„Emirates“-Mitarbeiter im Gespräch mit RT: Zensur, Fälschung von Dokumenten und Atmosphäre der Angst

„Emirates“-Mitarbeiter im Gespräch mit RT: Zensur, Fälschung von Dokumenten und Atmosphäre der Angst
Bei RT gehen noch immer Insider-Informationen über die teilweise desaströsen Arbeitsbedingungen bei der Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emiraten „Emirates Airlines“ ein. Angestellte der Airline berichten RT, dass sich über Überstunden beschwerende Piloten gemaßregelt oder sogar unverzüglich entlassen werden. Außerdem würden in der Personalabteilung systematisch Flugstatistiken von Piloten gefälscht. Zudem berichten alle von einer "Atmosphäre der Zensur und Angst".

Nachdem RT mehrere Beschwerden von „Emirates“-Mitarbeitern veröffentlicht hatte, in denen sie anonym von gravierenden Überstunden und Verstößen gegen die Sicherheitsregeln berichtet hatten, ließ die Fluggesellschaft dem Fernsehsender einen Kommentar zu den Vorwürfen zukommen.     

„Emirates arbeitet in einem strikt geregelten Bereich, und unsere Statistiken in Bezug auf die Flugsicherheit gehören zu den Besten in der Branche, was unsere hohen Standards widerspiegelt. Die Besatzungsflugpläne werden aufgrund der Regeln der GCAA [Luftfahrtaufsichtsbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate] in Übereinstimmung mit den geltenden internationalen Standards erarbeitet. ʻEmiratesʼ verfügt über ein Risikomanagementsystem in Bezug auf die Ermüdung der Piloten. Mit Hilfe dieses Systems werden die Besatzungsflugpläne analysiert und alle Rückmeldungen erörtert, die wir von unseren Piloten erhalten. Deswegen können wir keine der anonymen Behauptungen bestätigen, die der TV-Kanal ʻRTʼ veröffentlicht hat.“

Die Fluggesellschaft erklärte ferner, dass sie ihre Mitarbeiter aktiv dazu anrege, alle Vorfälle in Bezug auf die Flugsicherheit zu melden, um eine ordnungsgemäße Überprüfung möglich zu machen. „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich persönlich an den Vorstand zu wenden und eine Rückmeldung zu bekommen“, so die Airline.   

Dennoch behauptet ein weiterer Pilot (im Folgenden Pilot T.) gegenüber RT, dass sich die Sache anders verhalte:

„Ja, sie sagen zwar, dass sie ein Verfahren hätten, das das Problem der Ermüdung lösen soll. Doch was tun sie dagegen? Sie tun nichts. Sie sagen, dass ihre Flugpläne rechtmäßig seien. Ja, das sind sie. Aber sie sind unmoralisch. Wenn man mehr als 100 Stunden pro Monat fliegt, nimmt die Müdigkeit zu. Es wird immer schlimmer. Dabei sagt die Fluggesellschaft: ʻUnsere Bedingungen sind rechtmäßigʼ. Ja, juristisch gesehen sind sie rechtmäßig, obwohl sie auch einige illegale Aktivitäten drehen. Aber das werden sie nie zugeben.“

T. erzählt RT weiter, dass der Co-Pilot und er einmal am Lenkrad buchstäblich eingeschlafen wären, als die Maschine gerade dabei gewesen wäre, den Zielflughafen anzufliegen. „Das ist aber der Augenblick, in dem man maximal konzentriert sein muss“, betonte der Flieger und führt weiter aus:

„Wir schreiben Berichte, für die man uns dann ins Büro zitiert. Piloten berichten von ihren Problemen. Anstatt ihnen ʻVielen Dank für Ihre Meldungʼ zu sagen, erteilt die Airline einen Verweis. Das Ergebnis ist, dass man Angst bekommt, sich über etwas zu beschweren. Man hält seine Probleme geheim.“  

Niemand hilft

Ein weiterer „Emirates“-Mitarbeiter bestätigte gegenüber RT, dass es in den Vereinigten Arabischen Emiraten keine Gewerkschaften gibt, an die man sich wenden kann. Denn diese sind ganz einfach verboten:

„Ein Flug von Dubai nach New York dauert 15 Stunden. Man braucht noch zwei Stunden, um das Hotel zu erreichen. Den Piloten bleibt deutlich weniger Zeit übrig, um sich zu erholen. Die minimale Zeit zum Ausruhen beträgt dabei 11 Stunden. Einige Mitarbeiter haben sich bei der GCAA beschwert, bei der Behörde, die sie eigentlich schützen sollte. Sie wurden alle entlassen.“

Ihm zufolge könne die GCAA das Personal im Grunde nicht schützen, weile sie von den Besitzern der Airline geleitet werde.     

Gefälschte Dokumente

Ein anderer „Emirates“-Mitarbeiter erklärte gegenüber RT, dass die Fluglinie neue Kollegen für alte ausgebe, indem sie sie unter vorhandenen Benutzerkonten registriere, um ihr Dienstalter länger erscheinen zu lassen. „Das entspricht nicht der Wahrheit, weil die meisten Mitarbeiter innerhalb der ersten sechs Monate ihre Stelle aufgeben. Sie sind nämlich den Arbeitsbelastungen nicht gewachsen“, so die Quelle. Einmal sollen US-Journalisten hinter die „Emirates“-Manipulationen gekommen sein. „Sie wollen einfach nicht zugeben, dass viele Mitarbeiter nach sechs Monaten ihre Stelle aufgeben“, fügte das RT-Gegenüber hinzu.      

Zensur

Im Internet gibt es zumindest zwei Webseiten, auf denen „Emirates“-Mitarbeiter ihre Klagen anonym veröffentlichen können. Allerdings sind diese Ressourcen in den Vereinigten Arabischen Emiraten verpönt. RT interviewte den Administrator eines der Portale.

„Obwohl die Webseite nie angegriffen wurde, wurde ich einmal benachrichtigt, dass die ʻEmiratesʼ-Anwälte versuchten, sämtliche Informationen auf dem Portal löschen zu lassen. Der Hosting-Provider wies aber ihre Beanstandungen zurück“, so der Administrator zu RT. Nachdem der Mann seine E-Mail-Adresse veröffentlicht hatte, begannen „Emirates“-Angestellte ihm ihre Geschichten mitzuteilen. „Ich überprüfe ihre Glaubwürdigkeit und veröffentliche sie auf der Webseite, wenn ich sie wahrhaftig genug finde“, erklärte der Administrator. „Ich habe nur einmal einen Kommentar bekommen, dass die in einer Beschwerde angegebenen Informationen falsch wären. Ich habe dann ʻEmiratesʼ gebeten, zu beweisen, dass das eine Lüge wäre, um den Eintrag zu löschen. Ich habe aber keine Antwort bekommen.“      

Atmosphäre der Angst

„Emirates“-Mitarbeiter erzählten außerdem von einer "Atmosphäre der Angst", die in der Fluglinie herrscht. „Es spielt keine Rolle, ob du einen Fehler gemacht hast oder nicht, du hast keine Möglichkeit, dich zu schützen. Man fühlt sich, als wäre alles, was man hat, in Gefahr, als könnte man alles verlieren. Deshalb nennt man das einen goldenen Käfig“, erklärte ein Angestellter der Airline. „Einmal habe ich eine schriftliche Verwarnung bekommen. Man warf mir einen ʻnegativen Einfluss auf andere Mitarbeiterʼ vor. Ich hatte tatsächlich mit meinen Kollegen über die Schichten und die Arbeitsbedingungen gesprochen. Alle hatten dann von ihren Erfahrungen berichtet. Da ich diese Diskussion angeregt hatte, bekam ich die Verwarnung.“