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Epstein-Skandal: Erklärungsversuche von Prinz Andrew geraten zum PR-Desaster

Epstein-Skandal: Erklärungsversuche von Prinz Andrew geraten zum PR-Desaster
Prinz Andrew im Gespräch mit BBC-Moderatorin Emily Maitlis.
Der britische Prinz Andrew nahm in einem von der BBC am Samstag ausgestrahlten Interview ausführlich Stellung zum Epstein-Skandal. Darin bestritt er jedwede sexuelle Handlung mit Minderjährigen. Seiner Glaubwürdigkeit tat er damit jedoch keinen Gefallen.

Was als Befreiungsschlag gedacht war, erweist sich nun als herber Rückschlag: Am Wochenende gab Prinz Andrew ein Fernsehinterview, um zu seiner Verwicklung in den Epstein-Skandal Stellung zu nehmen. 

Der registrierte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein war im Juli 2019 erneut in den USA verhaftet worden. Dem Multimillionär wurde vorgeworfen, einen Sexhandelsring mit Minderjährigen unterhalten zu haben, in den auch hochrangige Politiker und Entscheidungsträger involviert sein sollen, darunter auch Prinz Andrew. Einen Monat nach seiner Festnahme wurde Epstein tot in seiner Zelle aufgefunden. Offiziell handelt es sich um Selbstmord. Epsteins Anwälte sowie Experten schließen einen Mord jedoch nicht aus, für den auch andere Indizien sprechen.  

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Prinz Andrew galt als enger Freund Epsteins, der dem US-Investmentbanker auch noch nach einer ersten abgesessenen Gefängnisstrafe wegen Missbrauchs 2010 einen viertägigen Besuch in New York abstattete.

Weil er ein "ehrbarer" Mann sei, habe er Epstein persönlich und nicht am Telefon mitteilen wollen, dass er den Kontakt zu ihm aufgrund seiner Verurteilung abbrechen müsse, so der Prinz in dem BBC-Interview. Den Besuch bereue er inzwischen. Er fügte hinzu:

Es war ein bequemer Ort zum Übernachten ... Im Nachhinein betrachtet, war es definitiv falsch, aber zum damaligen Zeitpunkt fühlte ich, dass es ehrbar und richtig war.

Seine Freundschaft zu Epstein bedauere er aber nicht, denn er habe von ihm viel über Handel und Gewerbe gelernt. Dagegen bedauere er jedoch "die Tatsache, dass Epstein sich ganz offensichtlich unziemlich verhalten hat", was die BBC-Moderatorin Emily Maitlis zu der Frage veranlasste, ob das die richtigen Worte seien, um einen verurteilten Sexualstraftäter zu beschreiben. 

Prinz Andrew bestreitet sexuelle Handlungen mit Minderjährigen   

Den Vorwurf, Sex mit Minderjährigen gehabt zu haben, wies der Prinz zurück. Es ist vor allem die Aussage von Virginia Giuffre, die den Adligen belastet. Bereits vor drei Jahren, als sie noch Virginia Roberts hieß, behauptete die Amerikanerin gegenüber dem US-Fernsehsender ABC News, von Epstein in einer Art "Sex-Knechtschaft" gehalten und in den Jahren 2001 und 2002 gezwungen worden zu sein, dreimal Sex mit dem Prinzen zu haben. Der Sender entschied sich damals jedoch, den Epstein-Beitrag nicht zu senden, nachdem das britische Königshaus Druck gemacht haben soll.  

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Auf einem Foto ist der Prinz zu sehen, wie er seinen Arm um die Hüfte der damals 17-Jährigen legt. Die Aufnahme soll aus Epsteins Wohnung in London stammen. Giuffre behauptet, dass sie und Andrew anschließend in einem Nachtclub zusammen gegessen und getanzt haben, bevor sie Sex hatten. Dazu sagte Andrew im Fernsehinterview:

Ich erinnere mich nicht daran, diese Dame jemals getroffen zu haben, überhaupt nicht.

Aus Andrews Umfeld wurde gestreut, bei dem Foto handele es sich um eine Fälschung. Auch der Prinz erklärte: "Man kann nicht beweisen, ob das Foto echt ist oder nicht." Dem widerspricht Giuffre energisch:

Dieses Foto wurde als Original verifiziert und dem FBI übergeben, das nie beanstandet hat, dass es sich um eine Fälschung handelt. Das ist ein echtes Foto. Das war das erste Mal, dass ich ihn traf", sagte die 35-Jährige kürzlich in der CBS-Sendung '60 Minutes'.

Eine Skizze mutmaßlicher Opfer im Gerichtssaal während einer Anhörung im Strafverfahren gegen Jeffrey Epstein

Prinz Andrew soll "mit all diesen lahmen Ausreden aufhören. Wir haben es satt, das zu hören", fügte sie hinzu. Der hatte in dem Interview erklärt, er könne "absolut kategorisch sagen", dass es zu keinerlei sexuellen Handlungen mit Giuffre gekommen war. Die Vorwürfe der Frau seien "überraschend, schockierend und ein Ablenkungsmanöver".

Daraufhin nannte Andrew Details, mit denen er die Vorwürfe entkräften will: Laut Giuffres Beschreibung soll er beim Tanzen stark geschwitzt haben. Das sei aber unmöglich, da sein Körper eine Überdosis Adrenalin ausgeschüttet habe, nachdem 1982 im Falklandkrieg auf ihn geschossen wurde. Danach habe er jahrelang nicht schwitzen können.

Auch habe sie behauptet, er habe ihr Alkohol angeboten. Dabei trinke er nicht und glaube, nie in dem Nachtclub einen Drink gekauft zu haben. Zudem könne er sich "seltsamerweise sehr deutlich" daran erinnern, dass er an dem besagten Abend mit seiner Tochter zum Pizza Express ging und den Rest der Nacht zu Hause verbrachte.

Rückschlag statt Befreiungsschlag: Andrews Auftritt wird zum Eigentor

Andrews Einlassungen schlugen hohe Wellen in den sozialen Medien. Seine Aussagen übers Schwitzen oder auch seine selektive Erinnerung sorgten für zahlreiche sarkastische Tweets. Als desaströs in Sachen Glaubwürdigkeit erwies sich auch seine Behauptung, er würde "nie wirklich feiern" und "öffentliche Zuneigungsbekundungen" vermeiden. Von britischen Medien veröffentlichte Fotos zeugen jedoch davon, dass er durchaus ein Partygänger war. Wegen seiner Frauenaffären hatte die Boulevardpresse Andrew in den 1980er Jahren übrigens den Spitznamen "Randy Andy" (etwa: "Geiler Andy") verpasst.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch in den etablierten britischen Medien wurde der Fernsehauftritt des 59-Jährigen verrissen. Einhellig bezeichneten Kommentatoren diesen als "enttäuschend" oder sogar "katastrophal".

Andrew im Dezember 2018 in London

Andrew habe sich während des einstündigen Gesprächs "gewunden" und "nicht ein Wort der Reue" verloren, schrieb etwa die Mail on Sunday. Statt "komplette und volle Antworten auf jede mögliche Frage" zu geben, habe er zu viele offene Fragen hinterlassen, urteilte der Promi-Anwalt Mark Stephens im Guardian.

Wie ein "Autounfall in Zeitlupe" sei das Interview gewesen, twitterte der britische Publizist Mark Borkowski nach der Ausstrahlung. Es sei ein Lehrstück, "wie man alles so richtig falsch macht".

Der Prinz habe sich mit dem Auftritt "sehr beschädigt" und sei bei dem Versuch, sich reinzuwaschen, "schwer gescheitert", kommentierte der auf das Königshaus spezialisierte BBC-Korrespondent Jonny Dymond. Das Interview sei "qualvoll", sagte der ehemalige Pressesprecher des Buckingham Palace, Dickie Arbiter. Andrews PR-Berater Jason Stein hat nach eigener Aussage dem Prinzen vergeblich davon abgeraten, das Interview zu dem Thema überhaupt zu führen.

Anwältin verlangt Befragung durch das FBI

Die Rechtsanwältin von Virginia Giuffre, die vier weitere mutmaßliche Epstein-Opfer vertritt, sagte gegenüber Sky News, Andrews Aussagen seien nicht glaubwürdig:

Das Interview strotzt von Widersprüchlichkeiten, von Aussagen, die einfach keinen Sinn ergeben. Und das größte Problem ist sein völliger Mangel an Empathie für die Opfer von Jeffrey Epstein. Wo ist seine Aussage, dass er von Jeffrey Epstein, seinem ehemaligen Freund, einem der furchtbarsten Pädophilen, von dem wir je gehört haben, angewidert ist?

Lisa Bloom fordert nun, dass der Brite gegenüber dem FBI aussagt. Es gebe noch "viel mehr Fragen, die er beantworten sollte". Die Anwältin verlangt auch eine Befragung seiner Mitarbeiter, "die mit ihm reisen und die wahrscheinlich in viele Informationen eingeweiht" seien.

Andrew sagte der BBC, er würde auch unter Eid aussagen, wenn "es hart auf hart" käme und seine Anwälte ihm dazu rieten.

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