Bildergalerie: Die Iraner im Selfie-Wahn

Bildergalerie: Die Iraner im Selfie-Wahn
Das persische Neujahrsfest, das den Beginn des Frühlings einläutet, ist gerade zu Ende gegangen. Noch ist es nicht zu heiß, um den Tag draußen zu verbringen: die Sonne wärmt, die Luft ist frisch und das Wasser ist noch nicht so knapp wie im Sommer. Dies ist die Zeit, die Familien, Paare und Narzissten aus den privaten Räumen treibt. Doch etwas ist anders in diesem neuen Jahr: Überall recken sich Selfie-Sticks gen Himmel.

von Olga Banach

Vom illegalen afghanischen Händler bis hin zum Großanbieter: Alle verkaufen sie Selfie-Sticks, die eine schönere Realität versprechen. Ein Smartphone kostet viele Iraner noch immer zwei Monatseinkommen und ist ein wohlbehüteter Begleiter. Ungerne möchte man das Telefon in die Hand eines Fremden geben, um von sich ein Bild machen zu lassen, über das man zudem noch keine Kontrolle hat.

Seien die Unterschiede in der Bevölkerung noch so groß: Der Selfie-Trend aber und der Selfie-Stick scheinen alle Schichten, Generationen und religiösen Klassen zu vereinen. In farbenfrohen, kreativen Outfits und mit viel Make Up, gegelten Haaren, die islamischen Kleidervorschriften auslotend, oder aber die Großmutter im klassischen, schwarzen Schador - alle Lächeln sie um die Wette.

Irans Bevölkerung ist jung und hungrig auf die Welt. Sie nutzen vor allem Instagramm und Facebook. Facebook ist zwar noch immer im Iran zensiert, aber jeder findige Iraner kennt einen Weg, um die Blockade zu umgehen. Und so brauchen die mehrheitlich jungen Iraner neue Profilbilder, die oft vor dem Hochladen retuschiert werden.

Bilder, in denen sie sich vor ihren Kulturschätzen, ihrem privaten Umfeld, ihrem Lieblingscafe, mit ihrem heimlichen Partner präsentieren - so, wie sie gesehen werden wollen. Ein virtuelles, glückliches Leben abseits der existenziellen Sorgen und Grenzen.