Medien: Der Mord an einem Menschenrechtler in Odessa war von der Polizei inszeniert

Polizei am Strand von Odessa nach einem Unglück im Oktober 2015
Polizei am Strand von Odessa nach einem Unglück im Oktober 2015
Der Mord an einem Anwalt in Odessa erwies sich als eine Inszenierung. Tatsächlich sollte einem Verbrechen vorgebeugt werden, heißt es aus ukrainischen Strafverfolgungsbehörden. Am Wochenende meldeten Medien, dass zwei Unbekannte einen Wagen in Odessa beschossen hätten. Dabei sei der Umweltbeauftragte einer Firma in der Kurortsiedlung Satoka getötet worden. Medien, die zunächst über einen "Mord an Menschenrechtler in der Ukraine" berichtet hatten, stehen nun dumm da.

Der Mord an dem Anwalt Alexander Pogorelyj in Odessa erwies sich als eine Mordinszenierung durch die ukrainischen Sicherheitsbehörden. Angeblich haben sie zu der Desinformation gegriffen, um einem geplanten Verbrechen vorzubeugen, meldet am Dienstag die lokale Ausgabe Dumskaya.net unter Berufung auf Quellen in den Strafverfolgungsbehörden.

Findet sich mittlerweile nicht nur an den Hälsen von ukrainischen Oppositionspolitikern -. Quelle: Patrick Feller (Symbolbild)

„Der Anwalt Alexander Pogorelyj, an dem gestern Abend ein Mord in Odessa begangen worden sein soll, ist am Leben. Die Information zum Tod des Juristen wurde absichtlich im Rahmen der Operation zur Festnahme von allen an der Vorbereitung des Verbrechens beteiligten Personen verbreitet. Auch der Tatort wurde konstruiert, den es in Wirklichkeit nicht gab“, so die Dumskaya.net.

Angeblich nahmen Mitarbeiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes nach der Veröffentlichung der Information über den Mord die Killer und einen Vermittler fest. Die Operation sei vom Chef der ukrainischen Nationalpolizei, Chatija Dekanoidse, persönlich geleitet worden. Die Geheimdienste hatten von der Vorbereitung des Attentats auf Pogorelyj wegen seiner Tätigkeit in der Kurortsiedlung Satoka noch Anfang März erfahren.

Zur selben Zeit habe man den Plan zur Festnahme des Killers und des Auftraggebers zu erarbeiten. Laut Dumskaya.net warf das Ziel der Mordpläne, ein Anwalt, den lokalen Behörden vor, dass sie die Grundstücke in einer Siedlung enteignet, die Wahlen manipuliert und den estnischen Investor Marcel Vichmann erpresst haben.

Verschiedene russische und ukrainische Medien hatten am Vortag über den vermeintlichen Mord an einem Menschenrechtler berichtet. Das angebliche Mordopfer leitet die Firma Holding Privileg. Sie vertritt die Interessen des estnischen Geschäftsmanns Marcel Vichmann, der ein großangelegtes Projekt zur Gestaltung der Uferstraße in der Kurortsiedlung Satoka durchführt.

Mitglieder des Rechten Sektors feiern mutmaßlichen Mörder von Busina - Quelle: Screenshot 112UA

Die Firma von Alexander Pogorelyj befasste sich mit der Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien bei dem Projekt. Dabei ging es auch um die Zuweisung von Landflächen für den Uferstraßenbau. Das Opfer war dafür zuständig, Umweltauflagen und die Einhaltung von Gesetzen zu prüfen. Das meldete die Pressestelle der ukrainischen Polizei in der Oblast Odessa.

In den vergangenen Monaten wurden in der Ukraine einige spektakuläre Verbrechen begangen. Im April kam in Kiew der Politologe Andrej Doroschenko ums Leben, die Polizei schloss einen Mord nicht aus. Im März 2015 starb der Ex-Gouverneur der Oblast Saporischschja und früherer Mitglied der Partei der Regionen, Alexander Pekluschenko, durch einen Genickschuss.

Danach nahmen sich die ehemaligen Rada-Abgeordnete der Partei der Regionen, Michael Chechetow und Stanislaw Melnik, das Leben, und im April 2015 wurde in der Nähe seines Hauses im Zentrum Kiews der bekannte Journalist Oles Busyna erschossen.

Nach diesen Vorgängen beschuldigte die ukrainische Partei Oppositionsblock das Innenministerium des Landes, politische Repressalien durchzuführen und betonte, dass die Polizei sich auf die Verfolgung politischer Aktivisten konzentriere, anstatt die Straßenkriminalität zu bekämpfen.