Wie die Gatekeeper der Mainstreammedien das „eine Prozent“ im Westen vor dem Panama-Leak schützen

Wie die Gatekeeper der Mainstreammedien das „eine Prozent“ im Westen vor dem Panama-Leak schützen
Craig Murray beschreibt seine erste Reaktion auf die Veröffentlichung des Panama-Leak. Die Art und Weise, wie die Konzernmedien die Mossack-Fonseca-Informationen filtern, folgt seiner Einschätzung nach direkt der Agenda westlicher Regierungen. Mit dem Finger wird auf Russland und Putin gezeigt, obwohl dieser noch nicht einmal namentlich erwähnt wird. Die wichtigsten Kunden von Mossack Fonseca hingegen, westliche Konzerne und Milliardäre, finden keine Erwähnung.

Von Craig Murray

Derjenige, der die Mossack-Fonseca-Papiere hat durchsickern lassen, scheint von dem echten Wunsch motiviert zu sein, das System zu entlarven, das es den extrem Reichen ermöglicht, ihre massiven Geldverstecke zu verbergen.

Quelle: Altair78/CC BY-SA 2.0

Das Geld haben sie oft durch Korruption erlangt und alle sind daran beteiligt, die Zahlung von Steuern zu vermeiden. Diese panamaischen Anwälte verstecken den Reichtum eines signifikanten Anteil von 1 Prozent, und das massive Leak ihrer Dokumente sollte eine wunderbare Sache sein.

Leider haben die Leaker den schrecklichen Fehler begangen, sich an die westlichen Massenmedien zu wenden, um die Ergebnisse zu veröffentlichen. Die Folge ist, dass die erste große Geschichte, welche der Guardian veröffentlicht, alles über Wladimir Putin und einen Cellisten berichtet. Solche Dinge geschehen, und ich habe keinen Zweifel daran, dass Putin korrupt ist.

Aber warum muss man sich auf Russland konzentrieren? Der Reichtum aus Russland macht nur einen winzigen Teil des Geldes aus, das mithilfe von Mossack-Fonseca versteckt wurde. Natürlich ist sofort klar, dass diese selektive Berichterstattung stinkt.

Die Süddeutsche Zeitung, die ursprünglich die Daten erhalten hatte, erläutert detailliert die Methode, nach der die Mainstreammedien vorgehen, um die Dateien zu durchsuchen. Hauptsächlich haben sie nach Firmen gesucht, von denen sie glauben, dass diese gegen UN-Sanktionen verstoßen. Der Guardian berichtet das ebenfalls, und hängt dankenswerter Weise gleich eine Liste der betroffenen Länder an: Simbabwe, Nordkorea, Russland und Syrien.

Die Art und Weise, wie die Konzernmedien die Mossack-Fonseca-Informationen filtern, folgt also direkt der Agenda westlicher Regierungen. Bisher wird überhaupt nicht erwähnt, wie westliche Konzerne und westliche Milliardäre Mossack Fonseca verwenden. Dabei sind das die wichtigsten Kunden. Und der Guardian beruhigt dieses Klientel auch schnell: „Ein Großteil des geleakten Materials wird privat bleiben.“

Was erwartet man? Die durchgesickerten Daten werden von einer Organisation verwaltet, die sich großspurig „Internationales Konsortium Investigativer Journalisten" nennt. Gegründet und verwaltet wird dieser Verein vom „Center for Public Integrity“ aus den USA. Zu den Geldgebern gehören:

Ford Foundation
Carnegie-Stiftung
Rockefeller Family Fund
WK Kellogg Foundation
Open Society Foundation (George Soros)

… und viele andere mehr.

Also sollte man nicht erwarten, dass der westliche Kapitalismus hier ernsthaft bloßgestellt wird. Die schmutzigen Geheimnisse der westlichen Konzerne werden unveröffentlicht bleiben. Erwartungsgemäß werden die Berichte Russland, Iran und Syrien betreffen, sowie einige winzige Auswahl westlicher Staaten wie Island. Vielleicht werden auch ein oder zwei britische Rentner geopfert, am Besten welche mit Demenz.

Die Mainstreammedien - The Guardian und BBC in Großbritannien - haben exklusiven Zugriff auf die Datenbank, aber Sie und ich, wir können sie nicht einsehen. Sie schützen sich selbst und die für westliche Unternehmen sensiblen Informationen, indem sie nur einen Blick auf die Dokumente werfen, die durch spezifische Suchanfragen wie „UN-Sanktionen“ eingeschränkt sind. Vergessen wir nie, wie der Guardian seine Kopien der Snowden-Dateien auf Anweisung des MI6 zerstörte.

Was passiert denn, wenn sie in den Mossack-Fonseca Datenbankrecherchen auf die Eigentümer aller Konzernmedien und ihre Unternehmen stoßen? Und auf all die Chefredakteure und Herausgeber der Qualitätsmedien? Was passiert, wenn man in den Mossack-Fonseca-Daten nach der ganzen Führungsriege der BBC sucht? Was passiert, wenn man darin nach den Spendern des Vereins „Center for Public Integrity“ sucht, und nach ihren Unternehmen?

Was passiert, wenn man in diesen Daten nach jedem börsennotierten Unternehmen in der westlichen Welt, und nach jedem westlichen Millionär sucht? Das wäre viel interessanter. Ich weiß, dass es in Russland und China  Korruption gibt, das müssen sie mir nicht sagen. Was ist, wenn sie nach den Dingen suchen, die wir vielleicht hier im Westen machen? Könnten sie das beheben, und etwas zu diesem Problem tun?

Und was passiert, wenn die Schoßhündchen aus den Mainstreammedien alle Leute auf die Daten zugreifen lassen?

Anmerkung und Ergänzung der RT Deutsch-Redaktion: 

Als Partner des ICIJ agiert auch das OCCRP (The Organized Crime and Corruption Reporting Project) und war an der Auswertung der Panama Papers maßgeblich beteiligt. Finanziert wird das OCCRP von der Georg Soros Open Society Foundation und der staatlichen US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID.

Wladimir Putin wird zwar in beinahe allen Publikationen in den deutschen und allgemein westlichen "Leitmedien" zu den Panama-Papers sehr prominent präsentiert, sein Name kommt allerdings in den Datensätzen kein einziges Mal vor. Der Screenshot von der OCCRP-Präsentation der Panama-Papers hat folglich keine reale Basis und ist damit eine Lüge. Wie schon die NachDenkSeiten im selben Kontext fragten:

"Was soll man von einem „investigativen Netzwerk“ (Eigenbezeichnung) halten, das noch nicht einmal bei den einfachsten Sachzusammenhängen bei der Wahrheit bleibt?"

Screenshot OCCRP
Screenshot OCCRP

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