Der Mittelmeer-Stunt der norwegischen Integrationsministerin geht nach hinten los

Foto: The Local Norway (Twitter)
Foto: The Local Norway (Twitter)
Bilder der norwegischen Integrationsministerin Sylvi Listhaug, die in einem Überlebensanzug im Mittelmeer schwimmt, haben heftige Reaktionen in den sozialen Medien ausgelöst. Die Ministerin gab an, sie wollte sich in die Lage von Flüchtlingen versetzen. Doch der PR-Stunt ist alles andere als geglückt.

Sylvi Listhaug ist nicht nur die norwegische Ministerin für Integration, sondern auch Mitglied der Fremskrittspartiet (Fortschrittspartei), die für ihre harte Haltung in Einwanderungsfragen bekannt ist. Um sich mit den Rettungsarbeiten der Besatzung des norwegischen Schiffes "Peter Henry von Koss" vertraut zu machen, vesuchte sich Listhaug nun in einem Stunt vor der Küste von Lesbos.

Listhaug begründete die Aktion mit den Worten, dass wenn sie im Meer treibe, die Chance hätte, die Dinge aus der Perspektive der Migranten zu betrachten, die ihr Leben, während der Überfahrt nach Europa, auf dem Meer riskieren.

„Man kann sich nicht in die gleiche Situation wie die Flüchtlinge versetzen, aber man kann es aus dieser Perspektive sehen [und erfahren], wie es ist, auf diese Weise im Wasser zu sein“, sagte gegenüber Medienvertretern.

„Natürlich haben die Flüchtlinge keinen Überlebensanzug, also ist es nicht vergleichbar“, fügte sie hinzu. Und so führte Listhaugs Schwimm-Aktion auch eher zu Ablehnung. In den sozialen Medien folgten viele heftige Reaktionen auf die Fotos der Ministerin, die in einem Ganzkörper-Anzug im Wasser trieb.

„Wie wäre es damit, das Fenster zu öffnen um wirklich zu erfahren, was es heißt, obdachlos zu sein?“ twitterte Karin Andersen von der Sozialistischen Linkspartei.

„Heute werde ich für fünf Minuten auf einem Stuhl zu sitzen, so kann ich wirklich fühlen, wie es ist, gelähmt zu sein,“ twitterte Anwalt Brynjar Meling.

„Nächste Woche: Sylvi Listhaug erlebt, wie es ist, blind zu sein, indem sie die Augen schließt“, twitterte Morten Overbye.

"Hätte sie ertrinken sollen, um zu erfahren, was es heißt ein Flüchtling zu sein?" fragte Medienkritiker George Gooding.

Andere nahmen ihren Stunt zum Anlass, ihre Photoshop-Fähigkeiten zu beweisen:

Die Ministerin verteidigte sich gegen die Kritik, indem sie sagte, dass sie den norwegischen Rettungskräften, die Migranten vor dem Ertrinken retten, Tribut zollen wollte.

„Ich habe mit der Mannschaft gesprochen, die mir schreckliche Geschichten erzählt hat. Sie sind Helden, die mehr als 3.000 Menschen gerettet haben. Als ich darum gebeten wurde, mir anzusehen, wie sie arbeiten, sagte ich natürlich zu. Es wäre völlig unhöflich gewesen es nicht getan zu haben“, sagte sie TV2.