Terrorhysterie in England: Kind wird wegen falscher Aussprache des Wortes „Gurke“ verhört

Terrorhysterie in England: Kind wird wegen falscher Aussprache des Wortes „Gurke“ verhört
Im englischen Luton ist es Medienberichten zufolge zu einem neuerlichen Skandal in einer Kindertagesstätte gekommen. Ein Vierjähriger soll in ein Projekt zur Terrorprävention gesteckt werden, weil er den englischen Begriff für „Gurke“ falsch ausgesprochen hat.

Der Junge aus einer asiatischen Familie soll das Wort „Cucumber“ als „Cooker Bomb“ (Kochtopfbombe) ausgesprochen haben und auf einer Zeichnung einen Mann dargestellt haben, der mit einem großen Messer Gemüse schneidet.

Die Erzieherinnen in der Einrichtung erklärten der Mutter des Kindes gegenüber, der Junge habe das Wort „Cooker Bomb“ benutzt, als er über seine Zeichnung befragt wurde, und sprachen darüber, den Sachverhalt dem vom Innenministerium geleiteten Deradikalisierungsprogramm „Prevent“ zu überantworten.

Am Ende informierte man die Polizei und den Jugendwohlfahrtsträger über den Fall. Dort entschied man sich dazu, keine weiteren Veranlassungen zu treffen, berichtete BBC Asien. Die Mutter des Kindes gab an, sich eingeschüchtert gefühlt und Angst gehabt zu haben, ihr Kind könnte weggenommen werden.

Bereits im Januar hatte es enormes Aufsehen gegeben, nachdem ein zehnjähriger muslimischer Junge zu Hause Besuch von der Polizei bekommen hatte, nachdem dieser in einem Schulaufsatz den Begriff „terrorist house“ („terroristisches Haus“) statt „terraced house“ (Reihenhaus) verwendet hatte.

Sein Vater aus Accrington, Lancashire, hatte später von einem „Scherz“ gesprochen, offizielle Stellen rechtfertigten sich später damit, dass nur deshalb Maßnahmen ergriffen worden wären, weil es sich dabei um keinen einmaligen Vorfall gehandelt hätte.

Seit Juli des Vorjahres sind Lehrer, Erzieher und Betreuer von Gesetzes wegen dazu angehalten, jedwede verdächtige Wahrnehmung im Sinne des Antiterror- und Sicherheitsgesetzes zu melden. Etwa 2000 Personen unter 15 Jahren wurden zwischen Januar 2012 und Dezember 2015 von Sicherheitsbehörden wegen angeblich verdächtiger Aktivitäten befragt.

Die Lehrergewerkschaft klagt wiederum, dass das Gesetz Lehrer ohne Not unter Druck setze und eine Menge an Verwirrung stifte bezüglich der Antiterrorstrategien an Schulen. Alex Kenny von der Nationalen Lehrergewerkschaft erklärte:

„Lehrer haben Angst, Fehler zu machen. Sie denken, sie hätten Kritik von oben zu erwarten, wenn sie Vorfälle nicht melden, und so kommt es dazu, dass sogar schon Versprecher oder auch nur Sätze, die ein Kind auf Arabisch sagt, gemeldet werden.“