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Litauen: Vandalismus gegen Synagogen vor Premiere von Holocaust-Theaterstück

Litauen: Vandalismus gegen Synagogen vor Premiere von Holocaust-Theaterstück
Symbolbild
In Litauen fand die Premiere eines musikalischen Theaterstücks über den Holocaust statt, das sich am heftig umstrittenen Buch der Schriftstellerin Rūta Vanagaitė orientiert. Parallel gab es landesweit Vandalismus gegen Synagogen, der in Verbindung dazu stehen könnte.

In Kaunas wurde eine Synagoge mit antisemitischen Sprüchen und Symbolen beschmiert. Das berichtete der russische Perwy Kanal. Zuvor sollen sich sich ähnliche Vorfälle in Vilnius, Šiauliai und anderen litauischen Städten ereignet haben.

Angehörige identifizieren Opfer einer Erschießung auf einem Feld bei Kertsch auf der Krim im April 1944

Medien bringen die Aktionen mit dem Hintergrund der Premiere einer Performance zum skandalösen Buch der Schriftstellerin Rūta Vanagaitė über den Holocaust "Mūsiškiai" (dt.: Die Unsrigen) in Verbindung.

Die Autorin geht in ihrem Buch, das sie mit dem israelischen Historiker Efraim Zuroff schrieb, auf das komplexe Thema ein, wie litauische Nazi-Kollaborateure im Zweiten Weltkrieg Juden vernichteten.

Während des Krieges wurden fast alle litauischen Juden getötet. Die Autoren des Buches versuchen herauszufinden, wer hierfür verantwortlich ist. Die Deutschen, die Befehle gaben, oder die Litauer selbst, die ihre Nachbarn erschossen?

Auf dem Weg zur Premiere eilte Vanagaitė an einigen Journalisten vorbei und weigerte sich, deren Fragen zu beantworten. Die Vorsicht der Autorin ist jedoch verständlich: Ihr Buch wurde zwar zum Bestseller, doch viele Verwandte und Freunde wandten sich von ihr nach der Veröffentlichung des Werkes ab. Rechtsradikale drohten mit ihrer Ermordung. Es fielen auch die Vorwürfe, dass Vanagaitė eine Kreml-Agentin sei.

Der Mitautor, der Schriftstellerin Efraim Zuroff, ein bekannter israelischer Historiker mit dem Ruf eines "Nazi-Jägers", verweist darauf, dass es in Litauen zwar Wut, aber keine Reue gebe:

In Litauen wird man bei keiner Holocaust-Zeremonie hören, dass viele Litauer unter den Mördern waren, dass alle Bereiche der litauischen Gesellschaft in den Völkermord verwickelt waren. Und das ist ein Problem!

Symbolbild: Polnische Nationalisten tragen bei einer Demonstration einen Trauerkranz als Symbol für den angeblichen Verlust polnischer Werte, Warschau, Polen, 11. November 2015.

Das Buch "Die Unsrigen" ist voll von Fakten, Archivdaten und Fotos, sowie vielen echten Namen der Verantwortlichen am Völkermord. Unter ihnen sind diejenigen, die im modernen Litauen als Helden gefeiert werden.

Zum Beispiel der Nazi-Kollaborateur Jonas Noreika, der im Jahr 1941 begann, für die Unabhängigkeit Litauens zu kämpfen und seine Heimat aktiv von den Juden "säubern" wollte.

Auch die Verbrechen des in den USA geborenen litauischen Partisanenführers Adolfas Romanauskas werden in dem Buch Vanagaitės beleuchtet, was die Behörden der Schriftstellerin nicht verzeihen konnten. Ihr Verlag kündigte den Vertrag mit ihr und all ihre Bücher, einschließlich "Die Unsrigen", wurden aus den Geschäften entfernt. Der Dramatiker und Autor der Performance zu dem Buch Michal Valcak erklärte:

Die dunklen Schatten der Vergangenheit sind es, die uns alle verbinden. Literatur und Theater bieten eine großartige Gelegenheit, über die dunklen Seiten der Geschichte zu sprechen. Ich denke, jede reife Nation sollte diese Fakten erkennen. Und die Aufgabe des Buches und der Performance ist es, Diskussionen anzuregen.

Die avantgardistische litauische Performance, deren Genre die Autoren als "Horror-Musical" bezeichneten, spielte weniger über den Holocaust als vielmehr darüber, dass es an der Zeit sei, die Suche nach inneren und äußeren Feinden einzustellen. Doch bisher scheint es so, als würde sich ein großer Teil der litauischen Gesellschaft ohne Feinde schwer tun.

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