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Kind muss auf Krankenhaus-Fußboden schlafen – Boris Johnson weigert sich, sich das Foto anzusehen

Kind muss auf Krankenhaus-Fußboden schlafen – Boris Johnson weigert sich, sich das Foto anzusehen
(Archivbild). Der britische Premierminister Boris Johnson während einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Kent Showground in Detling, Kent, Großbritannien, 6. Dezember 2019.
Boris Johnson sorgt kurz vor den Wahlen für eine bizarre Szene. Während eines Interviews weigert er sich zunächst, sich das Foto eines kleinen Jungen, der auf dem Fußboden eines Krankenhauses schlafen musste, anzuschauen, dann steckt er auch noch das Telefon des Journalisten ein.

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Die befremdliche Szene ereignete sich während eines Interviews mit dem Journalisten Joe Pike vom britischen Sender ITV News. Johnson weigerte sich zunächst hartnäckig, sich das Foto eines vierjährigen Jungen anzusehen, der die halbe Nacht auf dem Fußboden eines Krankenhauses verbringen musste. Stattdessen redete der Premier lieber über seine geplanten "Wohltaten" für das öffentliche britische Gesundheitssystem NHS. Damit nicht genug, steckte er während seiner Erklärungen auch noch das Telefon des Journalisten, auf dem das Bild des kleinen Jungen zu sehen war, in die Tasche. Erst als der Journalist sein Telefon zurückforderte, schaute sich Johnson das Foto an und sagte:

Es ist ein schreckliches, schreckliches Foto, und ich entschuldige mich bei der Familie und denen, die schreckliche Erfahrungen mit dem NHS gemacht haben.

Bei dem vierjährigen Jungen handelt es sich um Jack Williment-Barr, der sich wegen einer vermuteten Lungenentzündung im "Leeds General"-Krankenhaus befand. Das Bild zeigt ihn schlafend, nur notdürftig mit einigen Mänteln zugedeckt.

Der Junge wartete fünf Stunden lang auf seine Behandlung. Erst gegen drei Uhr morgens wurde ihm ein Bett zugeteilt. Johnson Herausforderer, Labour-Chef Jeremy Corbyn, erklärte, der Clip zeige, dass Johnson derartige Dinge "einfach nicht kümmern würden". Seine Parteikollegin Angela Rayner von Labour sprach von einer "totalen Schande".

Das öffentliche Gesundheitssystem in Großbritannien steht schon seit Jahren in der Kritik. Gerade während des Wahlkampfs kochte das Thema immer wieder hoch. Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament. Etwa 90 Prozent der Leiter von Trägerorganisationen im englischen Gesundheitswesen sehen das Wohl von Patienten wegen fehlenden Personals in Gefahr. Knapp 60 Prozent rechnen außerdem damit, dass dem Nationalen Gesundheitsdienst NHS in diesem Jahr der schwierigste Winter überhaupt bevorsteht. Das ging aus einer Befragung der Dachorganisation NHS Confederation hervor, die im November dieses Jahres veröffentlicht wurde.

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Allein in England seien demnach etwa 100.000 Stellen in Kliniken unbesetzt, sagte Niall Dickson, der Geschäftsführer der NHS Confederation. Es fehle etwa an Ärzten, Rettungsassistenten und Krankenpflegern. Er warnte die Parteien davor, keine übertriebenen Wahlversprechen zu machen. "Wir brauchen mehr Investitionen." Aber selbst dann dauere es, bis sich die Lage wieder entspanne. Befragt wurden 131 Geschäftsführer, Direktoren und Vorsitzende von Trägerorganisationen im englischen Gesundheitsdienst.

Das NHS gilt schon lange als marode und unterbesetzt. Besonders im Winter, wenn unter anderem zahlreiche Grippefälle hinzukommen, gelangen die Kliniken schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Oft müssen Operationen verschoben werden, die Wartezeiten in Notaufnahmen erreichten inzwischen einen historischen Negativrekord. Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers John Curtice ist der weitgehend aus Steuergeldern finanzierte NHS neben dem Brexit das wichtigste Thema im Wahlkampf. Die Opposition wirft den Konservativen schon lange vor, den Gesundheitsdienst kaputt gespart zu haben.

Der jetzige Premierminister Boris Johnson hatte vor über drei Jahren beim Brexit-Referendum Wähler mit einer irreführenden Aussage geködert: Er verwies darauf, dass London pro Woche 350 Millionen Pfund (etwa 409 Millionen Euro) an Brüssel überweise, die im Falle eines EU-Ausstiegs an den NHS gehen könnten. Diese Botschaft ließ er sogar auf einen roten Bus drucken, mit dem er durch das Land fuhr. Er verschwieg aber, dass die tatsächliche Summe weitaus niedriger ist und auch viel Geld in Form von Fördermitteln wieder zurückkommt.

Oppositionsführer Corbyn hatte Johnson zudem vorgeworfen, das britische Gesundheitssystem in einem Freihandelsabkommen mit den USA "verkaufen" zu wollen. Corbyn sprach von einem toxischen Deal mit US-Präsident Donald Trump. Er warnte davor, dass NHS für die Übernahme durch US-Unternehmen zu öffnen und die Preise für Medikamente damit in die Höhe zu treiben. Das könne das öffentliche Gesundheitssystem möglicherweise 500 Millionen Pfund pro Woche mehr kosten und Leben gefährden.

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