Whistleblowerin Chelsea Manning berichtet ausführlich über Haftbedingungen in US-Militärgefängnis

Whistleblowerin Chelsea Manning berichtet ausführlich über Haftbedingungen in US-Militärgefängnis
Die US-amerikanische Whistleblowerin, Chelsea Manning, die 750.000 klassifizierte US-militärische Akten an WikiLeaks weitergegeben hatte, hat erstmals ausführlich über ihre Inhaftierung in einem Hochsicherheits-Militärgefängnis berichtet. In einer Tranche von Briefen an Amnesty International UK offenbart sie Einblicke in ihre Kindheit, ihr Leben als Soldat und im Gefängnis. Amnesty hat ihre Geschichte in Podcast-Form mit der Stimme einer Schauspielerin veröffentlicht.

Zu 35 Jahren Haft verurteilt: Chelsea Manning

Manning, die früher als Soldat Bradley Manning bekannt war, diente in der US-Armee im Jahr 2009 als militärische Analytikerin im Irak. Beunruhigt durch die Taten der US-Truppen und ihrer Verbündeten, entschied sie sich, eine große Menge an geheimen US-militärischen Dateien zu veröffentlichen.

Diese Veröffentlichung, von der ihre Anhänger sagen, dass sie von öffentlichem Interesse waren, führte zu ihrer Inhaftierung, Isolation und dem Verlust von Jahrzehnten ihrer Freiheit. Sie sitzt jetzt in einem Hochsicherheits-Gefängnis in den USA eine Haftstrafe von 35 Jahren ab.

Trotz der Beschränkungen ihrer eigenen Freiheiten ist Manning eine leidenschaftliche Kämpferin für Redefreiheit geworden, die jede Chance nutzt, aus dem Gefängnis heraus zu kommunizieren. In den Briefen an Amnesty International erzählt sie von ihrer Vergangenheit, ihrem Leben im Gefängnis und dem gefährlichen Weg, der sie dorthin geführt hat.

Kindheit und Jugend

Im Gespräch mit Amnesty blickt Manning auf ihre raue Kindheit und Jugend in einer engstirnigen Kleinstadt in Oklahoma zurück. Beide Eltern waren Alkoholiker und neigten zu unbeständigem und missbräuchlichem Verhalten, sagt sie. Ihr Vater reiste viel, so dass sie den Großteil ihrer Kindheit mit ihrer Schwester und ihrer Mutter verbrachte.

Manning erinnert sich, viel geweint zu haben und dass sie oft wegen ihres Aussehens und Verhaltens von Gleichaltrigen gehänselt wurde. Als sie 15 war, sagt sie, dass sie in einer Welt der Verleugnung gefangen war. Wiederholt hat sie heimlich Make-up gekauft, für eine Weile getragen und es dann bald wieder weggeworfen. Zu dieser Zeit wohnte sie im Südwesten von Wales in Großbritannien.

Manning fühlte sich nur in der Anonymität wohl. Online konnte sie sein, wer sie wollte. Online hatte die ehemalige US-Militär Analytikerin viele Freunde, von denen viele Homosexuelle waren. Manning verließ Großbritannien im Jahr 2005, um zu ihrem Vater und der neuen Stiefmutter zu ziehen. Schließlich verließ sie ihr Zuhause und ging nach Chicago.

Dort wurde sie ein Straßenkind und fand sich in Obdachlosenheimen wieder, die dezidiert gegen Homosexuelle waren. Während sich der Krieg im Irak intensivierte, informierte sie sich über die Möglichkeiten einer Militärkarriere, in der Hoffnung, dadurch männlicher zu werden. Ihr offizieller Eintritt war im Oktober 2007, worauf sie die Grundausbildung begann. In der frühen Phase der Ausbildung wurde sie von einem Trainingsoffizier für die Farbe von ihrem rosa Telefon kritisiert.

Annie Machon & Simon Davies bei ihrer Code Red-Präsentation in der Berliner c-base

Leben beim Militär

Ihre Rolle als Geheimdienstanalystin war es, unbearbeitete Informationen zu überwachen und zu kombinieren, um Berichte oder Diashows erzeugen.

Manning verbrachte oft viel Zeit online während ihrer Freizeit. Sie war ängstlich und depressiv. Sie sagt, dass strategische Fehler beim Militär häufig zu Verlusten an Menschenleben führten, und dieses Wissen belastete sie schwer.

Unter den Dateien, die Manning weitergab, waren Bilder von US-Soldaten, die wahllos auf irakische Zivilisten feuern. Die Aufnahmen, welche aus einem Militärhubschrauber 2007 aufgenommen wurden und zeigen, wie die Schützen 12 Menschen getötet und zwei Kinder verletzt haben, erschien bei WikiLeaks unter dem Titel "Collateral Murder" - „kollateraler Mord“.

Es wurden gezeigt, dass die Opfer Kamera-Ausrüstung tragen und unter den Toten waren auch zwei Angestellte der Nachrichtenagentur Reuters. Trotz dieser Tatsache hat das Pentagon die Bilder nie veröffentlicht und hat diejenigen, die bei der Greueltat dabei waren, von allem Fehlverhalten freigesprochen.

Unter Mannings Veröffentlichungen waren auch Krieg-Protokolle aus dem Irak und Afghanistan und eine Reihe von inhaltlich explosiven Depeschen.

Nach der Veröffentlichung der geheimen Dateien dachte Manning, dass sie aus dem Militär entlassen und gezwungen würde, mehrere Jahre im Gefängnis zu verbringen. Sie befürchtete, dass sie dämonisiert und ihre Geschlechtsidentität gegen sie verwendet würde.

Arrest und Haft

Manning wurde schließlich von der Kriminalpolizei der US-Armee im Jahr 2010 verhaftet. Vier Tage später wurde sie nach Kuwait verlegt, wo sie in Einzelhaft kam. Manning sagt, sie wurde während ihrer Gefangenschaft nicht mit Respekt und Würde behandelt und dass sie damals sehr litt. Sie verlor das Zeitgefühl und wurde geistig verwirrt.

Der Künstler Davide Dormino auf dem leeren Stuhl seiner Skulptur

Als sie nach Virginia in den USA kam, erzählt Manning, wurde sie in eine andere Hochsicherheits-Basis verlegt. Sie wurde dann in einer sicheren Zelle in einen leeren Block untergebracht und konnte mit keinem Menschen kommunizieren. Sie hatte keine Privatsphäre, weil sie ständig überwacht wurde, und hatte dennoch kaum Kontakt zu Anderen. Sie ist weiterhin in einem Militärgefängnis, wo sie den Rest ihrer Strafe absitzen soll.

Amnesty fordert US-Behörden auf, Manning sofort zu befreien. Die Menschenrechtsgruppe argumentiert, dass sie Jahrzehnte im Gefängnis verbringe, weil sie vertrauliche Informationen teilte, von denen sie dachte, dass sie ein Licht auf Missbrauch werfen und eine sinnvolle Debatte über Irak-Krieg der USA und Großbritannien entfachen würde.

Amnestie sagt, dass Manning, die nicht in der Lage war, diese Verteidigung vor Gericht zu verwenden, für ihre Taten zu hart bestraft worden ist.

Die US-Regierung hat die Missbräuche, die Chelsea Manning aufdeckte, nie öffentlich untersucht. Dennoch wird die ehemalige militärische US-Analystin weiterhin einen hohen Preis für die Veröffentlichungen zahlen.



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