Persische Moderne: Iranische Frauen wollen keine Kinder mehr

Persische Moderne: Iranische Frauen wollen keine Kinder mehr
Auch im Iran machen sich die Moderne und soziale Probleme in den Familienverhältnissen bemerkbar. Die jüngere Generation der Frauen möchte keine oder zumindest weniger Kinder bekommen. Derzeit liegt die Geburtenrate unter der Deutschlands. Gerade die iranische Mittelklasse verweigert sich dem Kinderkriegen.

von Olga Banach

Ein persisches Sprichwort besagt: Wer kein Kind hat, hat kein Licht in seinen Augen. Aber viele iranische Frauen wollen dem traditionellen Rollenbild nicht mehr entsprechen.

Zu Gast in einer iranischen Familie zeigt Sara auf einen großen Karton, der bis zur Decke reicht. Er füllt die Ecke des Wohnzimmers ihrer Großmutter. Alle Familienmitglieder lachen.

„Das ist Saras Mitgift. Ein Kühlschrank. Er steht schon seit 10 Jahren dort. Die Garantie ist längst abgelaufen. Ach, bitte finde doch einen Mann für Sara im Ausland.”

„Was für einen Mann will Sara denn haben?”

“Ach, egal, solange sie nur endlich heiratet.”

In der Küche versammeln sich drei Generationen von Frauen. Die älteste Generation sah sich noch unzweifelhaft in der Rolle als Frau und Mutter. Die zweite Generation glaubte an ihre Rolle als Mutter, aber auch daran, dass sie etwas dazuverdienen kann. Die dritte Generation, so wie Sara, wollen nur ungern Kinder. Sie wollen nicht so leben wie ihre Eltern. Sie können es auch nicht mehr, denn sie können es sich nicht leisten, zu heiraten und Kinder zu bekommen.

Die iranische Regierung versucht, die jungen Menschen zu motivieren, Kinder zu bekommen. Geburten in Krankenhäusern sind kostenlos. Wenn man fünf Kinder hat, erhält man einen Bonus von umgerechnet 1500 Dollar. Nach der Revolution 1979 stiegen die Geburten enorm an. Viele Familien hofften auf eine gute Zukunft des Landes. Selbst während des Jahre andauernden Krieges mit dem Irak waren die Menschen gewillt, Kinder für ihre Heimat zu zeugen.

Paradoxerweise hatte der Iran noch nie so viele junge Menschen, die für das Wachstum der Gesellschaft sorgen können, wie zu Zeiten des Krieges. Doch derzeit liegt die Geburtenrate unter der Deutschlands. Gerade die iranische Mittelklasse verweigert sich dem Kinderkriegen.

Auf dem Rückweg ins Hotel fahre ich an einer Reklametafel vorbei: Die reinste Liebe ist die einer Mutter. Darauf ist eine Frau, die ihre Tochter im Arm hält. Doch mit einer Generation, die in großer Ungewissheit lebt, und sich Sorgen macht, wie es mit ihrem Land und ihrer finanziellen Zukunft weitergeht, bleibt der Wunsch nach Kindern zurück.