'Der Zauberer von Leipzig' - Deutsche Austauschschülerin berichtet RT von ihrem Leben in Russland

Die von Rieger-Kloss 1985 errichtete Orgel in Sotschi.
Die von Rieger-Kloss 1985 errichtete Orgel in Sotschi.
Alona Bartenschlager kommt aus Bayern, ist 15 Jahre alt und hat sich mit dem Zug auf den Weg nach Russland gemacht. Von Ingolstadt über Berlin ging es zunächst nach Moskau und dann weiter nach Sotschi. Dort wird Alona für mehrere Monate die Schule besuchen. Für RT Deutsch wird Alona in den nächsten Monaten, abseits der großen Politik und medialer Verzerrungen, von ihrem neuen Alltag in Russland berichten. In ihrem heutigen Beitrag berichtet sie von einem Bach-Orgelkonzert in Sotschi.

Hallo, da bin ich wieder.

Hattet Ihr ein frohes Osterfest? Das habe ich hier ein bisschen vermisst, denn die orthodoxe Kirche feiert heuer Ostern erst am 1. Mai. Ich muss mich also noch ein wenig gedulden.

Geschafft! Alona nach der langen Zugfahrt von Berlin nach Moskau im Hotel Cosmos.

Dafür durfte ich mit meiner Mama ein Orgelkonzert in Sotschi besuchen. Es hieß  "Der Zauberer aus Leipzig", weil hauptsächlich Werke von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor von Leipzig, gespielt wurden. Es waren einheimische Künstler, die auftraten, ein Organist, eine Organistin und eine Sopranistin.

Die Orgelhalle liegt im Zentrum von Sotschi und direkt neben einer Musikschule für Kinder und Jugendliche. Die Schule ist 1968 gebaut worden und die Orgelhalle war früher der Konzertsaal dieser Schule. Heute sind beide Einrichtungen getrennt, obwohl die Schule den Saal nach wie vor nutzt. Die Orgel selbst wurde 1986 eingebaut. Gefertigt wurde sie von der tschechischen Firma Rieger-Kloss. Sie war damals für die Musikschule bestimmt; die Trennung zwischen Schule und Orgelhalle war dann 1991. Das hat mir alles meine Mama und jemand von der Musikschule erzählt.

Nun saßen wir also in diesem Konzert, meine Mama und ich, mit etwas Verspätung.

Das muss ich jetzt erklären: Wir haben nämlich einen "Deutschen Tag" erlebt: Im Radio kommt regelmäßig ein Programm für ältere Schüler, das sich zum Beispiel mit Kunst, Literatur oder auch mit Technik beschäftigt. An diesem Tag lautete das Thema Albrecht Dürer. Das hat mich schon beeindruckt, dass Russland sich so intensiv mit deutschen Künstlern beschäftigt. Später gingen wir in ein Restaurant mit Namen "Frau Martha". Da gibt es deutsche Gerichte und wir haben eine leckere Suppe gegessen. Also deshalb sind wir etwas zu spät zum Konzert gekommen.

Puppenverbrennung beim Masleniza (Butterfest) - Symbolbild

Die Frauen, die die Plätze anweisen, waren höflich und nett, aber auch streng: Sie ließen uns erst nach dem ersten Stück in den Saal, damit wir das Publikum nicht stören.

Der Saal ist sehr schön und ganz mit Holz verkleidet. Die Sitzreihen steigen wie Treppen an, so dass jeder einen guten Blick zur Bühne hat. Der Saal sieht genauso aus, wie er 1968 gebaut worden ist, sagt meine Mama. Ungefähr 300 Leute haben darin Platz und es war fast ausverkauft.

Eine Stunde und 15 Minuten hat das Konzert gedauert.

Die Sopranistin hat zwei Stücke gesungen, auf Deutsch. Und ich habe keinen Akzent gehört. Auch die Orgelspielerin hat sehr virtuos gespielt, aber die meisten Musikstücke hat der Organist gespielt.

Es gab nicht nur Kompositionen von Bach, sondern auch von Carl Maria von Weber und anderen deutschen Komponisten. Es hat mir alles sehr gut gefallen.

Im Foyer der Orgelhalle gibt es auch eine Cafeteria und eine kleine Bilderausstellung. Eine große verglaste Tür führt in einen Sommergarten mit Bäumen und Blumen, den das Publikum während der Pausen anschauen kann. Leider war er bei diesem Konzert geschlossen. Aber ich komme bestimmt nochmals her.

Tschüß bis zum nächsten Mal

Eure Alona