Monsantos Unkrautkiller: EU-Abstimmung über Glyphosat verschoben

Monsantos Unkrautkiller: EU-Abstimmung über Glyphosat verschoben
In der vergangenen Woche wollten die Mitgliedsstaaten der EU in Brüssel über die Wiederzulassung des Totalherbizids Glyphosat abstimmen. Die geplante Entscheidung wurde von der EU-Kommission jedoch vertagt. Immer mehr EU-Staaten wollten zuletzt gegen die Wiederzulassung stimmen.

Der europäischen Umweltbewegung ist ein wichtiger Etappensieg gelungen. Frankreich, Italien, Schweden und die Niederlande sprachen sich in der vergangenen Woche gegen eine erneute Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat aus. Auch Dänemark, Luxemburg und Bulgarien meldeten Medienberichten zufolge Bedenken an.

Deutschland und zahlreiche weitere Mitgliedstaaten hatten zudem geplant, sich bei einer Abstimmung zu enthalten, so dass keine qualifizierte Mehrheit für die Wiederzulassung zustande gekommen wäre. Für eine qualifizierte Mehrheit muss nicht nur die Mehrheit der Mitgliedsstaaten zustimmen, sondern diese muss auch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung der Europäischen Union repräsentieren.

Dass mögliche Gefahren von Glyphosat in immer mehr EU-Staaten ernstgenommen werden, ist das überraschende Ergebnis in einer lang andauernden umweltpolitischen Debatte. Nach einer aktuellen Einstufung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der vom Chemiekonzern Monsanto hergestellte Stoff wahrscheinlich krebserregend.

Weltweite Demonstrationen gegen Monsanto, den weltgrößten Hersteller von Glyphosat, hier in Paris im Mai 2015. Menschen in 48 Ländern protestierten gegen Monsanto und sein Herbizid

Noch in der Woche vor der Brüsseler Sitzung hatte eine neue Untersuchung gezeigt, dass die meisten Deutschen mit dem Unkrautvernichter belastet sind. Demnach fanden sich Spuren der Chemikalie in 99,6 Prozent von über 2.000 untersuchten Urin-Proben aus Deutschland.

Zudem hatte das Umweltinstitut erst kürzlich Glyphosat-Rückstände in Produkten der 14 beliebtesten deutschen Biermarken nachgewiesen. Danach schlossen sich auch die österreichischen Bierbrauer der Forderung nach einem Verbot von Glyphosat an.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das in der EU die Rolle des Berichterstatters über Glyphosat einnimmt, hatte bis zuletzt den Standpunkt vertreten, dass der Einsatz des Ackergifts unbedenklich ist. Diese Einschätzung wurde von 94 renommierten Wissenschaftlern in einer Fachzeitschrift kritisiert.

Selbst von Hobbygärtnern wird Monsantos Roundup eingesetzt

Während das BfR die Wiederzulassung befürwortet hat, sprach sich das Umweltbundesamt wegen der ökologischen Auswirkungen von Glyphosat gegen den Stoff ausgesprochen. Auch die beiden federführenden Ministerien, das Landwirtschafts- und das Umweltministerium, konnten sich bis zuletzt nicht auf eine einheitliche Haltung einigen. Aus diesem Grund hätte sich Deutschland bei einer Abstimmung enthalten.

Das Umweltinstitut fordert die Mitgliedsstaaten der EU auf, bei einer späteren Abstimmung gegen eine erneute Zulassung des Totalherbizids zu stimmen. Die nächste Sitzung des zuständigen Ausschusses ist bisher für Mai geplant. Ob dabei jedoch das Thema Glyphosat aufgerufen wird, ist bisher unklar.