Weihnachtswunder: Wladimir Putin als US-Präsident, Barack Obama als Staatschef Russlands

Weihnachtswunder: Wladimir Putin als US-Präsident, Barack Obama als Staatschef Russlands
„Wladimir Putin ist der nächste Präsident der USA“ - diesem Motto begegnet man im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl 2016 immer öfter in Sozialen Netzwerken. Zwar ist der Wunsch offensichtlich unerfüllbar und teils ironisch gemeint, zu Weihnachten kann aber schon so manches passieren. Bei RT stellen wir uns vor, welche Folgen ein Rollentausch von Obama und Putin hätte. Dazu haben wir natürlich auch Expertenstimmen eingeholt, die den imaginären Change kommentieren.

Das Wettrennen um die Präsidentschaftskandidaturen läuft in den Vereinigten Staaten bereits jetzt auf Hochtouren. Im Herbst 2016 werden die US-Bürger dann einen neuen Staatschef wählen. Doch schon heute kommen aus Übersee alarmierende Nachrichten: Nach der Meinung einiger Nutzer der Sozialen Netzwerke sei der russische Präsident Wladimir Putin der Ehre am würdigsten, ins Oval Office einzuziehen.

Obwohl dies natürlich ganz und gar unmöglich ist, lassen sich die Fürsprecher von "Putin 2016" nicht entmutigen und posten eifrig witzige Bilder:

Ins Deutsche übersetzt lautet die Aufschrift: „Er ahndet wirtschaftliche Verbrechen. Er bringt jene hinter Gitter, die Kirchen entweihen. In den Vordergrund stellt er Interessen seines Landes.“

Manche Nutzer gingen sogar noch weiter und entwarfen bereits Souvenirs für Putins Wahlkampagne in den Vereinigten Staaten.

Zum Weihnachtsfest 2015 beschloss RT, der Sache auf den Grund zu gehen: Mit einem Augenzwinkern fragen wir, welche politischen Entscheidungen der russische Staatschef in Washington treffen würde, sollte er doch einmal das Amt von Barack Obama übernehmen. Und umgekehrt: Was würde der US-Präsident tun, sollte er einmal in den Kreml einziehen? Auf die Fragen von RT antworteten die Politologen Alexei Timofejew und Wiktor Olewitsch sowie der Duma-Abgeordnete Robert Schlegel.

Wie würde der US-Präsident Wladimir Putin den Terrorismus bekämpfen?

Alexei Timofejew: Es ist zu vermuten, dass Putin viel effizienter als Obama wäre. All diese zweifelhaften partnerschaftlichen Beziehungen zu den Monarchien am Persischen Golf… Putin würde mit ihnen nicht so eng zusammenarbeiten und würde dagegen den IS entschiedener angreifen. Wenn Putin US-Präsident wäre, würde es heute den IS vielleicht nicht mehr geben.

Robert Schlegel: Er würde seinen Kampf gegen den Terrorismus genauso effektiv, entschieden sowie ohne Doppelspiel, Simulation, Scheinheiligkeit und Augenwischerei fortsetzten.

Wiktor Olewitsch: Wahrscheinlich würde er auf die Unterstützung von Terrorgruppierungen im Nahen Osten verzichten, die die USA indirekt unterstützen. Die Richtlinie der US-Außenpolitik würde anders aussehen. Seine Politik würde dem Stil der US-amerikanischen Realisten ähneln, und nicht dem der Neokonservativen, die Revolutionsprozesse gutheißen. Der „arabische Frühling“ wäre sicherlich nicht passiert. Wladimir Putin glaubt nicht daran, in fremden Staaten Revolutionsprozesse einzuleiten. Die ideologische Struktur anderer Länder darf nicht geändert werden. Um Probleme zu lösen, wäre ein Einsatz der US-Armee gar nicht erforderlich. Einen neuen Irak-Krieg würde es nicht geben.

Hätte Obama, besäße er die Macht im Kreml, der Türkei die abgeschossene Su-24 vergeben?

Wiktor Olewitsch: Nein, das hätte er nicht verziehen. Nach dem US-Maß war die Reaktion der russischen Führung sogar zurückhaltend. Man kann sich daran erinnern, wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter auf die Geiselnahme von US-Diplomaten in Teheran 1979 reagiert hat. Er hat die diplomatischen Beziehungen mit Teheran aufgekündigt, alle Iraner sollten aus den USA abreisen, alle iranischen Studenten und Lehrkräfte sollten die US-Universitäten verlassen. Vielleicht wäre die Reaktion Barack Obamas sogar noch härter gewesen, denn er hätte auf die Meinung seines Umfeldes hören müssen.

Robert Schlegel: Nein, vor Überraschung hätte er vergessen, dass er Präsident einer Atommacht ist. Er hätte einen Atombombenangriff auf den Provokateur befohlen, die ganze Welt in den Dritten Weltkrieg hineingezogen und somit das Armageddon heraufbeschworen.

Würde Putin, säße er im Oval Office, die gegen Russland verhängten Sanktionen aufheben?

Alexei Timofejew: Ich glaube, das würde er nicht tun. Vielleicht hätte es sogar mehr Sanktionen gegeben, und die Rhetorik wäre schärfer gewesen. Und das, obwohl Russlands Präsident Wladimir Putin auf seiner jüngsten Pressekonferenz noch einmal betont hat, dass Russland keine Feinde habe. Die USA sind aber ein Land, das unbedingt einen Feind braucht. Diesen Feind muss man stets benennen, man muss seine Überlegenheit über ihn in ausnahmslos allen Aspekten zeigen. Die Sanktionen wären viel schärfer ausgefallen.

Wie würde der russische Präsident Obama unter den US- und EU-Sanktionen handeln?

Alexei Timofejew: Ich stelle mir Obama als einen willenlosen Politiker vor. In einer solchen Lage hätte er es enorm schwer. Während Putin dank seines Ansehens und Charismas die öffentliche Meinung und die Einstellung der russischen Bürger gegenüber diesen Sanktionen noch irgendwie aufrechterhalten kann, würde Obama das nicht schaffen. Am wahrscheinlichsten wäre, dass es gar keine Sanktionen gegen Obama gegeben hätte. Die Sanktionen sind mit der Angliederung der Krim an Russland verbunden. Ich bezweifle es sehr, dass sich Obama zu einer solchen Wiedervereinigung entschlossen und dann noch gewagt hätte, seine Haltung zur Ukraine-Krise zu bekunden.

Wäre unter Obama die Krim also nicht wieder an Russland angegliedert worden?

Wiktor Olewitsch: Er hätte nicht genug Mut gehabt, dies zu tun. Er hätte Angst gekriegt. Er hätte sich darauf nicht eingelassen, aus Furcht vor möglichen Folgen. Obama ist nicht immer bereit, die persönliche Verantwortung für ernste Beschlüsse zu übernehmen.

Robert Schlegel: Nein, die Krim-Einwohner hätten sich an einen Präsidenten wie Barack Obama nicht einmal gewandt. Dort wäre ein Bürgerkrieg ausgebrochen, dessen Ergebnis die Unabhängigkeit der Halbinsel gewesen wäre. Man hätte abgewartet, bis in Russland ein starker Anführer an die Macht gekommen wäre.

Wie würde Putin das Problem der massiven Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner lösen?

Wiktor Olewitsch: Zuallererst würde er einen Rat einberufen und eine Kommission gründen, die eine Reihe von potentiellen Lösungen erörtern sollten. Er würde Maßnahmen ergreifen, damit alle Bezirke, in denen die ärmere schwarze Bevölkerung wohnt, also die afro-amerikanischen Ghettos, ein größeres Wirtschaftswachstum aufweisen könnten. Er würde Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas in solchen Bezirken und zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen ergreifen. Wahrscheinlich würde er das US-Justizsystem zu ändern versuchen und es eher nach dem russischen Vorbild gestalten. In Russland gibt es auch erhebliche Probleme mit der Polizei. Es ist aber kaum vorstellbar, dass ein russischer Polizist mitten in einer Stadt im Vorbeifahren ein spielendes 11-jähriges Kind erschießt, ohne danach verurteilt zu werden. Als effektiver Staatschef würde Putin viel härtere Maßnahmen ergreifen, um dem vorzubeugen.

Robert Schlegel: Das hinge davon ab, wann Putin Obama ablösen würde. Wenn das ganz am Anfang passiert wäre, hätten sich solche Vorfälle nicht wiederholt. Auch der Vorfall selbst hätte sich wahrscheinlich nicht einmal ereignet, weil Wladimir Putin seine Innenpolitik so zu gestalten weiß, dass es noch keine ernsthaften und regelmäßigen interethnischen Konflikte gegeben hat.

Würde Putin ein Gesundheitsprogramm starten?

Alexei Timofejew: Putin würde sich damit nicht beschäftigen. Er würde sich mit der Außenpolitik auseinandersetzen. Klar, dass die USA und ihr Oberhaupt zwar auch außenpolitische Schritte tun, um innenpolitisch zu punkten. Doch Wladimir Putin ist mehr als nur Präsident. Er ist ein Autor im wahren Sinne des Wortes. Er beschäftigt sich mit groß angelegten, globalen geopolitischen Problemen. Mit dem Gesundheitswesen würde sich ein Kongress-Mitglied beschäftigen. Natürlich, mit Unterstützung des Präsidenten.

Mit welchem US-Präsidentschaftskandidaten würde der russische Präsident Barack Obama Kontakte knüpfen?

Wiktor Olewitsch: Heute gibt es nur einen US-Präsidentschaftskandidaten, der sich nicht gegen Russland äußert, sondern ab und zu prorussische Töne anschlägt. Das ist Donald Trump. Ein weiterer Kandidat wäre Rand Paul. Auch er ist ein Gegner der jetzigen amerikanischen Politik im Nahen Osten. Er spricht offen darüber, dass Russlands Haltung im Syrien-Konflikt durchaus logisch sei. Man solle Russland in Syrien nicht gegenüberstehen. Man sollte es eher unterstützen. Keiner der beiden hat aber eine Chance, zum US-Präsidenten gewählt zu werden. Er würde also entweder Trump oder Paul unterstützen, weil sie keine Fortsetzung der Konfrontation in den bilateralen Beziehungen zu Russland anstreben.

Wie hätte US-Präsident Putin auf die Enthüllungen Edward Snowdens reagiert?

Wiktor Olewitsch: Es wäre ihm nicht gelungen, Snowden gefangen zu nehmen, zu entführen oder gar zu liquidieren. Eine solche Operation nur aus Rache durchführen zu lassen - als US-Präsident hätte er das nicht gewagt.

Robert Schlegel: Er hätte mit ihm gewiss nicht sympathisiert. Ich glaube, er hätte Snowden vorgeschlagen, dort zu bleiben, wohin er geflohen ist, und ihm zwar Glück für dessen neuen Lebensabschnitt gewünscht, aber dennoch gewarnt, dass ihn bei der Heimkehr die US-Justiz erwarten würde.

Welche Sportart würde Obama in Russland treiben?

Alexei Timofejew: Obama würde ausgezeichnet jene Sportart passen, für die seinerzeit Dmitri Medwedew so geworben hat, und zwar Badminton. Ein Federball, ein leichter Schläger — das entspricht Obamas Geist. Auf gar keinen Fall Eishockey, wo Stärke, Schlagkraft, Schnelligkeit und blitzschnelle Reaktion erforderlich sind.

Wiktor Olewitsch: Obama ist zu harten, kompetitiven Sportarten à la Rugby nicht geneigt. Vielleicht würde er Basketball spielen.

Was würde Obama russischen Kindern schenken?

Robert Schlegel: Vielleicht Teddybären in Walenki, mit Uschanka, einem Akkordeon und einer Wodka-Flasche in der Pfote.