Gründer von „Ben & Jerry’s“-Eismarke zu RT: „Die USA vertreten nur die Interessen der Großkonzerne"

Drei Sorten des berühmten Eis im alten Becher, im Sommer 1995, bevor der Konzern an Unilever verkauft wurde.
Drei Sorten des berühmten Eis im alten Becher, im Sommer 1995, bevor der Konzern an Unilever verkauft wurde.
Die bei der Protestkundgebung „Democracy Spring“ in Washington verhafteten Gründer der bekannten Eismarke „Ben&Jerry’s“, Ben Cohen und Jerry Greenfield, haben in einem Interview für RT ihren Standpunkt zur US-Politik geäußert. Sie erzählten auch davon, warum sie an der Protestaktion teilgenommen haben. Die US-amerikanische Demokratie sei zu korrupt geworden. Im Land hätten seit langem Großkonzerne die Zügel in der Hand.

 Democracy Spring-Protest in Washington. Bild: @LeeCamp

In Washington gehen die massenhaften Proteste gegen den zu hohen Einfluss der Finanzkörperschaften auf die US-Politik weiter. Am 18. April wurden dort Hunderte von Protestlern festgenommen. Unter ihnen waren auch Ben Cohen und Jerry Greenfield, die die beliebte Eismarke „Ben&Jerry’s“ ins Leben gerufen haben. Der Fernsehsender RT wollte herausfinden, warum die Unternehmer sich an der nicht genehmigten Kundgebung „Democracy Spring“ beteiligt hatten.  

„Der Montag [18. April – Anm.d.Red.] wurde zum Höhepunkt der Proteste: Es vereinigten sich Hunderte Organisationen, die für eine geringere Rolle des Geldes in der Politik und für die Wahlbeteiligung von einkommensschwachen Menschen und Minderheiten eintreten“, sagte Ben Cohen. An jenem Tag seien vor dem Kapitol Hunderte Aktivisten verhaftet worden. Er selbst sei mit von der Partie gewesen, weil er mit den Forderungen der Protestler übereinstimme.

„Das Geld hat unsere Demokratie in der Tat korrupt gemacht“, so der Mitgründer der Eismarke. „Die Behörden vertreten die Interessen der Großkonzerne und somit von 0,1 Prozent der Bevölkerung. Sie vertreten nicht mehr das Volk. Es ist nun Zeit, das Amerika zu schaffen, in dem wir zu leben wähnten.“

Sein Kollege Jerry Greenfield kommentierte, dass es Zeit sei, auf die Straßen der amerikanischen Städte zu gehen und zu protestieren, weil es heute in den USA nicht genug sei, Klagebriefe zu schreiben oder Petitionen zu unterzeichnen.

Protestmarsch auf das Capitol in Washington

„Es ist wichtig, mitzumachen. Das ist sehr wichtig“, bemerkte Jerry Greenfield.

Die Gründer von „Ben&Jerry’s“ meinten außerdem, dass diese Proteste in etwas Größeres münden könnten. „Denn das war eine der größten Aktionen des zivilen Ungehorsams, die man in den Vereinigten Staaten je durchgeführt hat“, betonte Cohen. Greenfield fügte dem hinzu, dass „Democracy Spring“ viele Bewegungen vereine, die über Umweltschutz, Einwanderung, Gesundheitswesen und Wahlen besorgt sind.

„Sie begreifen, dass Geld und Politik die Wurzeln jenes Übels sind, dem wir uns widersetzen müssen“, resümierte er.      

DemocracySpring

Die Bewegung „Democracy Spring“ ist von Aktivisten organisiert worden, die sich für faire Wahlen und einen geringeren Einfluss der Finanzkörperschaften auf die US-Politik stark machen. Seit dem Protestbeginn am 2. April haben sich an der Aktion Tausende Menschen beteiligt. Seit dem 12. April machen auch Rentner mit. Die Polizei hat vor dem Kapitol ungefähr 100 Personen im Rentenalter in Gewahrsam genommen.      

Ben&Jerry’s

Zwei Freunde, Cohen und Greenfield, gründeten ihre Firma „Ben&Jerry’s“ im Jahr 1978. Mit einem Startkapital von 12.000 Dollar eröffneten sie ein Eiscafé in einer früheren Tankstelle in Burlington im US-Bundesstaat Vermont. 1981 dehnten sie ihr Geschäft auf andere Bundesstaaten aus. Die Unternehmer gründeten darüber hinaus eine gleichnamige karitative Stiftung. Im Jahr 1988 bekamen die Gründer von „Ben&Jerry’s“ die alljährliche Auszeichnung „US Small Business Persons Of The Year“ durch Präsident Ronald Reagan verliehen. Im Jahr 2000 wurde die Firma an den internationalen Konzern „Unilever“ verkauft.