Das etwas andere Russlandbild - Austauschschülerin aus Ingolstadt berichtet RT von ihren Eindrücken

Geschafft! Alona nach der langen Zugfahrt von Berlin nach Moskau im Hotel Cosmos.
Geschafft! Alona nach der langen Zugfahrt von Berlin nach Moskau im Hotel Cosmos.
Alona Bartenschlager kommt aus Bayern, ist 15 Jahre alt und hat sich mit dem Zug auf den Weg nach Russland gemacht. Von Ingolstadt über Berlin ging es zunächst nach Moskau und dann weiter nach Sotschi. Dort wird Alona für mehrere Monate die Schule besuchen. Für RT Deutsch wird Alona in den nächsten Monaten, abseits der großen Politik und medialer Verzerrungen, von ihrem neuen Alltag in Russland berichten.

Hallo, zusammen, Mein Name ist Alona. Ich bin 15 Jahre alt, wohne in einem kleinen Ort in der Nähe von Ingolstadt in Bayern und mag Pferde, Turnen, Tennis, Musik und noch ein paar andere Sachen. Mit meiner Mama bin ich zu einer große Reise aufgebrochen. Wir fahren nach Russland, in die Stadt Sotschi am Schwarzen Meer. Dort ist meine Mama geboren und aufgewachsen und dort werden wir ein paar Monate verbringen. Die Vorbereitungen haben einige Zeit gedauert, denn ich benötigte eine Schulbefreiung. Aber dann war alles beisammen und wir konnten loslegen. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr mich begleiten.

Die Reise nach Sotschi: Erst einmal brachte uns mein Papa nach Berlin. Wir sind nämlich nicht geflogen, sondern mit dem Zug gefahren. Das ist schon sehr cool. Das machen nicht viele. Die meisten fliegen. Aber Mama hatte gesagt, dass es im Zug länger dauern würde, aber viel mehr Spaß machen würde. Sie hatte recht. Meine Mutter und ich stiegen also in den Zug von Paris nach Moskau, der auch im Berliner Hauptbahnhof Station macht. Mama wollte mir Moskau zeigen. Papa ist danach wieder nach Hause gefahren; er, meine große Schwester, ihr Mann und meine Nichte und mein Neffe bleiben daheim.

Wir hatten ein Zweierabteil in der ersten Klasse. Papa hatte beim Buchen einen Sonderpreis erwischt. Das Abteil hatte zwei Betten, einen Tisch, den man zu einem Waschbecken hochklappen konnte und eine schöne Innenausstattung.

Unser Schlafplatz-Abteil
Unser Schlafplatz-Abteil

Eine Dusche war auch vorhanden für den gesamten Waggon. Die Fahrt dauerte einen Tag und eine Nacht. Uns wurde nie langweilig, denn man konnte die Landschaft sehen und wie sie sich veränderte. Wir fuhren vorbei an Bergen und Felsen, bei denen ich die verschiedenen Schichten genau erkennen konnte. Dann ging es in die Ebene, Wiesen und Felder tauchten auf. Wir kamen durch Dörfer und Städte. Auch das Wetter veränderte sich ständig. Zuerst war es warm, dann regnete es, dann schneite es und am Ende war es wieder warm.

Außerdem stand der Schaffner immer zur Verfügung. Wenn man ihn brauchte, kam er sofort und half einem oder man konnte mit ihm gut plaudern, wenn er gerade nichts zu tun hatte. Er war sehr freundlich und lustig. Ich habe gelesen, Musik gehört, gelernt und geschlafen. Der Zug war schon wie ein Urlaubsort. Es war niemals laut. Dazu muss ich sagen, dass es in dem Hotel in Berlin, in dem wir die vorherige Nacht verbracht hatten, sehr laut war. Bis um 2 Uhr in der Früh liefen Leute den Gang entlang, lachten und ratschten laut. Aber im Zug hat in der Nacht jeder geschlafen. Da war es sehr ruhig. Am nächsten Morgen sind wir ins Restaurant gegangen, das auch im Zug vorhanden war. Man musste nicht lange auf das Essen warten. Das Restaurant war sehr schön ausgestattet und hatte auch eine Bar.

Der Speisewagen in unserem Zug von Berlin nach Moskau
Der Speisewagen in unserem Zug von Berlin nach Moskau

Das Essen wurde vorzüglich zubereitet und die Köche achteten sehr auf Hygiene. Der Brei, auf Russisch "Kascha", war sehr lecker. Meine Mutter hat sich mit dem Manager und mit den Köchen kurz unterhalten und hat Ihnen in ein dafür vorgesehenes Buch geschrieben, dass ihr das Essen schmeckt und dass ihr der Zug und die Reise gefällt. Die Angestellten freuten sich über das Lob. Ein paar Stunden später kamen wir in Moskau an. Die Patentochter meiner Mutter, die in Moskau studiert, hat uns abgeholt und hat geholfen, das Gepäck zu tragen. Wir mussten mit der U-Bahn fahren und die Stationen waren ganz verschieden und sehr prächtig ausgestaltet. Mit Decken voller schöner Bilder, Mosaiken und reich verziert.

Eine Metrostation in Moskau - Ein krasser Unterschied zu den U-Bahn Stationen die man in Berlin sieht.
Eine Metrostation in Moskau - Ein krasser Unterschied zu den U-Bahn Stationen die man in Berlin sieht.

Mit verschiedenen steinernen Böden und Säulen. Die U-Bahnhöfe in Deutschland sind da viel einfacher. Wir waren im Hotel Kosmos untergebracht. Es war ein Traum, das Hotel hatte alles. Die Lobby mit der Rezeption war sehr weiträumig, außenrum gab es viele Geschäfte und Treppen führten zu weiteren Geschäften und Cafés. Ungefähr 3000 Zimmer hat das Hotel, viele Restaurants, Konzertsäle, Bankettsäle und einen riesigen Wellnessbereich mit Fitness, Kosmetik und Friseurabteilungen.

Meine Mutter in der Lobby  unseres Hotels
Meine Mutter in der Lobby unseres Hotels

Das Schwimmbecken war groß und es gab ein Kleinkinderbecken. Es gab einen Ballettsaal mit Stangen und Spiegeln und darin war auch ein Boxsack. Einen Geräteraum gab es auch mit vielen Geräten, und man konnte einen Trainer buchen, der verschieden Übungen mit einem machte und zeigte, wie sie richtig auszuführen waren. Dort gab es auch ein Geschäft, in dem man sich Bade- und Trainingssachen kaufen könnte.

Wir blieben 24 Stunden dort und am Abend gingen wir zur einer Eisfläche, die eine der größten Bahnen Europas ist. Dort standen Skulpturen, Lichter zeichneten verschiedene Muster auf den Boden, Bars waren offen, es gab "Brücken" und es spielte Musik. Ich fuhr eine Stunde Schlittschuh und wollte nicht mehr weg.

Besucher auf der Eislaufbahn im Gorki-Park, Moskau
Besucher auf der Eislaufbahn im Gorki-Park, Moskau

Aber es war schon spät. Wir schliefen ruhig die Nacht durch und am nächsten Morgen gingen wir in ein Restaurant, das im russischen Design eingerichtet war, zum Frühstücken. Es gab die verschiedensten Leckerbissen und alles, was man wollte.

Es gab sehr viele Security-Leute, die aufgepasst haben, und am Eingang musste man sein Gepäck auf ein Laufband stellen. Wie beim Flughafen musste man durch eine Schleuse gehen, die anzeigte, ob man gefährliche Gegenstände dabeihatte. Die Sicherheit war wirklich großgeschrieben. Die Menschen, die kein Zimmer im Hotel hatten und deshalb keine Karten hatten, auf denen der Name und das Datum draufstand, bis wann man blieb, hat man nicht nach oben zu den Zimmern gelassen. Auch aus Sicherheitsgründen. Am nächsten Tag sind wir in den Zug eingestiegen, der uns nach Sotschi brachte. Es war noch mehr vorhanden als beim ersten.

Wir reisten in einem Zwei-Bett-Abteil mit Radio, Zeitschriften, Fernseher, Hausschuhen und Zahnbürsten; ein paar Kosmetiksachen waren als Geschenk im Abteil. Auf dem Tisch waren Getränke und kleinere "Gerichte" hergerichtet. Am Anfang gab der Zugfahrer Informationen im Radio durch. Man konnte sich Essen ins Abteil bringen lassen, aber auch selbst ins Restaurant gehen. Die Fahrt dauerte ungefähr 25 Stunden.

Zum Schluss gab es eine Besonderheit. Die letzten 100 Kilometer führen die Gleise direkt am Meer entlang. Wir hatten wunderbare Ausblicke aufs Schwarze Meer.

Blick auf das Schwarze Meer
Blick auf das Schwarze Meer

Für mich persönlich war es spannend und ich habe Gefallen gefunden, mit solchen Zügen zu reisen. Nun bin ich in Sotschi. Mal sehen, was die nächsten Tage bringen. Liebe Grüße Alona

Blick auf den Hauptbahnhof von Sotschi
Blick auf den Hauptbahnhof von Sotschi