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Zur Schlichtung im Geschichtsstreit: Das Buch "Der 8. Mai: Geschichte eines Tages"

Zur Schlichtung im Geschichtsstreit: Das Buch "Der 8. Mai: Geschichte eines Tages"
Ausschnitt des Buchcovers von "Der 8. Mai: Geschichte eines Tages"
Der 75. Jahrestag des Kriegsendes in Europa ist das letzte Jubiläum, das verbliebene Kriegsveteranen erleben können. Dem schon seit mehreren Jahren tobenden Geschichtsstreit setzt ein Autorenteam gemeinsame Erinnerungen an einen einzigen Tag, den 8. Mai, entgegen.

Ein Buch lässt den Tag – seine Vorgeschichte, den Ablauf, die Stunde der Kapitulationserklärung – in einer vielstimmigen Erzählung lebendig werden, pünktlich zum "Tag der Befreiung" von der Verlagsgruppe Eulenspiegel herausgegeben. Es führt in das gleichzeitige Geschehen an verschiedenen Orten, sammelt und verarbeitet authentische Aussagen unterschiedlicher Akteure und lässt den Leser somit am Erleben Betroffener und Beteiligter teilhaben.

Das Buch thematisiert die Handelnden auf höchster Ebene – was machen Stalin, Churchill und Truman? Was Keitel, Schukow und Eisenhower? Die Erzählung führt aber auch zu vielen anderen, etwa zu einer jungen Berlinerin, der ein sowjetischer Offizier einen Stoffballen auf den Tisch wirft und von ihr verlangt, dass sie über Nacht eine amerikanische Flagge zur Siegesfeier näht.

Zur Schlichtung im Geschichtsstreit: Das Buch "Der 8. Mai: Geschichte eines Tages"
Luftwaffenoffizier Arthur Tedder (Großbritannien) und Marschall Georgi Schukow (Sowjetunion, von links) nehmen die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht entgegen, Berlin-Karlshorst, 8./9. Mai 1945.

Oder zu einem Deutschen, der als Leutnant der Roten Armee in seine zerstörte Heimatstadt Berlin einzieht. Auch zu einer Rotarmistin, der ein Vorgesetzter am Morgen des 8. Mai ein Kästchen mit dem Gebiss Hitlers übergibt, das sie zur medizinischen Begutachtung bringen soll, um den Tod des Führers zu beweisen. Die Herausgeber Alexander Rahr und Wladimir Sergijenko haben historische Dokumente und kostbare, wenig bekannte Zeitzeugenberichte gesichtet und zu einer einzigartigen Erzählung verarbeitet.

Ihre Schilderung vergegenwärtigt diesen historischen Tag, der uns Nachgeborenen mehr als ein symbolisches Datum sein muss, und macht Geschichte lebendig", heißt es weiter in der Pressemitteilung des Verlages.

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Aber den Herausgebern ging es auch darum, über die gemeinsame Erinnerung verschiedener Akteure, Kriegsteilnehmer und sonstiger Zeitzeugen wieder das Gefühl der Annäherung zu schaffen, erzählt Matthias Oehme, einer der Verleger. Rahr, der sich als Russland-Experte und Buchautor einen Namen gemacht hat, ringt seit Langem mit der Frage, wie sich für immer weiter auseinanderdriftende Geschichtsnarrative wieder eine gemeinsame Basis finden lässt. Dieses Buch ist ein Schritt dazu.

Im 15-seitigen Nachwort stellt er fest: Mit der NATO- und EU-Osterweiterung wurde die Geschichte des Zweiten Weltkrieges umgeschrieben und das Ende der Konfrontation in Europa auf ein neues Datum gelegt – den Zusammenbruch des Ostblocks zur Wendezeit 1989/1990. Russland werde nun eine Vergangenheitsbewältigung nach deutschem Muster der Nachkriegszeit nahegelegt. Russland trage die Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Hauptschuld am Entstehen kommunistischer Nachkriegsdiktaturen in Ostmitteleuropa, heißt es seitdem unisono aus dem Westen.

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Das werde für Russland niemals eine Option sein, schreibt Rahr. Zumal Russland im Unterschied zu Nazideutschland nicht besiegt wurde und auch Verbrechen der Stalin-Zeit in den 1950ern und der Perestroika-Zeit aus eigener Kraft aufarbeitete – auch wenn dies aus der Sicht der Ostmitteleuropäer ungenügend gewesen sei. Vom Faschismus habe die Sowjetunion, deren Rechtsnachfolger Russland ist, sich selbst und Europa weitgehend im Alleingang befreit, betont Rahr.

Europas Geist

Dennoch hofft der Experte, dass die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte Russlands und seiner Nachbarn in Osteuropa möglich ist – vorausgesetzt, der Westen verzichte darauf, sich der Rolle eines Richters anzumaßen.

Am Ende stünde eine Aussöhnung zwischen den osteuropäischen Nationen, die aber sicherlich nicht ausschließlich auf einem einseitigen Schuldbekenntnis und Reue Russlands beruhen kann. Eine Schlichtung im Geschichtsstreit ist unabkömmlich für den gemeinsamen Geist Europas.

Rahr, der selbst aus einer Familie von "Weißgardisten" stammt, die Anfang der 1920er-Jahre vor den "Roten", also den Bolschewiki, über das Baltikum floh, war von Kindheit an Zeuge, wie eine tiefe Konfrontation Gesellschaften über Jahrzehnte zersetzen kann. Russland versucht nun offiziell, die ehemaligen unerbittlichen Gegner im Bürgerkrieg, die Roten und die Weißen, zu versöhnen. Nicht alle sind damit glücklich, aber das Gespräch in Medien und Gesellschaft findet statt. Offenbar hält er eine solche Übereinkunft auch für Europa für möglich.

Vielleicht hilft diese Reflexion über den 8. Mai, die Konfrontation zu glätten", schließt der Autor in seinem Nachwort.

"Der 8. Mai: Geschichte eines Tages" ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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