Hände weg vom Handy: Mutmaßliche Mörder von Nemzow dank leichtsinnigem Anruf dingfest gemacht

Hände weg vom Handy: Mutmaßliche Mörder von Nemzow dank leichtsinnigem Anruf dingfest gemacht
Einem Zeitungsbericht zufolge wurden Ermittler auf die unweit des Tatortes aktiven SIM-Karten aufmerksam, die nach dem Mord an dem oppositionellen russischen Politiker abgeschaltet worden waren. Der Leichtsinn eines Handy-Besitzers half der Polizei, die mutmaßlichen Mörder zu identifizieren.

Quelle: Ruptly

Ein leichtsinniger Anruf eines der Verdächtigen im Mordfall Nemzow brachte die Ermittler auf die Spur der inzwischen inhaftierten Männer. Ansor Gubaschew hatte unweit des Tatortes mit einer illegal gekauften SIM-Karte telefoniert. Dies fiel Ermittlern bei einer Kontrolle der Funkverbindungen auf.

Laut einem Bericht der russischen Zeitung „Kommersant“ lag der Polizei bereits einen Tag nach dem Mord an Boris Nemzow die vollständige Liste aller Handys und SIM-Karten vor, die unweit der Brücke aktiv gewesen waren, auf der oppositionelle Politiker erschossen worden war. In Frage kamen nur wenige Handy-Nummern, weil es am Tatort zu jener Stunde fast keine Passanten gegeben hatte. Darüber hinaus strich man von der Liste der Verdächtigen alle Nutzer mit legalen SIM-Karten.

Die Polizei wurde auf ein paar Handy-Nummern aufmerksam, die man bis zu den tödlichen Schüssen aktiv benutzt hatte, und die gleich danach abgeschaltet worden waren. Ihre Nutzer konnten nicht sofort identifiziert werden, weil die SIM-Karten auf Strohmänner ausgestellt waren. Da niemand mehr diese Nummern benutzte, konnten die wahren Handy-Besitzer nicht geortet werden.

Quelle: Ruptly

Zwei Tage nach dem Mord wurde von einer der Nummern ein wenige Sekunden langer Anruf nach Inguschetien getätigt. Auf diese Weise kamen die Ermittler dem aus Inguschetien stammenden Ansor Gubaschew auf die Spur. Es stellte sich später heraus, dass er nach Inguschetien angerufen hatte, weil das Konto seiner zweiten SIM-Karte leer war. Seine Anrufe, Kontakte und Angaben der Videoüberwachung ermöglichten es der Polizei, vier weitere mutmaßliche Komplizen dingfest zu machen.

Die Männer wurden zusammen genau eine Woche nach dem Mord verhaftet, schreibt das Blatt. Der in der Nacht zum 28. Februar 2015 in der Altstadt von Moskau erschossene Boris Nemzow war in den 1990er Jahren ein ranghoher Beamter in der russischen Regierung. In den 2000er Jahren wechselte er ins Lager der Opposition. Zum Zeitpunkt des Mordes war er Abgeordneter der Gebietsduma von Jaroslawl.

Die Zwischenuntersuchung des Falls ist bereits abgeschlossen. Angeklagt werden fünf Männer. Die Ermittlung nach Auftraggebern und Organisatoren läuft weiter. Der mutmaßliche Organisator Ruslan Muchudinow ist zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Noch als Vertreter der Regierung: Bundeskanzler  Helmut Kohl (R) trifft den russischen Vize-Premier am 4. März 1998 in Bonn.
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