Orlando und das Vorurteil des Tages: „Muslimische Schwulenhasser“

Orlando und das Vorurteil des Tages: „Muslimische Schwulenhasser“
Die USA diskutieren nach dem Orlando-Massaker über Religion und Homosexualität. Dabei verstärken sich Hinweise, dass der Täter, Omar Matten, selbst intime Kontakte innerhalb der Schwulenszene von Orlando hatte. Demnach kommt religiös motivierter Schwulenhass eher nicht als Motiv infrage. Zudem sorgt eine repräsentative Umfrage zu Religionszugehörigkeit und Einstellung zur „gleichgeschlechtlichen Ehe“ für überraschende Ergebnisse.

Im Fall des Orlando Massakers rückt die Persönlichkeit des Täters, Omar Mateen, immer stärker in den Vordergrund. Zunächst hatten Medien und Social Media Nutzer einen Zusammenhang zwischen dem angeblichen islamistischen Extremismus des Täters und seiner schwulenfeindlichen Einstellung gezogen.

Dabei lagen bereits Aussagen seiner ehemaligen Ehefrau Sitora Yusufiy vor, der zufolge Omar Mateen „homosexuelle Tendenzen“ hatte. Sie berichtete, dass der Vater des Schützen ihn ihr gegenüber einen „Schwulen“ genannt habe. Eine andere Verwandte berichtete, das FBI habe Sitora Yusufiy gebeten, diesen Sachverhalt nicht gegenüber den Medien zu erwähnen. 

Nach Recherchen im Club "Pulse" bestätigten inzwischen zahlreiche Zeugen, dass der Schütze in der Vergangenheit regelmäßig in dem Lokal zu Gast war. Die New York Post spricht von mindestens zwölf Besuchen im letzten Jahr. Andere Zeugen kannten Omar Mateen von speziellen Dating-Apps wie "Adam4Adam", wo er Kontakte zu Männern suchte. In mindestens zwei Fällen bestätigten Zeugen inzwischen intime Kontakte.

Selbst ehemalige Mitschüler schildern gegenüber Medien eindeutige Annäherungsversuche von Omar Mateen. „Wir besuchten mit ihm einige Schwulen-Bars. Ich war zu der Zeit aber nicht frei, also lehnte ich sein Angebot ab“, berichtet ein ehemaliger Mitschüler. Aus den Recherchen ergibt sich inzwischen eher das Bild eines Mannes, der seine Homsexualität nicht offen ausleben konnte, nicht zuletzt wegen der schwierigen Beziehung zu seinem Vater.

In den USA entwickelte sich das mutmaßliche Motiv für die Tat inzwischen zum Politikum. Während Präsident Obama sich mittlerweile darauf festlegte, dass es sich bei Omar Mateen um einen Einzeltäter handelt, forderte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump, ein generelles Einreiseverbot für Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit. 

Barack Obama stellte Omar Mateen hingegen in eine Reihe mit den zahlreichen Tätern in verschiedenen Massakern der letzten Jahre, bei denen die Religion der Schützen keine Rolle gespielt hatte. Während zahlreiche US-Medien zunächst gezielt Social Media-Kommentare aus der muslimischen Welt zitierten, die sich zustimmend auf die Tat bezogen, diskutieren unabhängige Medien wie The Intercept auch Umfragen, die ergeben, dass einige christliche Gruppen in den USA deutlich mehr Vorurteile gegen Schwule haben als amerikanische Muslime.

So verwies Glenn Greenwald auf eine repräsentative Befragung der amerikanischen Bevölkerung vom September 2014. Damals hatte das Pew-Research Center die Einstellungen zum Thema „gleichgeschlechtliche Ehe“ abgefragt und dabei auch die Religionszugehörigkeit der Befragten erhoben. Das Ergebnis zeigt, dass vor allem evangelikale Christen gleiche Rechte für Homosexuelle ablehnen.