"Sie befreiten uns!" - Polnische Stadt verweigert Zerstörung eines Ehrenmals für die Rote Armee

"Sie befreiten uns!" - Polnische Stadt verweigert Zerstörung eines Ehrenmals für die Rote Armee
Die Stadt Rzeszow, unweit der polnischen Grenze zur Ukraine, hat Aufrufe ignoriert, eine Statue aus Sowjetzeiten abzureißen, die der Befreiung der Stadt durch die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg gedenkt. Im vergangenen Monat hatte das "Polnische Institut für historisches Erbe" die sofortige Beseitigung von rund 500 sowjetischen Denkmälern gefordert.

„Es ist nicht nötig, Denkmäler abzubauen, da sie die Geschichte nicht ändern werden“, argumentiert Mciej Chlodnicki, der Pressesprecher der Stadtverwaltung, im Gespräch mit dem polnischen Nachrichtenportal Onet und betont:

„Wer befreite Rzeszow? Die Rote Armee. Sie können diese Tatsache nicht wegargumentieren. Was danach geschah, ist eine andere Sache, aber man kann die Fakten nicht ändern.“

Die Initiative für die Beseitigungsaktion ging von Wlodzimierz Nowak aus, einem Aktivisten des "Polnischen Zentrums für Verfolgung faschistischer und kommunistischer Verbrechen". Am 8. April schrieb dieser an den Bürgermeister von Rzeszow:

Wird wohl nicht mehr lange stehen: Monument zu Ehren der Soldaten der Roten Armee in Warschau, vis à vis der griechisch-katholischen Kirche in der polnischen Hauptstadt.

„Die Existenz dieser Denkmäler ist eine Verhöhnung des polnischen Volkes. Die Sowjets waren hier von August 1944 bis Januar 1945. Es ist weithin bekannt, dass sie tausende polnische Patrioten töteten.“

Nowak argumentierte weiter:

„Ich weiß nicht, wofür der Roten Armee zu danken wäre. Wenn sie dieses Denkmal behalten wollen, sollen sie es in ihrem eigenen Land tun, aber wir werden keine Kriminellen feiern."

Er forderte vielmehr die Ersetzung des Denkmals durch eine Gedenktafel an die Opfer des Zweiten Weltkriegs – den feinen Unterschied hinter einer solchen Initiative führte er nicht weiter aus.

Das Schreiben wurde im Kontext einer Kampagne des polnischen Instituts für nationales Gedenken aufgesetzt. Auch dieses Institut widmet sich der schwierigen Vergangenheitsbewältigung Polens. Es rief lokale Behörden dazu auf, bis zu 500 Denkmäler aus Zeiten des Kommunismus abzureißen, noch „bevor eine entsprechende Gesetzesgrundlage geschaffen wird“.

Das russische Außenministerium warnte indes, dass es „zu einem diplomatischen Bumerang-Effekt kommen“ werde, wenn Denkmäler, die an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs erinnern, abgerissen werden sollten.

„Wir fordern die Erhaltung der Geschichte und ihrer Symbole ein“, gab die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zacharowa, bei einem Briefing im vergangenen Monat an.

Bereits früher hatte die Beseitigung von Denkmälern aus der Sowjetära das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Moskau und Warschau weiter verschlechtert.