Legendär seit Jahrhunderten: Die Katzen der Petersburger Eremitage als Museumswächter

Legendär seit Jahrhunderten: Die Katzen der Petersburger Eremitage als Museumswächter
Katzen sind beliebt als Haustiere. In der Großstadthektik helfen sie ihren Frauchen und Herrchen den Alltagsstress abzubauen. Allerdings gehen einige Samtpfötchen auch heutzutage ihrer wilden Natur nach und fangen hauptberuflich Mäuse. RIA Nowosti erzählt in einer Reportage über die Stubentiger der Petersburger Eremitage, die im weltberühmten Museum Wache halten.

Der Alltag der vierbeinigen Kustoden

In den Kellern der Eremitage leben rund 50 Katzen. Sie lustwandeln gerne im Hof oder sonnen sich auf den Bänken vor dem Museum. Allerdings haben die vierbeinigen Wächter keinen Zutritt zu den Ausstellungsräumen.

„Sie sind verwöhnte, sanfte Tiere mit unterschiedlichem Charakter. Einige von ihnen leben gerne zusammen und bilden kleine Familien, andere suchen gerne Kontakt und spazieren im Hof, wieder andere rennen aktiv in den Vorhof des Winterpalastes. Manche erholen sich gerne, indem sie sich bei warmem Wetter zum Beispiel am Kai sonnen“, erzählte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Eremitage, Maira Haltunen, gegenüber RIA Nowosti.

Maria ist die Pressesprecherin der musealen Katzen. Obwohl es diese Stelle nicht offiziell gibt, kümmert sie sich seit 20 Jahren um die samtpfötigen Bewohner der Eremitage-Keller. Ihre Zöglinge sind echte Bonvivants und bekommen mehrere Malzeiten am Tag. Die Katzen wissen genau, wann das Essen kommt, und warten darauf von den Näpfen. Für ihre Verpflegung kommen Museumsarbeiter und ein größerer Tierfutterproduzent auf.

„Der Arbeitstag einer Katze läuft darauf hinaus, dass sie bloß existiert, spaziert, die Gegend überblickt und sich erholt. Das mag zwar ziemlich müßig aussehen, aber die Katzen hinterlassen einen spezifischen, für die Mäuse wahrnehmbaren Geruch, indem sie durch die Keller laufen. Sie sind die ideale Präventivmaßnahme in der Bekämpfung von Nagetieren“, sagte Maria.

Berühmte Katzen

Eremitage-Mitarbeiter kennen Dutzende Geschichten, deren Protagonisten die musealen Katzen sind. Eine der berühmtesten erzählt von der Van-Dyck-Katze, die sich in den Heizkanälen der Neuen Eremitage verlaufen hatte. Die Mieze gelang in einen der altertümlichen Kanäle, durch die heiße Luft in die Ausstellungsräume kommt, und kletterte in den zweiten Stock bis zum Van-Dyck-Saal hoch. Der Weg dorthin war lang und anstrengend, sodass die Katze vor Stress zu heulen begann. Die Wärter versuchten vergeblich, sie mit Milch herauszulocken. Die arme Katze befreite sich erst eine Woche später und wurde von einer Familie „adoptiert“.

„Als Chefkater gilt momentan Tichon. Er ist souverän, alt und sehr groß. Das Tier hinkt, weil seine Oberschenkel wegen des hohen Alters schlecht funktionieren. Wir bekommen sogar an ihn gerichtete Briefe. Man schreibt buchstäblich: ʻAn Tichon, den Chefkater der Eremitageʼ. Er ist grau und hat weiße Fleckchen“, erzählte Maria gegenüber RIA Nowosti.

Katzen als Sehenswürdigkeit

Die in der Eremitage lebenden Katzen sind eine Sehenswürdigkeit der Stadt an der Newa. Manche Touristen besuchen das Museum extra, um die Samtpfötchen zu sehen und ein Foto mit ihnen zu machen. Es werden sogar spezielle Ausflüge organisiert. Einige Besucher sind so fasziniert, dass sie sich dazu entschließen, eine Katze mit nach Hause zu nehmen. Bevor aber das Tier ein neues Zuhause bekommt, überprüfen die Museumswärter die Interessenten rigoros, damit alle zufrieden bleiben.

Jahrhundertelange Geschichte

Die Geschichte der Museumskatzen reicht ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Eine Stadtlegende besagt, dass der erste Eremitage-Kater namens Wassili von Peter dem Großen höchstpersönlich aus Holland mitgebracht wurde. 1745 bestellte die russische Kaiserin Elisabeth I. beste Rattenfänger aus Kasan, damit sie außer Rand und Band geratene Mäuse im Winterpalast vernichteten. Die Gründerin der Eremitage, Kaiserin Katarina II., mochte zwar keine Katzen, ließ sie aber ungestört im Gebäude leben, damit sie die Bilder vor Nagetieren schützten.        

Im zweiten Weltkrieg wurden die Kunstwerke aus der Eremitage evakuiert. Die Keller dienten als Luftschutzräume. Während der Leningrader Blockade kamen alle Katzen ums Leben. Nach dem Krieg wurden nach Leningrad 5.000 Tiere befördert, um gegen zahlreiche Ratten vorzugehen. Einige Stubentiger wurden im Museum untergebracht.