EURO 2016 – Startsignal

EURO 2016 – Startsignal
In Frankreich beginnt die Europameisterschaft im Fußball. Sie dauert bis zum 10. Juli an, aber schon jetzt ist klar, dass die kommenden Wochen nicht nur für Fußball-Fans spannend sein werden. Hier die wichtigsten Besonderheiten der EURO 2016.

Sicherheit

Fangen wir mit dem Schlechten an. Die Hauptbesorgnis sowohl der Veranstalter als auch der Fans ist der Terrorismus. Man beachte allein die Wohnbedingungen der Wettbewerbsteilnehmer. Zum Beispiel das Hotel, in dem die russische Auswahl in Paris untergebracht ist, wird von Geheimdienstlern rund um die Uhr überwacht. Die Polizei patrouilliert auf dem Territorium um das Hotel, alle Hotelbesucher werden eingehend durchsucht, Zutritt ist nur in dem Fall erlaubt, wenn man eine besondere Einladung vorweist. Mit Stacheldraht rundherum und Aussichtstürmen wäre es noch schöner.  

Öl ins Feuer goss auch der Verteidiger der deutschen Stammelf, Jérôme Boateng, der erklärte, dass seine Familie unter keinen Umständen zum Wettbewerb fahren wird. Wenn selbst die Fußballspieler sich dessen nicht sicher sind, dass alles gut verläuft, wie sieht es dann erst für einfache Bürger aus? So sagten die russischen Fans auf Empfehlung der Sicherheitsbehörden den traditionellen feierlichen Zug vor dem Spiel mit England ab. Es werden am 11. Juni im Stadium und der Fanzone in Marseille etwa 35.000 russische und 150.000 britische Fans erwartet.

Französische Behörden versprechen, die Anspannung auf ein Minimum zu senken, indem präzedenzlose Maßnahmen ergriffen werden sollen, damit das Ambiente freundlich bleibt. Das französische Innenministerium startete sogar eine Handy-App, die die Nutzer vor Terrorbedrohungen alarmieren wird.

Politik

Um Politik kommt man auch bei einer Sportveranstaltung nicht herum. So wurden die Nationalmannschaften Russlands und der Ukraine schon bei der Auslosung der Endrunde in unterschiedliche Töpfe gesetzt, was taktvoll auf Sicherheitsgründe zurückgeführt wurde.  

Aber das scheint die Veranstalter am wenigsten zu beunruhigen. Gerade jetzt halten nämlich in Frankreich die Proteste gegen den Sozialabbau an. Fast landesweit streiken Piloten von Air France, Busfahrer, Eisenbahnpersonal. Diese Aufmärsche schlagen oft in erbitterte Auseinandersetzungen mit der Polizei um und sind fähig, einen Kollaps in jeder beliebigen Stadt zu provozieren, wie es neulich bei der Verhinderung der Präsentation der EM-Haupttrophäe am Bahnhof Paris-Nord der Fall war.

Neues Format

Für die Endrunde der EURO 2016 wurden viele qualifiziert, die früher die Spiele nur von Tribünen her oder im Fernsehen mitverfolgen konnten. Im Unterschied zu den letzten EM-Turnieren spielen in diesem Jahr statt 16 Teams nun 24 Nationalmannschaften. Neulinge sind die Slowakei, Albanien, Island, Wales und Nordirland.

Roman Neustädter mit dem russischen Nationalkader im Trainingscamp  im schweizerischen Bad Ragaz zur Vorbereitung auf die Fußball-EM 2016 in Frankreich.

Diese Neuerung soll die Konkurrenz verschärfen und das Interesse am Wettbewerb erhöhen.

Das, wozu sich alle versammeln

Lässt man alle Probleme um Fußball weg, kann die diesjährige EM eine bemerkenswerte Veranstaltung werden.

Die stärksten Mannschaften (außer den Niederlanden, deren Auswahl es nicht in die Endrunde geschafft hat) und alle Starspieler sind in ihrer besten Form. Traditionell sind die Favoriten Spanien und Deutschland, die Franzosen als Gastgeber scheinen eine rigorose Macht zu sein. Den Belgiern wird schon seit langem Erfolg prophezeit, für das Land spielt jetzt die „goldene“ Generation.

Auch anspruchsvolle Neulinge sind da, die bereit sind, alles zu geben und sich durchzukämpfen, aber positive Überraschungen wie mit Griechenland 2004 werden von ihnen nicht erwartet. An der EM nehmen mehrere vielversprechende junge Kicker teil. So sind im englischen Kader, mit dem die Russen am 11. Juni wetteifern werden, viele begabte Jugendliche präsent – diese Mannschaft ist im Wettbewerb die jüngste, ihr Durchschnittsalter ist 25 Jahre und 3 Monate.

Zwei EM-Frischlinge sind Russlands Rivalen in der Vorrunde – die Slowakei und Wales.

 

Russische EM-Auswahl 2016
Russische EM-Auswahl 2016

Obwohl ihre Gegner zum ersten Mal bei einer Europameisterschaftsendrunde mit dabei sind, kann die russische Auswahl nicht als eindeutiger Kandidat für das Achtelfinale betrachtet werden. Kurz vor dem Wettbewerb hat das Team eine ganze Reihe von führenden Spielern aufgrund von Verletzungen verloren. Vor allem sind es Alan Dsagojew und Igor Denissow, die die Zentralachse der Nationalauswahl gebildet haben. Des weiteren fehlen verletzungsbedingt auch Denis Tscheryschew und Juri Schirkow, die gleichfalls Chancen hatten in der A-Mannschaft zu spielen.