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Historischer Sieg: Linke Sinn Féin gewinnt Parlamentswahlen in Irland

Historischer Sieg: Linke Sinn Féin gewinnt Parlamentswahlen in Irland
Die Vorsitzende der Sinn Féin, Mary Lou McDonald, während der Wahlnacht in einem Auszählungszentrum in Dublin, Irland, am 9. Februar 2020.
Die linke Partei Sinn Féin feiert bei der Wahl in Irland einen beispiellosen Erfolg, mit dem sie selbst nicht gerechnet hatte. Das Ergebnis wird als historischer Umbruch im politischen Gefüge des Landes gewertet. Die Regierungsbildung dürfte aber schwierig werden.

Die linksgerichtete Partei Sinn Féin hat bei der Wahl in Irland die etablierten bürgerlichen Parteien Fianna Fáil und Fine Gael überflügelt. Der Auszählung der ersten Präferenzen der Wähler am Sonntagabend zufolge schnitt Sinn Féin besser ab als alle anderen Parteien.

Archivbild: Angela Merkel und Emmanuel Macron in Berlin im Mai 2017

Stärkste Kraft im Parlament dürfte die Partei, die früher als politischer Arm der Untergrundorganisation IRA (Irisch-Republikanische Armee) galt, aber trotzdem nicht werden. Dafür stellte sie zu wenige Kandidaten auf. Sie war selbst von ihrem Erfolg überrascht. Bei dem komplizierten Wahlsystem in Irland hat jeder Wähler zwar nur eine Stimme, kann aber mehrere Präferenzen angeben, die nacheinander ausgezählt werden. Gratulation zum Wahlsieg gab es unter anderem auch aus Deutschland. Linken-Politiker Andrej Hunko gratulierte zum historischen Erfolg:

Der Wahlerfolg von Sinn Féin wurde von Beobachtern bereits mit einem politischen Orkan verglichen, der ähnlich wie das Sturmtief "Ciara" (in Deutschland "Sabine" genannt) am Wochenende über Irland hinwegfegte. Bislang wurde die Politik des Landes seit der vollständigen Unabhängigkeit von Großbritannien stets von Fine Gael und Fianna Fáil dominiert. Nun betritt eine dritte ernstzunehmende politische Kraft die Bühne. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.

Sollte es wider Erwarten zu einer Regierungsbeteiligung der bisher lange geächteten Sinn Féin kommen, dürfte die Forderung nach einem baldigen Referendum über die irische Wiedervereinigung in Dublin zur offiziellen Regierungslinie werden. Das würde auch die Brüsseler Verhandlungen mit Großbritannien über die künftigen Beziehungen nach dem Ende der Brexit-Übergangszeit zum Jahresende betreffen.

Der EU-Austritt Großbritanniens hatte allerdings bei der Wahl so gut wie keine Rolle gespielt. Nur ein Prozent der Wähler gab bei einer Nachwahlbefragung an, der Brexit sei das wichtigste Thema gewesen. Weitaus bedeutender waren für die Wähler die Themen Gesundheit, Wohnen und Rente.

Für Premierminister Leo Varadkar verlief der Wahltag am Samstag enttäuschend. Dass er im Amt bleiben kann, galt als unwahrscheinlich. Er führt mit Fine Gael eine Minderheitsregierung an, die von Fianna Fáil mit dem Oppositionschef Micheál Martin an der Spitze toleriert wird. Doch ob diese Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann, möglicherweise auch unter umgekehrten Vorzeichen, war in der Nacht zu Montag völlig ungewiss.

Sinn-Féin-Präsidentin Mary Lou McDonald kündigte an, mit den kleineren Parteien Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung aufzunehmen. "Ich möchte, dass wir idealerweise eine Regierung ohne Fianna Fáil oder Fine Gael haben", so McDonald. Doch ob es dafür selbst mit der Unterstützung durch alle kleineren Parteien und unabhängigen Abgeordneten reichen würde, war nicht klar.

McDonald schloss aber auch Gespräche mit den beiden großen Parteien nicht aus. Die 50-Jährige, die als Mitglied des Europäischen Parlaments internationale Erfahrung gesammelt hatte, ist seit zwei Jahren als Nachfolgerin von Gerry Adams Chefin der Partei. Sinn Féin fordert eine Wiedervereinigung des britischen Landesteils Nordirland mit der zur Europäischen Union zählenden Republik Irland. Als einzige Partei tritt sie bei Wahlen in beiden Teilen Irlands an.

Beide bürgerliche Parteien hatten vor der Wahl eine Koalition mit Sinn Féin ausgeschlossen. Während Varadkar auch nach dem Urnengang bei seiner harten Haltung blieb, zeigte sich Fianna-Fáil-Chef Martin flexibler. Es gebe für eine Zusammenarbeit aber noch "erhebliche Unvereinbarkeiten", sagte er am Sonntagabend.

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(rt/dpa)

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