Aus politischen Gründen: Eklatanteste Skandale der Olympia-Geschichte

Aus politischen Gründen: Eklatanteste Skandale der Olympia-Geschichte
Russland könnte zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nicht zugelassen werden. Dies hat der IOK-Präsident, Thomas Bach, nach der skandalösen Aussage des früheren Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow, bekanntgegeben. Übrigens sind solche unsportlichen Spiele in der Geschichte der Olympischen Bewegung keine Neuigkeit. Hier ein Überblick darüber, wie sich die große Politik in die Angelegenheiten des großen Sportes eingemischt hat.

Antwerpen 1920: Deutschland fehlt

Das erste Land, das der politischen Prinzipientreue des IOK zum Opfer fiel, war Deutschland, als es keine Einladung zu den VII. Olympischen Spielen in Antwerpen erhielt. Auf diese Weise beschloss man, den Staat für die Entfesselung des Ersten Weltkrieges zu bestrafen. Boykottiert wurden auch seine Kriegsverbündeten Österreich, Bulgarien, Ungarn und die Türkei. Dem schon ohnehin nach der Niederlage verletzten Ehrgefühl der Nation wurde ein neuer Schlag versetzt. Kein Wunder, dass Adolf Hitler ein Jahr später auf der Welle des Quasipatriotismus seinen politischen Aufstieg begann.

Berlin 1936: Fehlstart

Die XI. Olympiade sollte in Berlin stattfinden. Doch die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten warf die Karten durcheinander. Die offen rassistischen Stimmungen im Dritten Reich ließen die internationale Gemeinschaft mit den USA an der Spitze über einen Boykott der Spiele und einen anderen Austragungsort nachdenken.

Als eine Alternative zu Berlin wurde Barcelona erörtert. Das war sogar Thema einer IOK-Konferenz in Paris. Es wurde beschlossen, eine Kontrollkommission in die deutsche Hauptstadt zu abzuordnen. Die Delegation bemerkte nichts, was die Olympische Bewegung schädigen könnte. Das Urteil lautete: Man sollte das Event nicht politisieren.

Melbourne 1956: Es hagelt Boykotts

Bei den XVI. Olympischen Spielen hagelte es Boykotts: Gleich drei Länderblöcke verzichteten aus unterschiedlichen Gründen, sich zu den Wettkämpfen zu stellen. Die Sueskrise und die darauffolgende Invasion Großbritanniens, Frankreichs und Israels auf der Sinai-Halbinsel machten die Beteiligung von Ägypten, dem Irak und dem Libanon unmöglich.

Die zweite Gruppe, bestehend aus den Niederlanden, Spanien und der Schweiz, blieben den Spielen aus Protest gegen die „Invasion“ der UdSSR in Ungarn fern. Das „besetzte“ Land selbst zog dabei keinen Boykott in Erwägung. Allerdings verzichteten einige Sportler darauf, unter der Flagge der Volksrepublik Ungarn anzutreten. Stattdessen schwenkten sie die ungarische Flagge aus dem Jahr 1918. Nach der Olympiade beschlossen einige ungarische Athleten aus Protest, nicht in die Heimat zurückzukehren.

Die Volksrepublik China erklärte Olympia den Einzelboykott, nachdem die Nationalmannschaft von Taiwan zu den Wettkämpfen eingeladen worden war.

Tokio 1964: Drei weniger 

Drei Nationalmannschaften (Indonesien, Nordkorea und Südafrika) fuhren nicht zu den XVIII. Olympischen Spielen. Die Gründe waren allerdings unterschiedlich.

Jakarta wurde für den Ausschluss Israels und Taiwans aus den Asienspielen 1962 bestraft. Das IOK verurteilte jenen skandalösen Beschluss scharf und entmachtete das Olympische Komitee Indonesiens. Als Reaktion darauf verließ das Land die Olympische Bewegung und veranstaltete einen alternativen Wettbewerb – und zwar die „Spiele der neuen aufstrebenden Kräfte“ (GANEFO). Das IOK empörte sich und erklärte die GANEFO-Teilnehmer zu „unerwünschten Personen“ bei Olympia in Tokio. Elf Indonesier und sechs Nordkoreaner wurden „gesperrt“. Aus Protest beschloss Jakarta, seine Athleten nicht nach Japan zu schicken. Seinem Beispiel folgte auch Pjöngjang.

Die Republik Südafrika wurde wegen ihrer Apartheid-Politik sanktioniert. Das IOK verurteilte darüber hinaus die lebenslängliche Gefängnisstrafe für den Führer des Afrikanischer Nationalkongress (ANC), Nelson Mandela. Im Jahr 1970 wurde das südafrikanische NOK vom IOK ausgeschlossen. Erst 1992 wurde das Land in die Olympische Bewegung wieder aufgenommen.

Montreal 1976: Massenboykott

Die XXI. Olympischen Spiele verliefen unter dem Zeichen eines Massenboykotts. Gleich 26 afrikanische Länder ignorierten den internationalen Sportwettbewerb. Die „Anstifter“ waren Kongo und Tansania, die auf diese Weise gegen ein Rugby-Spiel zwischen Neuseeland und dem durch das IOK sanktionierte Südafrika protestierten.

 

Das Event wurde außerdem durch den andauernden Streit zwischen China und Taiwan überschattet: Beide chinesischen Mannschaften blieben den Wettkämpfen fern. Taipeh war mit der Entscheidung des IOK unzufrieden, das seiner Nationalmannschaft verboten hatte, unter dem Namen „Republik China“ anzutreten, während China den halbherzigen IOK-Beschluss in Bezug auf Taiwan bemängelte.

Moskau 1980: Opfer des Kalten Krieges

Die XXII. Olympiade fiel dem Kalten Krieg zum Opfer. Der Boykott der Spiele in Moskau wurde 1980 auf einem NATO-Treffen als Protest gegen den sowjetischen Truppeneinmarsch nach Afghanistan erwogen. Später traf das Weiße Haus diesen Beschluss offiziell.

Dem Beispiel der USA folgten andere Länder. Insgesamt wurde die Sowjetunion von 64 Ländern boykottiert. Allerdings überließen Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien die Entscheidung ihren Sportlern, sodass viele von ihnen auf eigene Faust in die UdSSR reisten.

Los Angeles 1984: Antwort aus Moskau

Die XXIII. Olympischen Spiele wurden von allen Ländern des Ostblocks (mit der Ausnahme von Rumänien, Jugoslawien und China) ignoriert. Das war die Antwort auf den Boykott, mit dem die USA und ihre Verbündeten das Olympia in Moskau belegt hatten.

Der offizielle Grund lautete jedoch anders: Die Veranstalter der Olympiade 1984 hätten sich geweigert, den Sportlern aus der UdSSR und anderen Ländern des Warschauer Paktes die Sicherheit zu garantieren.

Seoul 1988: Ein Event für zwei Koreas

Nordkorea weigerte sich, seine Mannschaft ins Nachbarland zu schicken, weil das Organisationskomitee in Seoul den Vorschlag Kim Il-sungs abgelehnt hatte, die Wettkämpfe teilweise in Nordkorea austragen zu lassen.

Südkorea begründete den abschlägigen Bescheid mit dem Kriegszustand zwischen den beiden Ländern. Den Standpunkt Pjöngjangs unterstützten Kuba, Nicaragua und Äthiopien, indem auch sie der Olympiade fernblieben. Es gelang wiederum nicht, die Einigkeit der Koreanischen Halbinsel zu demonstrieren.

Sydney 2000: Einzelprotest Afghanistans

Die XXVII. Olympiade wurde von Afghanistan boykottiert. Die Taliban haben den Sport verpönt, das NOK abgeschafft und die IOK-Einladung abgelehnt.