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Deutsche Corona-Zahlen im Vergleich zu Österreich und der Schweiz

Deutsche Corona-Zahlen im Vergleich zu Österreich und der Schweiz
Corona-Abstrichstelle auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart (Bild vom 13. Oktober)
Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch nach der Corona-Sitzung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor die Kameras trat, betonten beide Politiker die Dramatik der Lage. Aber wie sieht es tatsächlich in Deutschland und bei einigen Nachbarn aus?

Man befinde sich "bereits in der exponentiellen Phase", erklärte die Kanzlerin den wartenden Journalisten. Damit sprach sie öffentlich aus, wovor sie und andere Politiker bisher gewarnt hatten. Bei einer CDU-Präsidiumskonferenz vor knapp drei Wochen soll Merkel davor gewarnt haben, dass es an Weihnachten täglich 19.200 neue positive PCR-Befunde geben werde, wenn sich die Zahlen nicht eindämmen ließen. Und ihr Sprecher Steffen Seibert stimmte die Bevölkerung daraufhin prompt auf einen harten Herbst und Winter ein. 

Die immer lauter werdende Kritik an der Regierungspolitik und Vorwürfe der Panikmache wollte Seibert hingegen bei der Bundespressekonferenz diese Woche nicht gelten lassen. Er kenne niemanden, der Panik macht, "und ganz sicherlich niemanden in der Bundesregierung". Der Regierungssprecher stellte aber klar, dass man trotzdem auch weiterhin an den täglichen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) festhalten werde, weil man diese als wichtigen Indikator für weitere Maßnahmen erachte.

Das Problem dabei ist, dass diese Zahlen zunächst wenig über das tatsächliche "Infektionsgeschehen" aussagen. Positive Befunde durch die PCR-Tests bedeuten lediglich, dass die Personen irgendwann einmal mit dem Coronavirus in Kontakt kamen. Es bedeutet aber nicht zwingend, dass diese Person gegenwärtig "infiziert" ist und sagt auch nichts über die Viruslast des SARS-CoV-2-Erregers aus. 

Es sollten demnach auch weitere Parameter als Indikatoren berücksichtigt werden, um politische Entscheidungen treffen zu können. Dazu könnten Opferzahlen gehören und, wie es von Experten gefordert wird, insbesondere die Belegung von Intensivbetten mit COVID-19-Patienten sowie Anzahl schwer erkrankter Patienten, die beatmet werden müssen.

Wie ernst ist die Lage in Deutschland also tatsächlich, dass die Politik von unseren Kindern erwartet, dick angezogen und mit Mützen und Schal bei offenem Fenster im Unterricht zu sitzen? Ist die Lage so dramatisch, wie Merkel und Söder sie am späten Mittwochabend darstellten, und wie sieht es beispielsweise in Österreich oder der Schweiz aus?

Deutschland

Die Zahlen des RKI zwischen KW 31 und KW 41 legen nahe, dass sich ab KW 38 (20. September bis 26. September) im Vergleich zu den Vorwochen etwas verändert hat. Bis dahin lag die Positivenquote (positive Laborbefunde) sogar stellenweise unter einem Prozent. Obwohl sich Testrate zwischen KW 31 (586.620 Tests) und KW 35 (1.121.214 Tests) nahezu verdoppelte, blieb die Positivenquote dabei stets bei einem Prozent oder darunter. Selbstverständlich stiegen die absoluten wöchentlichen Zahlen in diesem Zeitraum im Gleichschritt mit der Ausweitung der Testungen, aber auf die Quote hatte das keine Auswirkungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Ankunft zur wöchentlichen Kabinettssitzung am 14. Oktober.

Ab KW 38 hingegen stieg die Quote auf 1,16 Prozent, dann auf 1,22 Prozent, in der Woche darauf auf 1,66 Prozent und schließlich in KW 41 auf 2,48 Prozent. Damit überstieg die Positivenquote zum ersten Mal seit dem Frühjahr die Fehlerquote der PCR-Tests von ca. 1,4 Prozent.

Von den 30.208 Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern waren mit Stand vom 14. Oktober 21.496 Betten belegt (71 Prozent). Tatsächlich mussten aber 602 COVID-19-Patienten intensivmedizinisch betreut und davon 323 "invasiv" beatmet werden.

Die Belegungsrate der Intensivbetten pendelte im September ebenfalls zwischen 71 und 72 Prozent. Während die Zahl der intensivmedizinisch betreuten Patienten am 16. September 233 betrug (davon 128 beatmet), stieg die Zahl am 30. September auf 355 (davon 195 beatmet). Am 7. Oktober waren es dann 470 Patienten (davon 233 beatmet), die intensivmedizinisch betreut werden mussten, und am 14. Oktober waren es 602 Patienten (davon 323 beatmet). 

Schweiz

Auch in der Schweiz lässt sich ebenso wie in Deutschland eine Steigerung der Positivenquote feststellen. Während in der Spitze im März teilweise bis zu 26 Prozent der Corona-Tests positiv ausfielen, fielen diese Zahlen nach dem Lockdown bis Anfang Mai auf ein ähnliches Niveau wie in Deutschland. Doch seit Anfang August steigt die Zahl erneut an. Im September waren es zwischen drei und vier Prozent, seit Oktober ging es relativ steil nach oben mit bis zu 18 Prozent (Stand 14. Oktober).

Diese steigende Positivenquote schlägt sich aber bislang nicht auf die intensivmedizinische Betreuung von COVID-19-Patienten nieder. In diesem Bereich bewegt sich die Belegung von Intensivbetten seit KW 22 bis KW 41 auf einem stabilen Niveau. Laut dem Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit (BAG) mussten in KW 41 durchschnittlich 40 COVID-19-Patienten intensivmedizinisch betreut werden, 28 davon mit Beatmungsgerät.

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz bei einer Pressekonferenz in Wien am 4. September 2020

Interessant sind auch folgende Daten aus den Schweizer Krankenhäusern, die dem BAG zur Verfügung gestellt werden. 16 Prozent der COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen hatten keine relevanten Vorerkrankungen, 84 Prozent mindestens eine. "Die drei am häufigsten genannten Vorerkrankungen bei hospitalisierten Personen waren Bluthochdruck (51 Prozent), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (33 Prozent) und Diabetes (23 Prozent). Im Zusammenhang mit Grunderkrankungen wurde seit der Woche 24 keine grundlegenden Veränderungen im Vergleich zur ersten Phase festgestellt." Insgesamt liegt der Altersmedian der Patienten zwischen 60 und 69 Jahren. 

Österreich

In der Alpenrepublik verdoppelte sich die Positivenquote gegen Ende Juli von 0,8 Prozent auf 1,66 Prozent. Mitte August erreichte sie mit 2,52 Prozent bereits das Niveau, auf dem sich Deutschland erst seit Mitte Oktober befindet. Von Anfang bis Mitte September sprang die Positivenquote schließlich auf über fünf Prozent und stieg zuletzt auf 6,29 Prozent (Stand 14. Oktober). 

Im Gegensatz zur Schweiz führte die gestiegene Positivenquote in Österreich auch zu einer höheren Belegung von Intensivbetten für COVID-19-Patienten. Während es in der Spitze Anfang April 267 Personen waren, die intensivmedizinisch betreut werden mussten, waren es zwischen Mitte Mai und Mitte September konstant unter 50 Patienten. Teilweise wurde es Anfang Juli sogar nur noch einstellig. Aber seit Mitte September steigt auch dieser Wert wieder, sodass am 15. Oktober 119 Personen intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Wie viele dieser Patienten beatmet werden müssen, gibt das Sozialministerium nicht bekannt. 

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