Natalja Poklonskaja: „Ich habe keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen"

Natalja Poklonskaja: „Ich habe keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen"
Natalja Poklonskaja, Generalstaatsanwältin der Republik Krim, hat im Vorfeld des zweiten Jahrestages des historischen Volksentscheides über die Loslösung der Halbinsel von der Ukraine einen RT-Korrespondenten in ihrem Arbeitszimmer empfangen. Das Interview wurde über „Periscope“ live übertragen. Die berühmte Beamtin zeigte dem Reporter ihre Arbeitsbedingungen, erinnerte sich an die angespannten Tage vor und nach dem Referendum und lüftete einige Geheimnisse aus ihrem Privatleben.

Poklonskaja ist seit dem 11. März 2014 Generalstaatsanwältin der Republik Krim. Seit der Pressekonferenz am Tag ihrer Ernennung wird sie immer populärer. Das YouTube-Video der Pressekonferenz hat sich schnell auch über „reddit“ und andere soziale Netzwerke viral im Internet verbreitet. Es inspirierte auch Nutzer aus Asien, sodass Poklonskaja schnell zu einer Anime-Heldin wurde. Der Grund dafür scheint einfach nur ihr Aussehen zu sein.

Aber nicht nur Chinesen und Japaner sowie Manga-Fans weltweit waren von ihrer Erscheinung beeindruckt, sogar die „Augsburger Allgemeine“ und der „New York Observer“ bezeichneten sie als Sexsymbol.

Neben den vielen Bildkreationen im Anime-Stil und Mashups erschien auch ein Musikvideo des YouTube-Künstlers Enjoykin, der Videomaterial aus Konferenzen und Interviews der laut Observer „hübschesten Staatsanwältin der Welt“ verwendete. Das Video wurde mehr als 23 Millionen Mal angesehen.

Nach dem schicksalhaften Referendum am 16. März bestätigten die russischen Behörden ihre Ernennung zur Generalstaatsanwältin der Republik Krim. Daraufhin wurde sie in der Ukraine sofort als Kriminelle zur Fahndung ausgeschrieben. All ihre Dienstgrade und Leistungen, die sie im Laufe der Jahre erarbeitet hatte, wurden als nicht rechtens deklariert, weil sie der Organisation eines Putsches bezichtigt wurde.

„Vor dem Referendum, während des Referendums und einige Zeitlang danach hatte ich überhaupt keine Zeit. Ich konnte nicht einmal nach Hause fahren, um etwas zu schlafen. Manchmal schlief ich nur zwei Stunden am Tag. Da die Lage ziemlich angespannt war, musste ich im Arbeitszimmer übernachten. Hier sehen Sie den Arbeitsraum. Und hier ist das Zimmer, wo ich mich damals etwas entspannen konnte.“

Sie versicherte: „Ich habe keine Angst davor, die Wahrheit zu sagen. Ich bin nicht kriminell.“ In einem späteren Interview sagte sie: „Ich habe geantwortet, dass ich lieber ins Gefängnis gehe, statt für Faschisten zu arbeiten.“

Es wird wohl niemanden verwundern, dass sie nichts an Popularität eingebüßt hat. Der RT-Korrespondent fragte die Staatsanwältin, ob sie vom Internet-Hype um ihre Person weiß. „Ich möchte ihnen ein Porträt zeigen… Hier… Mein bester Fan ist meine Tochter, und sie hat dieses Bildnis gezeichnet: Mutter und Vater. Als Ausgangspunkt hat ihr auch die Internet-Folklore gedient…“

Während der Live-Übertragung schrieben einige Periscope-Nutzer, dass das Bild dem Modell sehr ähnele. Natalja Poklonskaja gab verlegen zu, den musikalischen YouTube-Hit von Enjoykin gesehen zu haben. „Am Anfang war ich verstimmt. Ich war natürlich verlegen. Heute aber bin ich allen Menschen dankbar, die mich unterstützen und mir auch auf diese Weise ihre Aufmerksamkeit schenken.“

Auf die Frage des Korrespondenten, ob sie singen könne, antwortete Poklonskaja, dass sie Klavier spielt. „Jeden Mittwoch und Freitag proben wir mit Kindern, mit künftigen Staatsanwälten, ein Konzert anlässlich des 'Tag des Sieges'. Am 9. Mai wird es ein großes Konzert geben. Wir proben also mit den Kindern patriotische Lieder. Vor kurzem haben wir ʻKatjuschaʼ gesungen.“

Übrigens wird die Generalstaatsanwältin der Krim am Freitag, dem 18. März, nicht nur den zweiten Jahrestag der Wiedervereinigung der Halbinsel mit Russland begehen, sondern auch ihren eigenen Geburtstag.

Der RT-Zuschauerschaft wünschte Natalja Poklonskaja vor allem Frieden. „Jeder hat seine innigsten Träume, und ich wünsche Ihnen, dass die besten davon in Erfüllung gehen.“ Die Beamtin bedankte sich bei allen Menschen, die sie und ihre Kollegen in ihrer komplizierten Arbeit unterstützen.