RT-Exklusiv: McAfee kritisiert FBI für "analphabetischen" Gerichtsbeschluss zu iPhone-Hintertür

RT-Exklusiv: McAfee kritisiert FBI für "analphabetischen" Gerichtsbeschluss zu iPhone-Hintertür
Der Computer-Pionier und Experte für Antiviren-Software, John McAfee, sagte in einem Exklusiv-Interview mit RT, dass in den vergangenen Jahren "Hintertüren in alle Arten von Produkten" eingebaut wurden. Jeder, der das Problem kennt, würde in dieser Frage hinter Apple stehen. Hintertüren öffnen Hackern und ausländischen Diensten ebenso die Geräte wie den US-Sicherheitsbehörden.

Barack Obama auf dem Überwachungsgipfel mit Wirtschaft und Wissenschaft: an der Stanford University im Februar 2015. Von links nach rechts: Bernard Tyson (Kaiser Permanente), Renee James (Intel), Obama,  John Hennessy (Stanford) und Tim Cook (Apple).

"Es steht außer Frage, dass es dem FBI mit seiner Forderung an Apple um eine Hintertür geht", so McAfee gegenüber Ed Schultz von RT America. Der Computer-Pionier bezweifelt das Argument der Sicherheitsbehörde, dass nur ein Telefongerät von einem der Täter der San Bernardino-Schießerei betroffen wäre.

McAfee ist seit den 1980er Jahren für die Erstellung des führenden Antiviren-Programms bekannt, das bis heute seinen Namen trägt. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, seit McAfee dieses Programm entwickelt hat, aber, sagt er, das FBI nicht. McAfee ist ein Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Libertären Partei 2016.

"Das gleiche FBI," kritisiert McAfee, "das behauptet, 'Wir schützen diese Software und verwenden sie nur auf einem einzigen Mobiltelefon', diese Behörde wurde durch einen 15-jährigen Jungen erst letzte Woche gehackt, der mit allen Daten von Mitarbeitern davonschlich, einschließlich [der von] Undercoveragenten."

In den vergangenen Jahren, erklärte McAfee, wurden Hintertüren in alle Arten von Produkten eingebaut.

Graffiti in der Nähe des Hauptquartiers des britischen Geheimdienstes Government Communications Headquarters (GCHQ) in Cheltenham, April 2014. Britische Medien erklärten Banksy zum Urheber des malerischen Denkanstoßes.

"Wir haben heute außerordentlich intelligente Hacker mit außerordentlich fortgeschrittenen Werkzeugen", sagte McAfee und hob hervor, dass einige von ihnen ein "Risiko für die nationale Sicherheit" darstellen können.

Das FBI fordere mit seinem Antrag an Apple "jeden Besitzer eines iPhone auf, sein Telefon für schlechte Hacker anfällig zu machen, und mehr noch, für ausländische Feinde der Vereinigten Staaten wie China," sagte McAfee.

Unter diesen Umständen glaubt McAfee ein Angebot zu haben, das dem FBI und Apple helfen könnte, ohne jemandem weh zu tun: "Ich haben dem FBI angeboten, kostenlos mein Team zur Verfügung zu stellen, das eine Handy auseinanderzunehmen, reinzuschauen und die Daten dem FBI zu geben“, sagte McAfee. "Das verletzt niemanden, es gibt ihnen keine Hintertüren und es kann nicht auf andere iPhone-Benutzer angewendet werden." Das Ganze würde drei Wochen dauern.

Das Interview im Originalton:

Da das FBI dieses Angebot vermutlich nicht annimmt, sieht auch McAfee, dass Apple CEO Tim Cook vermutlich in der Klemme sitzt. Schließlich ist das Unternehmen nun öffentlich mit einer gerichtlichen Anordnung konfrontiert, die das Vertrauen seiner Kunden hintergehen würde. Cooks offener Brief gegen den Gerichtsbeschluss beeindruckt McAfee.

"Ich denke, Tim Cook hat Eier in der Hose, wenn ich so etwas im Fernsehen sagen darf", sagte McAfee. Er geht davon aus, dass das FBI nicht viel machen kann, um die gerichtliche Anordnung in vollem Umfang durchzusetzen.

"Sie müssen Apples Programmierer dazu bringen, diese Hintertür zu erschaffen. Ich weiß nicht, wie sie das tun wollen. Sagt man, 'Hinsetzen, die Kodierung machen oder wir werden Ihnen in den Kopf schießen"? Ich weiß es nicht", sagte McAfee.

Aber das war noch nicht das Schlimmste für McAfee. "Was mich noch mehr an dem Vorgang erschreckt, ist, dass ein Bundesrichter in Amerika scheinbar ein Analphabet beim Thema Cybersecurity ist, wenn man diese Anordnung umsetzt."