Edward Snowden: "Absurd! FBI kann iPhone ohne Hilfe von Apple knacken"

Edward Snowden mit Freundin und ohne iPhone in einem Moskauer Theater, September 2014.
Edward Snowden mit Freundin und ohne iPhone in einem Moskauer Theater, September 2014.
Der NSA-Whistleblower Edward Snowden äußert sich erneut zur iPhone-Debatte: "Die Behauptung des FBI, dass es die Hilfe von Apple benötigt, um das iPhone des Todesschützen von San-Bernardino zu entsperren, ist eine Farce."

Bei einem Video-Auftritt auf der Konferenz 'Blueprint for a Great Democracy' am Dienstag stellte sich Edward Snowden grundsätzlich auf die Seite des Apfel-Unternehmens.

"Das FBI behauptet, Apple hätte die 'exklusiven technischen Mittel' um das Telefon zu entsperren", sagte Snowden dem Publikum zugeschaltet aus Moskau. "Bei allem Respekt: Das ist Bockmist."

Das FBI behauptet, dass nur Apple die Fähigkeit besitzen würde, das zurückgelassene Telefon der San Bernardino-Schützen zu knacken. Davon haben die Bundespolizisten im letzten Monat auch einen Bundesrichter überzeugt.

Er soll den Technik-Riesen nun zwingen, absichtlich Schwächen in das Betriebssystem IOS einzubauen. Apple verweigert sich dieser öffentlichen Anweisung und kündigt an, dass man bereit sei, die rechtliche Auseinandersetzung bis zum obersten Gerichtshof zu führen.

Edward Snowden twitterte später einen Link zu einem Blogeintrag der American Civil Liberties Union mit dem Titel "Eine der zentralen Behauptungen des FBI im Fall des iPhone ist gelogen." Dort wird argumentiert, dass die Regierung Apples Hilfe gar nicht benötigt, um die "Automatisch löschen"-Funktion auf dem iPhone zu umgehen.

Bei einer Anhörung in der vergangenen Woche fragte der Abgeordnete Darrell Issa den FBI-Direktor James Comey, ob seine Behörde die Möglichkeit in Betracht gezogen hätte, genügend Kopien der Telefondaten zu erstellen, um dann unzählige  Kennwörter auszutesten.

Darrell Issa gehört zur Republikanischen Partei aus Kalifornien und hat sein Vermögen mit elektronischen Autoalarmanlagen verdient. Seiner Meinung nach hätte Apple  dieser einfachen Methode wahrscheinlich nicht widersprochen. Das FBI konnte nicht beantworten, warum sie diese Methode nicht anwenden.

Barack Obama auf dem Überwachungsgipfel mit Wirtschaft und Wissenschaft: an der Stanford University im Februar 2015. Von links nach rechts: Bernard Tyson (Kaiser Permanente), Renee James (Intel), Obama,  John Hennessy (Stanford) und Tim Cook (Apple).

FBI-Direktor Comey hat inzwischen auch zugegeben, dass das FBI einen Fehler gemacht hatte, als es das Passwort von Farooks Konto beim virtuellen Datenspeichers iCloud änderte, schrieb Sicherheitsexperte Jonathan Zdziarski in einem Blog-Beitrag.

"Mit anderen Worten, der Versuch, in einen Datenspeicher  einzubrechen, hat den Speicher veranlasst sich selbst so zu sperren, dass es nun noch schwieriger ist, die Informationen aus ihm herauszubekommen", so Zdziarski.

Edward Snowden hatte Apple schon zuvor für seine Verteidigung der Privatsphäre und starke Verschlüsselung gelobt.

"Wir sollten Anbieter unterstützen, die bereit sind zu sagen: 'Wissen Sie, gerade weil es besonders populär ist, jedermanns Informationen zu sammeln und diese an Werbetreibende weiterzuverkaufen, wird es unserem Ruf, unserer Beziehung mit unseren Kunden und der Gesellschaft besser dienen, wenn wir uns gerade deshalb nach unseren Kunden richten, und danach, was sie wirklich wollen. Wenn wir Menschen durch den Wert unserer Produkte überzeugen können, ohne diese durch den Verkauf von Informationen subventionieren zu müssen, die wir im Grunde unseren Kunden gestohlen haben", sagte er bei TechCrunch im Juni 2015, also schon Monate vor dem Massaker in San Bernardino im Dezember. "Das ist etwas, was absolut unterstützt werden sollte."