Kopftransplantation: Auch russische Technologien im Spiel

Kopftransplantation: Auch russische Technologien im Spiel
Der italienische Chirurg Sergio Canavero und sein chinesischer Kollege Ren Xiaoping haben im medizinischen Fachmagazin Surgery berichtet, dass sie die weltweit erste Kopftransplantation durchführen werden. Ihnen zufolge werden dabei auch russische Technologien behilflich sein.

Nun haben die Wissenschaftler weltweit alles, um sich von der Umsetzbarkeit des Kopftransplantationsprotokolls GEMENI HEAVEN zu überzeugen. Ich bin mir sicher, dass russische Chirurgen an diesen Unterlagen interessiert sein werden. Denn das ist ein Mittel, mit China in der Umsetzung aller Etappen des Eingriffs zusammenzuarbeiten“, sagte Sergio Canavero im Gespräch mit Waleri Spiridonow, dem ersten Kandidaten für die Kopftransplantation. 

Die von dem italienischen Chirurgen angesprochenen Unterlagen waren vorher in einer den Problemen der Kopftransplantation gewidmeten Sonderausgabe des Fachmagazin Surgery veröffentlicht worden. In einer Reihe von Artikeln gehen Canavero, Xiaoping und ihre Kollegen darauf ein, wie das Protokoll GEMINI HEAVEN funktioniert, wie Verletzungen des Nervengewebes beim Abtrennen des Kopfes minimiert werden können, und was man gegen den Gehirntod an Sauerstoffmangel und möglichen Schmerzen nach der Transplantation tun kann.  

Waleri Spiridonow, Kandidat für die weltweit erste Kopftransplantation, in seiner Wohnung in Wladimir
Waleri Spiridonow, Kandidat für die weltweit erste Kopftransplantation, in seiner Wohnung in Wladimir

Sergio Canavero erklärt, dass russische Wissenschaftler und Technologien beim Schutz der Gehirnzellen die Schlüsselrolle spielen. Dem Arzt zufolge besteht das Problem darin, dass der abgetrennte Kopf nicht sofort an den neuen Körper angenäht werden könne. Die Transplantation werde mindestens 30 Minuten in Anspruch nehmen.         

Das menschliche Gehirn kann ohne Sauerstoff- und Nahrungszufuhr nur sieben Minuten lang leben. Das stellt die Wissenschaftler vor das Problem, wie der Gehirntod bei der Transplantation verhindert werden kann.

Die Mausversuche, die der chinesische Arzt Ren Xiaoping im vergangenen Jahr gemacht hat, deuten eine mögliche Lösung an: Der zu transplantierende Kopf muss an den Blutkreislauf des anderen Menschen angeschlossen und dabei auf 29 bis 33 Grad Celsius abgekühlt werden, was den Metabolismus verlangsamen und das Leben der Neuronen beim Abtrennen des Kopfes verlängern soll.

Die Senkung der Körpertemperatur um nur sieben Grad Celsius verlangsamt die Stoffwechselgeschwindigkeit um 50 Prozent. Die Temperatursenkung auf 15 Grad Celsius kann das Durchhaltevermögen des Gehirns um etwa eine Stunde verlängern.                         

Das zweite Schlüsselelement dieser Herangehensweise ist die Arznei Perftoran, die das Institut für Biophysik der sowjetischen Akademie der Wissenschaften als Blutersatz entwickelt hat. Diese Medizin soll das Gehirn während der Operation mit Sauerstoff versorgen. Perftoran kann das Leben der inneren Organe vier bis fünf Mal verlängern.

Chinesische Chirurgen machen bereits erste Transplantationsversuche an Leichen, Affen und Mäusen.