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Noam Chomsky: Assange hält politische Überzeugung aufrecht und leistet Öffentlichkeit enormen Dienst

Noam Chomsky: Assange hält politische Überzeugung aufrecht und leistet Öffentlichkeit enormen Dienst
Der emeritierte Linguistik-Professor vom MIT, linke Intellektuelle und Kognitionswissenschaftler Noam Chomsky (Archivbild).
Die Aussage des bekannten Linguistik-Professors Noam Chomsky wurde vor Gericht verlesen. Ziel der Befragung sei es, die politische Dimension und die Leistung Assanges für die Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Chomsky gilt seit Langem als Experte für Politik und öffentliche Meinung.

Im Prozess um Auslieferung des Journalisten und WikiLeaks-Gründers Julian Assange wurde am Mittwoch die schriftliche Zeugenaussage des bekannten Linguistik-Professors, linken Intellektuellen und Kognitionswissenschaftlers Noam Chomsky vorgetragen.

Laut Chomsky hätte Assange "allen Menschen auf der Welt, die die Werte der Freiheit und der Demokratie schätzen und die deswegen auf ihrem Recht bestehen zu erfahren, was ihre gewählten Vertreter tun, einen enormen Dienst erwiesen".

Chomsky antworte damit auf die Frage, ob Julian Assanges Arbeit und Handlungen als "politisch" gelten könnten, also auf eine Frage, die – wie ihm zugetragen worden sei – signifikante Auswirkungen auf das Auslieferungsersuchen der USA haben würde. In den USA würde Assange vor Gericht wegen Spionage anklagt werden, da er eine wesentliche Rolle bei der Veröffentlichung von Informationen spielte, die die Vereinigten Staaten von Amerika nicht in der Öffentlichkeit sehen wollten.

Seiner Ansicht nach hat Julian Assange, indem er mutig an den politischen Überzeugungen festhielt, die die meisten von uns angeblich teilen, all jenen Menschen in der Welt, die die Werte der Freiheit und Demokratie schätzen und die deshalb das Recht fordern, wissen zu wollen, was ihre gewählten Vertreter tun, einen enormen Dienst erwiesen. Sein Handeln wiederum habe dazu geführt, dass er auf grausame und unerträgliche Weise verfolgt wird.

Der amerikanische Linguist und Philosoph Noam Chomsky bei einer Veranstaltung in Mexiko-City, 21. September 2009.

Der Harvard-Professor Samuel P. Huntington und Autor des berüchtigten Buches "Kampf der Kulturen", habe einmal festgestellt, dass "die Architekten der Macht in den Vereinigten Staaten eine solche Art von Macht schaffen müssen, die zwar gefühlt, aber nicht gesehen werden kann. Macht bleibt wirkungsvoll, wenn sie im Dunkeln bleibt. Ans Licht gezerrt, beginnt sie zu verdampfen." so Chomsky.

Und er führt weiter aus, die dagegen von Assange bewirkten und als kriminell eingestuften Aktionen könnten "die Macht aus der Dunkelheit ins (Sonnen-)Licht zerren und – falls die Bevölkerung dies als Möglichkeit begreife, um unabhängige Bürger einer freien Gesellschaft zu werden, anstatt Untertanen eines im Verborgenen arbeitenden "Meisters" zu bleiben – würde diese Macht wohlmöglich "verdampfen".

Eine Möglichkeit, die Bevölkerung zu kontrollieren, sei diese Arbeit im Verborgenen. Dies wäre der Hauptgrund für die Einstufung von internen Regierungsdokumenten als "geheim". Die Öffentlichkeit gelte als Feind, den man in Unwissenheit halten müsse", so Chomsky.

Das mutmaßliche Verbrechen, welches Assange angehängt wird, das Offenlegen von Staatsgeheimnissen, stelle eine Verletzung des fundamentalen Regierungsprinzips dar: Den Schleier der Geheimhaltung zu lüften, der die Menschen an der Macht vor Überprüfung ("Checks and Balances") schützt und die Macht am "Verdampfen" hindere. Es sei von den Menschen an der Macht längst verstanden worden, dass das Lüften des Schleiers zum Verdampfen der Macht führen könne. Es könne sogar zu authentischer Freiheit und Demokratie führen, falls eine aufgerüttelte Öffentlichkeit verstünde, dass die Macht auf der Seite der Regierten ist und es ihre Macht sein könnte, falls sie sich dazu entschließen ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.

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In einem Interview mit Jimmy Dore äußerte sich Chomsky im September  folgendermaßen über Assange:

Julian Assange hat die Anforderungen an einen Journalisten auf höchst effektive und mutige Art und Weise erfüllt: Er machte der Öffentlichkeit Informationen zugänglich, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen. Journalisten und Akademiker ziehen großen Nutzen aus den Informationen, welche er verfügbar machte, [Informationen] die jeder von uns haben sollte. Diejenigen an der Macht haben keine guten Gründe, Fakten zu unterdrücken, welche der Öffentlichkeit offenbaren, was sie tun. Das Wesen einer freien, demokratischen Gesellschaft ist, dass die Öffentlichkeit wissen und verstehen sollte – dass wir mit kritischem Bewusstsein analysieren, was die gewählten Führer tun. Die höchste Mission von Journalisten ist es, diese Verantwortlichkeit zu erfüllen. Mit großem Mut hat Julian Assange dies geleistet. (…) Er wurde über Jahre brutal dafür bestraft, diese kritische Mission des Journalismus auf höchster Ebene ausgeführt zu haben. Nun wird er mit schweren Strafen bedroht, von einer Regierung, welche die Enthüllungen seiner Arbeit vergraben möchte. Was im Gerichtsverfahren und danach geschehen wird, wird signifikant von den öffentlichen Reaktionen und Aktionen abhängen. Ein öffentlicher Aufschrei über die kriminelle Verfolgung wird sicherlich einen Einfluss darauf haben, wie das Gerichtsverfahren ausgeht. Und nicht nur das Schicksal von Julian Assange steht auf dem Spiel in dieser 'Affäre', sondern auch das Schicksal des Journalismus, der Meinungsfreiheit, der demokratischen Rechte im Allgemeinen. Wir können nicht tatenlos danebenstehen und dieses monströse Vergehen gegen unsere höchsten Werte weiterlaufen lassen.

Auf die Frage, warum die Welt des Journalismus in Bezug auf die Verfolgung von Assange so stumm bliebe, antwortete Chomsky:

WikiLeaks-Chef Kristinn Hrafnsson in Berlin (Archivbild).

Das müssen Sie sie [die Welt des Journalismus] selbst fragen. Vielleicht haben die Leute Angst, vielleicht haben sie andere Gründe. Aber es ist keine große Ehre für den Journalismus, zu sehen wie man sich davon zurückhalten lässt, jemanden zu unterstützen, der die höchsten Ideale des Berufstandes erfüllt und dafür brutal verfolgt wird. Dies ist eine Mission, die von Journalisten bejubelt werden sollte; sie sollten an der Front stehen, wenn es darum geht, Assange und auch sich selbst – gegen eine Staatsmacht, die außer Kontrolle geraten ist – zu verteidigen.

Bereits 1971 formulierte Chomsky in einer Diskussionsrunde im Fernsehen Äußerungen, die sich mit seiner aktuellen Aussage decken. In der Diskussion merkte Chomsky an, er wäre "äußerst vorsichtig und achtsam, wenn es darum geht, Menschen dafür zu verfolgen, dass sie Informationen an die Öffentlichkeit bringen".

Damals war die Verfolgung des Whistleblowers Daniel Ellsberg das Thema: Dieser war in die Veröffentlichung der sogenannten "Pentagon Papers" verwickelt. Ellsberg ist nun selbst – wie auch Chomsky – als Zeuge im heutigen Prozess um den Journalisten und WikiLeaks-Gründer Julian Assange geladen.

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