„Gegen Staatsterror“ - Konzeptkünstler Pawlenski setzt Eingang des FSB-Hauptgebäudes in Flammen

„Gegen Staatsterror“ - Konzeptkünstler Pawlenski setzt Eingang des FSB-Hauptgebäudes in Flammen
Der Konzept- und Schockkünstler Pjotr Pawlenski hat den Eingangsbereich des Hauptquartiers des russischen Inlandgeheimdienstes FSB in Moskau mit Benzin übergossen und in Protest „gegen den nicht endenden [Staats-] Terror“ angezündet. Im droht nun ein Verfahren wegen „Vandalismus“.  

In den frühen Morgenstunden war Pawlenski, ausgerüstet mit einem Benzinkanister und in Begleitung von zwei Journalisten, auf die FSB-Zentrale am Lubjanka-Platz zugegangen und hatte die historischen hölzernen Eingangstüren mit Benzin überschüttet und in Flammen gesetzt. Das Feuer wurde umgehend vom Sicherheitspersonal gelöscht.

Quelle: Screenshot aus Youtube Video

Der Künstler veröffentlichte später Videoaufnahmen seiner nächtlichen „Performance“ in denen er seine Beweggründe erläuterte:

“Die brennende FSB-Tür ist ein von der Gesellschaft geworfener [symbolischer] Fehdehandschuh. Der Föderale Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation arbeitet auf Basis von niemals endendem Terror und hält 146 Millionen Menschen in seiner Gewalt.“

Die Moskauer Polizei hat gegen Pawlenski ein Strafverfahren wegen Vandalismus eingeleitet. Sollte er für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu drei Jahren Haft.  

Zuvor hatte der Performance-Künstler bereits für Schlagzeilen gesorgt als er sich im Zentrum von Petersburg „gegen das repressive Regime“ in Stacheldraht wickelte oder in Moskau seinen Hodensack auf dem Roten Platz festnagelte. In 2012 nähte er in Solidarität mit „Pussy Riot“ seinen Mund zu.

Im Herbst 2014, nachdem er einen Teil seines Ohrs abgeschnitten hatte, wurde er zur Untersuchung seiner mentalen Gesundheit in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die ihn examinierenden Ärzte bescheinigtem ihm aber „perfekte psychologische Gesundheit.“ Laut Pawlenskis Anwalt wurde sein Mandat in den letzten Jahren sechsmal auf seine psychologische Verfasstheit untersucht, immer mit denselben positiven Ergebnissen.

Ende November diesen Jahres soll es die "weltweit erste Retrospektive" von Pawlenskis Werk beim Nordwind-Festival in Hamburg geben.

Im Falle von Pawlenski sollte darauf hingewiesen werden, dass ein Performance-Künstler in Deutschland sicherlich weit mehr Schwierigkeiten hätte, sich so "ungestört" den Eingangstüren des deutschen Äquivalents, der Zentrale des Bundesamtes für Verfassungschutz, in Köln und Berlin zu nähern. Die sind nämlich mit zwei bis drei Sicherheitszäunen und NATO-Draht gesichert und dem "Normalbürger" ist es überhaupt nicht möglich, sich diesen auch nur ansatzweise so zu nähern, wie dies in Moskau möglich ist. 

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