Radioaktive Wildschweine in Fukushima "vermehren sich wie Kaninchen" und verwüsten Landschaft

Symbolbild - Verstrahlte Wildschweine in der 30-km Sperrzone rund um Tschernobyl im Februar 2011.
Symbolbild - Verstrahlte Wildschweine in der 30-km Sperrzone rund um Tschernobyl im Februar 2011.
In Nordjapan herrscht Alarm, seitdem die Gegend um Fukushimas atomare Unfallzone durch radioaktive Wildschweine geradezu überrannt wird. Deren Bestand hat in den letzten vier Jahren dramatisch zugenommen, da sie in der Sperrzone unbehelligt leben und lieben können.

Durch die stetig wachsende Anzahl der Tiere, haben die Wildschweine immer wieder Felder der Gegend zerstört. Seit der Atomkatastrophe im Jahr 2011 haben sich die Schäden in der Landwirtschaft, die durch Wildschweine verursacht werden, in der Präfektur Fukushima verdoppelt und kosten um die 15 Millionen US-Dollar, laut einem Bericht von The Times.

Wildschweine stellen auch eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit dar. Es häufen sich in den letzten Jahren Berichte von Tieren, die Anwohner beim Überqueren der Straßen verletzten.

"Die radioaktiven Wildschweine erinnern mich an die in Deutschland vor zwei Jahren."

Da Wildschweine keine natürlichen Feinde haben, die ihren Bestand im Zaum halten, haben lokale Behörden in ganz Japan große Jagdpartien organisiert, um die Population zu verringern.

In den drei Jahren vor 2014 hat sich die Anzahl der getöteten Wildschweine mehr als vervierfacht, von 3.000 auf 13.000 Tiere. Wie Yomiuri Nachrichten berichtet, bietet die Regierung in Fukushima den Jägern Belohnungen an, um sie zur Jagd "zu inspirieren". Trotz der Bemühungen ist die Wirkung begrenzt, da sich die Tiere schnell reproduzieren.

Wissenschaftler am Institut für Umwelt Radioaktivität der Fukushima Universität, die die Ausbreitung von radioaktiven Stoffen im Katastrophengebiet untersuchen, haben die Gründe für die Explosion in der Bevölkerung der Wildschweine gesucht.

"Wildschweine und Waschbären nutzen die Vorteile der Evakuierungszone. Sie gehen in leerstehende Häuser in Bereichen, die vom [Unfall] beschädigt wurden und verwenden diese als Brutstätten oder Wohnhöhlen," wird der Assistenzprofessor für Ökologie, Okuda Keitokunin, im März von der japanischen Mainichi Zeitung zitiert.

Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass die Städte keinen Platz mehr zum Vergraben der Wildschweine haben. In der Stadt Nihonmatsu, circa 56 Kilomenter von Fukushima entfernt, sind die drei Massengräber für jeweils 600 Wildschweine angeblich fast voll, und die Lokalbehörden sagen, dass sie kein freies Land mehr dafür haben. Jäger mussten die Kadaver sogar schon auf ihrem eigenen Land begraben.

Die Behörden haben auch schon Tierleichen in städtischen Verbrennungsanlagen verbrannt, aber die Aufgabe, Tiere mit einem Gewicht von 100 Kilogramm zu zerschneiden, um sie in den Ofen zu bekommen, ist kein Traumjob und es mangelt an Personal, das diese Aufgabe durchführen kann.

Ungesunde Delikatesse

Obwohl Wildschweinfleisch in Nordjapan als Delikatesse gilt, ist das Fleisch von Wildschweinen aus der Fukushima-Region nicht genießbar, weil es hohe Konzentrationen radioaktiver Stoffe enthält. Normalerweise ist es eine der gesündesten roten Fleischsorten, mit sehr hohem Proteingehalt. Fukushimas Wildschweine sind jedoch ziemlich das Gegenteil von "gesunder Ernährung" geworden, da sie normalerweise Wurzeln, Nüsse, Beeren und kleinere Tiere aus dem Waldboden essen, wo das höchste Maß an radioaktiven Niederschlag konzentriert ist, weil er in der Regel durch den Regen heruntergespült wird. Das radioaktive Element Cäsium-137 wurde Berichten zufolge bei Tieren aus der Gegend in Konzentrationen nachgewiesen, die bis zu 300-mal höher sind als die Richtwerte für den menschlichen Verzehr. Kommunen haben Warnungen herausgegeben, in denen Bewohner gebeten werden, das Wildschweinfleisch nicht zu essen.

Quelle: RT

Es gibt bisher keine Beweise dafür, dass die Gesundheit der Schwarzkittel durch die Strahlenbelastung betroffen ist, aber Studien konnten schon Schäden in kleineren Tieren wie Ratten sowie Pflanzen nachweisen. In Bereichen mit sehr hoher Strahlung sind DNA-Schäden auch in Regenwürmern und Wachstumsmutationen bei Tannen entdeckt worden.

Bis heute gibt es keine Beweise für genetische Schäden bei Menschen, die der Strahlung in Fukushima ausgesetzt waren. Eine Studie der Stanford University in Kalifornien kam zu dem Schluss, dass etwa 130 Menschen durch Krebs sterben können, der durch die Katastrophe verursacht wurde, die angesichts der Größe der betroffenen Bevölkerung als eine eher geringe Zahl gilt.

Die Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima-Daichi wurde von einem Tsunami verursacht, der zu einem Zusammenbruch von drei Reaktoren und eine Freisetzung von radioaktivem Material geführt hatte. Sie gilt als die größte Nuklearkatastrophe seit der Tschernobyl-Tragödie von 1986.