In Russland wird erstes soziales Netzwerk für gelähmte Menschen entwickelt

In Russland wird erstes soziales Netzwerk für gelähmte Menschen entwickelt
Russische Fachleute entwickeln ein soziales Netzwerk für gelähmte Menschen. Die Generaldirektorin der Firma „Neurotrend“, Natalja Galkina, und der Leiter des Labors für Neurophysiologie und Gehirn-Computer-Schnittstellen an der Moskauer Staatlichen Universität, Alexandr Kaplan, berichten gegenüber RT über das Projekt. Die Nutzer des Netzwerkes, das auf den Namen „Neurochat“ getauft wurde, können miteinander mittels eines Gerätes kommunizieren, das Hirnimpulse in konkrete Befehle umcodiert.    

Die „Neurotrend“-Chefin Natalja Galkina erklärte gegenüber RUPTLY, dass das soziale Netzwerk für Menschen mit Sprach- und Bewegungsstörungen im Rahmen der Nationalen Technologieinitiative entwickelt wird, die Russlands Präsident Wladimir Putin 2014 ins Leben gerufen hatte:

„Heute werden im Rahmen der Entwicklung der Nationalen Technologieinitiative vorrangige Projekte ausgewählt. Eines davon ist eben der ʻNeurochatʼ. Das Projekt sieht die Schaffung eines sozialen Netzwerkes für Menschen mit physischen und Wahrnehmungsstörungen vor. Solche Menschen werden in diesem Netzwerk nicht nur miteinander, sondern auch mit medizinischem Personal und Betreuern kommunizieren können.“

Kognitiv gesunde Menschen mit Sprech- und Bewegungsstörungen bewahren nämlich ihr Bedürfnis nach Kommunikation. „Wenn sie kommunizieren können, haben sie die Motivation, die jeweilige Kur durchzumachen, gesund zu werden und zum normalen Leben zurückzukehren“, so Natalja Galkina.

Der Leiter des Laboratoriums für Neurophysiologie an der Moskauer Staatlichen Universität, Alexandr Kaplan, erläuterte einige Details, wie das neue soziale Netzwerk funktionieren soll:

„Die Rede ist von einem Projektkomplex, der als ʻGehirn-Computer-Schnittstellenʼ bezeichnet wird. Diese Technologie besteht darin, dass wir das Vorhaben des Menschen, seine gedankliche Anstrengung an äußere Hilfsgeräte übertragen. Das heißt, man kann den Gedanken als Befehl zum Ein- oder Ausschalten von Geräten nutzen.“

Kaplan zufolge werde das Eintippen eines Textes mittels mentaler Anstrengungen gelähmten Menschen das Kommunizieren mit dem Umfeld wesentlich erleichtern.      

„Wir haben die Technologie des stummen und unbeweglichen Eintippens auf dem Bildschirm schon vor einiger Zeit entwickelt. Nun wollen wir weitergehen. Denn trotz dieser Hilfsmittel fühlt sich der Mensch allein. Er kann nämlich eine Meldung an seinen Arzt oder an seine Verwandten schreiben – aber nicht mehr“, sagte Kaplan.

Die Idee des „Neurochats“ bestehe darin, eine neue Stufe der Kommunikation zu schaffen. Dem Laborleiter zufolge werde diese Entwicklung den Nutzern helfen, nicht nur mit ihrem unmittelbaren Umfeld zu kommunizieren. Sie würden eine Art soziales Netzwerk bilden.  

„Dann eröffnet sich dem Menschen die ganze Welt. Darüber hinaus werden die Nutzer mit anderen Menschen kommunizieren können, die ähnliche Störungen haben. Solche Menschen verstehen einander besser. Es geht dabei um eine vollwertige Sozialisierung solcher Menschen“, resümiert der Wissenschaftler.