ESC 2016: Ukraine gewinnt - Russland Publikumsliebling

Mit einer beeindruckenden Videoshow begeisterte der russische Superstar Sergey Lazarev das Publikum. Quelle: EUROVISION.TV
Mit einer beeindruckenden Videoshow begeisterte der russische Superstar Sergey Lazarev das Publikum. Quelle: EUROVISION.TV
Auch in diesem Jahr verfolgten über 200 Millionen Menschen weltweit den Eurovision Song Contest. Erstmals wurde die Megashow auch in den USA übertragen. Während bei der Jury-Wertung noch Australien klar vorne lag, konnte nach der Auswertung der Zuschauervotings die ukrainische Sängerin Jamala den Sieg davon tragen. Doch die meisten Punkte aus dem Publikum bekam der Russe Sergey Lazarev mit seinem Song "You are the only one".

Eingängiger Pop, schmalzige Balladen, grelle Lasershows, bombastisches Feuerwerk und perfekt einstudierte Choreographien: Das ist der Eurovision Song Contest, kurz ESC.

Doch das alljährlich stattfindende größte Musikereignis der Welt hat längst auch eine politische Komponente, wenngleich die Veranstalter betonen, dass Lieder mit politischen Inhalten für den Wettbewerb nicht zugelassen sind. Die ukrainische Sängerin Jamala, die in ihrem Song "1944" die Deportation der Krimtataren durch Stalin thematisiert, schaffte es dennoch in den Gesangswettbewerb - und trug letztendlich sogar den Sieg davon. 534 Punkte reichten für den ersten Platz.

Gewertet wurde dieses Jahr nach einem neuen Abstimmungsverfahren. 50 Prozent der Punkte wurden von den Jurys der Teilnehmerstaaten vergeben, die anderen 50 vom Publikum in den einzelnen Ländern. Dies führte zu einem interessanten Ergebnis, denn in keinem der Teilvotings lag die Ukrainerin Jamala vorne. Australien, das zum zweiten Mal am ESC teilnahm und die stimmgewaltige Sängerin Dami Im schickte, gewann mit 320 Punkten die Jury-Wertung.

Der russische Beitrag "You are the only one", gesungen von Sergey Lazarev, siegte beim Zuschauervoting klar mit 361 Punkten. Doch weder konnte Australien bei den Fernsehzuschauern abräumen, noch gelang Russland dies bei den Juroren. Aufsummiert erhielt die Ukraine 534 Punkte und gelangte so auf Platz 1.

Um den Song 1944 der krimtatarischen Sängerin Jamala hatte es im Vorfeld Kontroversen gegeben. Dieser beziehe sich weniger auf die Vergangenheit und sei viel mehr eine Reaktion auf die Wiedereingliederung der zeitweise ukrainischen Halbinsel Krim an Russland. Ob es nun Trauer um die Großeltern war, die Jamala inspirierte, oder der Versuch eine aktuelle politische Botschaft zu setzen, klar ist, im kommenden Jahr wird der ESC in der Ukraine stattfinden.

Zuvor hatte das Land angekündigt, dass es auf eine Teilnahme verzichten will, sollte Russland gewinnen und der Megacontest 2017 in Moskau oder Sankt Petersburg stattfinden. Für Russland ist der klare Sieg beim Publikum dennoch ein großer Erfolg. Noch vor zwei Jahren wurde Beitrag aus Russland vom Publikum ausgebuht.

Doch nicht einmal aus musikalischen Gründen. Die Kampagne in westlichen Medien, wonach Homosexuelle in Russland praktisch Staatsfeinde seien, befand sich auf ihrem Höhepunkt. Das Publikum des ESC, der auch in der Gay-Kultur eine wichtige Rolle spielt, reagierte empört. 2016 ist die Lage schon deutlich entspannter. In einem Interview mit dem Stern nutzte der Publikumsliebling Sergey Lazarev gar die Chance um mit einigen Missverständnissen aufzuräumen. Er selbst, in Russland ein Superstar, gebe zweimal im Jahr große Konzerte in einem Schwulenclub in Moskau, in vielen Städten in Russland gibt es ein Gay-Life, so der Sänger. Zu der Politisierung des Themas äußerte sich Lazarev wie folgt:

"Es gibt viele Vorbehalte, aber die meisten sind nicht wahr.

[...]

Es geht oft zu sehr um politische Dinge. In der Berichterstattung wird das Thema oft aus einem falschen Winkel dargestellt."

Auch das deutsche Publikum vermochte der russische Sänger mit seiner beeindruckenden Video-Show zu begeistern. 12 Punkte gab es von den deutschen Zuschauern für Russland. Deutschland selbst konnte indes nicht überzeugen. Für die noch junge Sängerin Jamie-Lee, die nach politischen Querelen für den erst nominierten und dann zurückgezogenen Xavier Naidoo eingesprungen ist, reichte es mit insgesamt 11 Punkten nur für den letzten Platz.