 2016 macht deutlich, dass zwei Jahre vor der WM im eigenen Land ein völliger Umbau der Mannschaft erforderlich ist. Die Strategie, die eigene heimische Liga durch hohen finanziellen Einsatz attraktiver zu machen und die Nationalspieler aus dieser heraus zu rekrutieren, erwies sich als Fehler. Erfolgreich sind bei dieser EM die Mannschaften, die auch über zahlreiche Spieler verfügen, die in den Spitzenligen im Ausland Karriere machen.

Dass Russland über Talente verfügt, ist offensichtlich: Bei der U19-EM 2015 hat das Land den zweiten Platz hinter Spanien belegt. Hier wird auch die Arbeit mit Blick auf die Heim-WM ansetzen müssen.

Was dem russischen Fußball jetzt vielleicht als Trost und Ansporn mit Blick auf die WM im eigenen Land dienen könnte, ist eine Parallele zu Deutschland: Im Jahr 2000 hatte die deutsche Elf, damals noch unter Erich Ribbeck, ihre schlechteste EM aller Zeiten gespielt, ist aber zwei Jahre später - mit einer ähnlichen Spielweise wie der derzeitigen russischen - immerhin Vizeweltmeister geworden.

Auch 2004 blamierte sich das Team, dann unter Rudi Völler, und wurde zwei Jahre später beim „Sommermärchen“ im eigenen Land sogar zum „Weltmeister der Herzen“. Jetzt liegt es am russischen Fußballverband, eine Persönlichkeit oder vielleicht ein Team wie Klinsmann/Löw zu finden, das es versteht, die Mannschaft mit jungen Spielern und einem modernen Stil komplett neu auszurichten und wieder das Feuer fußballerischer Leidenschaft zu entzünden.