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"Wir haben Angst" – Wut auf Migranten in Kroatien nimmt zu

"Wir haben Angst" – Wut auf Migranten in Kroatien nimmt zu
Die Bevölkerung in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien nimmt die Migranten immer mehr als Bedrohung wahr, nachdem es vermehrt zu kriminellen Zwischenfällen gekommen ist.
Einbruch, Diebstahl und Belästigung: Die Vorwürfe von Menschen in Kroatien, die in Grenznähe zu Serbien und Bosnien-Herzegowina leben, gegen Migranten nehmen zu. Man fühlt sich von Politik und Polizei im Stich gelassen, Rufe nach Bürgerwehren werden immer lauter.

Laut Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union EUROSTAT gehört Kroatien zu den sichersten Ländern der EU. Lediglich 2,6 Prozent der Bevölkerung wurden Opfer von Gewalt, Verbrechen oder Vandalismus, das ist der niedrigste Wert der gesamten EU. Und auch auf darauf ist man stolz: Lediglich 3,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler brechen vorzeitig die Schule ab. Doch die statistische Sicherheit bekommt dieser Tage tiefe Risse, weil sich Menschen in Ostslawonien und den Grenzgebieten zu Bosnien nicht mehr sicher fühlen.

Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenković empfing am 20. November Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Regenschirm bei ihrem zweiten Besuch in sechs Monaten in Zagreb.

Diese gefühlte Unsicherheit liegt in mehreren Vorfällen begründet, in die Migranten involviert waren, die es illegal über die Grenze nach Kroatien geschafft haben. Auf der Suche nach etwas Essbarem oder Schutz vor der Polizei und Kälte brechen sie in Häuser ein. Solche Berichte gab es immer wieder aus den grenznahen Dörfern der Gespanschaften Karlovac und Sisak-Moslavina, wo viele Häuser leerstehen oder oft nur noch von älteren Menschen bewohnt sind. Auch dort stieg die gefühlte Unsicherheit an, doch aufgrund der dünnen Besiedelung schafften es die Berichte selten in nationale Medien, und auch die Polizei hielt sich mit Meldungen zurück.

Nachdem Tausende Migranten aus vornehmlich muslimischen Ländern in den bosnischen Städten Bihać und Velika Kladuša steckengeblieben sind und die kroatische Polizei mit großem Aufwand – und Rückendeckung aus Berlin und Brüssel – die Grenzen dichthält, versuchen es die Migranten über eine andere Route. 

Statt über Bosnien-Herzegowina versuchen die Menschen nun vermehrt über Serbien und die Donau, nach Kroatien zu gelangen. In Ostslawonien waren die Bewohner bereits im Herbst 2015 Zeugen der größten Migrationswelle seit dem Zweiten Weltkrieg, als über eine halbe Million Menschen mit Bussen, Zügen und zu Fuß ankam. Die Bewohner zeigten sich hilfsbereit und offen. Sie haben in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, auf der Flucht oder in Not zu sein.

Seitdem hat sich aber sehr vieles verändert. Während im Herbst 2015 die Grenzen offen waren und die Migranten nach kurzem Aufenthalt ihre Reise nach Zentral- und Nordeuropa fortsetzten, sind diese nun geschlossen. Damals half Zagreb bei der Versorgung und der Weiterreise nach Ungarn, heute darf kein Migrant mehr ins Land. Diese veränderten Bedingungen haben dazu geführt, dass die hauptsächlich jungen Männer zu Gejagten wurden und sich entsprechend verhalten.

In dem kleinen Städtchen Ilok an der Grenze zu Serbien reagiert man besonders stark auf die subjektiv zunehmende Unsicherheit. Hier wurde am 17. Oktober 1991 die erste ethnische Säuberung im Unabhängigkeitskrieg Kroatiens durchgeführt, als serbische Paramilitärs mit Unterstützung der Jugoslawischen Volksarmee die kroatischen Einwohner aus ihrer Heimat vertrieben.

Die Donau bildet, wie hier in der Nähe der Stadt Bezdan, eine natürliche Grenze zwischen Serbien, Kroatien und Ungarn. Besonders in den Wintermonaten, durch den Nordwind und die Strömung, gilt der Fluss als sehr gefährlich.

Zwei Migranten versuchten Mitte Januar, in das Haus der Familie Lončar in Ilok einzubrechen, und scheiterten nur am Schrei von Irjana Lončar, die verdächtige Geräusche an der Haustüre vernahm und sah, wie sich die Türklinke bewegte. Durchs Fenster konnte sie beobachten, wie zwei dunkelhäutige Männer nach ihrem Schrei davonrannten. Seitdem kann sie nicht mehr ruhig schlafen und hört auf jede Bewegung. "Wir haben Angst", sagte sie zu Reportern.

Mit dieser Angst steht sie nicht allein da. Der Ruf nach Bürgerwehren wird lauter, um den Menschen das Gefühl der Sicherheit zurückzugeben, nicht nur in Ilok. Karlo Starčević ist Bürgermeister der Stadt Gospić und wirft insbesondere der Regierung in Zagreb vor, die Situation zu ignorieren. Auch er beobachtet die Geschehnisse mit Sorge und meint, dass die Bewohner der Grenzregionen sich vermehrt bewaffnen.

Er spricht auch das aus, was bisher noch nicht in aller Öffentlichkeit besprochen wird, sondern lediglich in sozialen Netzwerken stattfindet. Man hat hier den Hundertjährigen Kroatisch-Osmanischen Krieg nicht vergessen, der von 1493 bis 1593 dauerte. Damals schon ging es aus kroatischer Sicht darum, nicht nur das Osmanische Reich aufzuhalten, sondern auch den Islam. Und auch heute betrachten sich manche Befürworter von Bürgerwehren wieder als Verteidiger des Christentums.

Unterdessen haben am Dienstagmorgen rund 60 Migranten versucht, mit Gewalt den serbisch-ungarischen Grenzübergang Horgoš-Röszke zu durchbrechen, der zu diesem Zeitpunkt geschlossen war. Mit Schüssen in die Luft konnten die ungarischen Grenzbeamten die Situation unter Kontrolle bringen und nahmen vier Personen vorübergehend fest. 

"Wir haben Angst" – Wut auf Migranten in Kroatien nimmt zu
Am Dienstagmorgen versuchten rund 60 Migranten mit Gewalt, diesen serbisch-ungarischen Grenzübergang zu übertreten.

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