Bombadiert Agrabah!

Bomb it! Wenn es nach den republikanischen Wählern geht, dann werden Agrabah und seine charmanten Bewohner bald mit Streubomben und Napalm aus ihrem Idyll vertrieben
Bomb it! Wenn es nach den republikanischen Wählern geht, dann werden Agrabah und seine charmanten Bewohner bald mit Streubomben und Napalm aus ihrem Idyll vertrieben
Je größer das Land, desto geringer das Interesse für Außenpolitik. So erklärt die Medienwissenschaft für gewöhnlich die dürftigen geografischen Kenntnisse vieler Bewohner der USA. Bei einer Wahlumfrage taten sich nun neue Untiefen im Allgemeinwissen der US-Amerikaner auf.

Das den Demokraten nahestehende Public Policy Polling-Institut erkundigte sich nach den Einstellungen republikanischer Wähler. Die sollen demnächst mittels Vorwahlen ihren Kandidaten für das Präsidentenamt bestimmen.

Zum Thema Außenpolitik interessierten sich die demokratischen Meinungsspione auch für die generelle Gewaltbereitschaft der republikanischen Wähler. Anscheinend konnten sich die Demoskopen jedoch auf kein konkretes Fallbeispiel einigen. Und das, obwohl mit Syrien, Sudan und Libyen aktuell genug muslimisch geprägte Länder für Bombenangriffe zur Verfügung stehen. Also fragten sie nach einem Land, das sicher jeder kennt: Agrabah.

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Alles, was dazu zu wissen ist, steht in einem Wiki. Den hat das Unternehmen Disney angelegt, um hartnäckigen Fans detaillierte Informationen über die von ihnen geschaffene Fantasiewelt mitzugeben. Demnach handelt es sich um ein Land in Arabien, und zwar in der Nähe des Flusses Jordan. Es wird von einem Sultan regiert und verfügt über einen beeindruckenden Palast. Es wird regelmäßig von seinen berühmtesten Bewohnern Alladin, Prinzessin Jasmine und ihren Freunden vor dem Untergang gerettet.

Damit dürfte in Zukunft Schluss sein. Eine aktive Mehrheit der republikanischen Wähler sprach sich nun dafür aus, Agrabah von der US-Luftwaffe bombardieren zu lassen. Da kann dieser Alladin mit seiner Lampe fuchteln, bis er umfällt. Insgesamt stimmten 30 Prozent der Fans republikanischer Außenpolitik dafür, den romantischen Wüstenfleck auszuradieren. Gegen diese unilaterale Gewaltmaßnahme sprachen sich nur 13 Prozent aus. Weitere 57 Prozent waren sich bei dieser schweren Entscheidung unsicher.

Ob diese Unsicherheit daher rührt, dass Menschenleben und Völkerrecht auf dem Spiel stehen? Vielleicht handelte es sich auch nur um Eltern, denen dunkel schwante, dass sie mit ihrem Nachwuchs einstmals einen Zeichentrickfilm über Agrabah gesehen hatten. Und da wirkte dieses Land eigentlich ganz symphatisch. Für den Fall, dass Donald Trump die Vorwahlen gewinnt, dürfte das Schicksal der Disney-Fantasy-Welt trotzdem entschieden sein. Ganze 41 Prozent seiner Unterstützer, und damit signifikant mehr als der aggressive Durchschnitt, wollen Fantasia brennen sehen.

Aus der Perspektive kritischer Kulturwissenschaftler mag dies auch Vorteile haben. Die Illusionen aus der Traumfabrik müssen vernichtet werden. Die arabische Kultur ist weitaus interessanter, als dies ein Hollywood-Cartoon von 1992 auch nur andeuten kann. Hört auf, eure Kinder zu betrügen und nehmt euch ein Beispiel an Jürgen Todenhöfer, der mit seinem Sohn direkt in den Irak reiste. Zerstört Agrabah!

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