"Das Butterfest" - Austauschschülerin aus Ingolstadt berichtet RT von ihrem Leben in Russland

Puppenverbrennung beim Masleniza (Butterfest) - Symbolbild
Puppenverbrennung beim Masleniza (Butterfest) - Symbolbild
Alona Bartenschlager kommt aus Bayern, ist 15 Jahre alt und hat sich mit dem Zug auf den Weg nach Russland gemacht. Von Ingolstadt über Berlin ging es zunächst nach Moskau und dann weiter nach Sotschi. Dort wird Alona für mehrere Monate die Schule besuchen. Für RT Deutsch wird Alona in den nächsten Monaten, abseits der großen Politik und medialer Verzerrungen, von ihrem neuen Alltag in Russland berichten. In ihrem heutigen Beitrag berichtet sie von dem in ganz Russland gefeierten "Butterfest".

Geschafft! Alona nach der langen Zugfahrt von Berlin nach Moskau im Hotel Cosmos.

Hallo, habt Ihr schon einmal etwas von einem Butterfest gehört? Das ist gerade gefeiert worden, ich durfte dabei sein und ich will euch darüber berichten.

Heute ist Sonntag, der 13. März. Heute ist ein Feiertag namens Masleniza, das Butterfest, so etwas wie der russische Fasching oder Karneval. Meine Mutter und ich sind gleich in der Früh zum Reiterhof nach Dagomys, einen Stadtteil von Sotschi, gefahren. Eine Dreiviertelstunde haben wir gebraucht vom Zentrum. Dort darf ich manchmal reiten. Im Stall hat man gefeiert. Erst einmal gab es eine Vorführung: Die Pferde sind gesprungen, in Formation gelaufen und sie haben verschiedene Figuren gezeigt.

Die Kinder haben verschiedene Spiele gemacht und alle waren gut gelaunt. Nach der Vorstellung brachten die Reiter die Pferde in den Stall, versorgten sie und kamen zur Feier zurück. Alle, die gekommen waren, wurden in der großen Reithalle untergebracht, weil dort alles vorbereitet war. Vor der Halle war eine Puppe aus Stroh aufgebaut, der Cheftrainer hatte sie selbst gemacht. Was mir aufgefallen ist: Die Puppe hatte kein Gesicht, das soll auch so sein, hat man mir erklärt.

Die Puppe hat man dann angezündet und brennen lassen als Zeichen, dass der Winter vorbei ist und bald der Frühling kommt. Zur Zeiten der Sowjetunion wurde diese Feier nicht offiziell begangen, sagt meine Mama. Danach hat man sich wieder an diesen Brauch erinnert, und in Sibirien war und ist diese Feier ausgesprochen populär. Aber in Sotschi ist es schon ein bisschen lustig zu sagen, dass jetzt der Frühling kommt. In dieser Stadt im südlichen Russland gibt es gar keinen richtigen Winter und wir haben schon lange Temperaturen von 20 Grad Celsius.

Aber zurück zur brennenden Puppe. Es gehört dazu, über das Feuer zu springen. Das soll die Leute von Krankheiten reinigen und von allen bösen Dingen befreien. So heißt es jedenfalls. Dieser Sonntag heißt auch "Entschuldigungssonntag". Man bereut seine schlechten Taten und bittet um Entschuldigung. Es wird einem auch verziehen, vorausgesetzt, man tut das, wofür man sich entschuldigt hat, nie wieder.

Nach dem Verbrennen der Puppe gab es Pfannkuchen mit Sauerrahm oder Marmelade, das ist bei dieser Feier Tradition. Masleniza wird eigentlich eine ganze Woche gefeiert, die heißt dann "Butterwoche".

Aber der Höhepunkt ist eindeutig der Sonntag. Zumindest in Sotschi wurde auch nur da gefeiert. Warum das Fest Maslenzia heißt, habe ich nachschauen müssen. Masla ist auf Russisch die Butter. Den orthodoxen Gläubigen ist in dieser Woche der Verzehr von Fleisch schon verboten, als Vorbereitung auf Ostern. Milch, Butter und Eier sind aber erlaubt, und daraus werden die leckeren Pfannkuchen gebacken, die in Russland Bliny heißen.

Danach sind wir zum Meer gegangen und haben das Wasser getestet, das aber noch zu kalt war, um darin zu baden, und haben die Aussicht und die Salzwasserluft genossen. Nach einiger Zeit sind wir wieder zurück in die Innenstadt von Sotschi gefahren, zu einem Freizeitpark mit Namen "Riviera", wo es auch eine riesige Feier gab. Es gab ein Konzert nach alter russischer Tradition mit traditionellen Kleidern und Liedern. Die meisten Lieder gingen um Masleniza und um Fröhlichkeit. Auch hier war eine Puppe hergerichtet, die mitten zwischen den Zuschauern stand.

Bevor sie angezündet wurde, sollte jeder seine schlechten Gedanken "auf die Puppe drauftun" und mit ihnen abschließen. Die Kinder sagten einen Spruch, damit die Puppe angezündet werden konnte. Die Leute machten den Platz frei um die brennende Puppe. Es wurde Musik gespielt, applaudiert, gesungen und getanzt. Die Stimmung war toll und es war ein Super-Erlebnis, dabei zu sein und das alles zu erleben.

Jetzt sind wir nach Hause gegangen und gleich zu einer Freundin meiner Mutter und deren Familie und haben alle zusammen Pfannkuchen gegessen.

Am Tag darauf, am Montag, beginnt die Fastenzeit. Aber ob ich mich genau daran halte, weiß ich wirklich noch nicht.

Alles Gute, bis zum nächsten Mal

Eure Alona