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"Es gab weder Gedränge noch Panik": Überlebender der Bruchlandung berichtet über Evakuierung

"Es gab weder Gedränge noch Panik": Überlebender der Bruchlandung berichtet über Evakuierung
Die dramatischen Bilder von der missglückten Notlandung am Moskauer Flughafen Scheremetjewo erschütterten die ganze Welt. Schnell wurde spekuliert, ob mehr Menschen aus der brennenden Maschine hätten gerettet werden können. Ein Überlebender berichtet.

Der Geschäftsmann aus Murmansk Oleg Moltschanow und seine Frau waren an Bord der Maschine vom Typ Suchoi Superjet 100, die nach der Landung auf dem Flughafen Scheremetjewo in Flammen aufging. Nach einem 11-stündigen Flug aus Vietnam hatte das Paar extra seine Tickets für eine Rast in Moskau umgebucht. In einem Interview mit RT erzählte uns Moltschanow, was während des Brandes an Bord geschah und wie er und seine Frau sich retten konnten.

Unmittelbar nach dem Absturz stellte man fest, dass ein Blitzschlag das Flugzeug getroffen hatte. Stimmt das?

Ja. Und ich habe ihn gesehen. Ich saß am Fenster gegenüber dem Flügel. Nach dem Blitzeinschlag flog das Flugzeug eine Kurve und die Flugbegleiter sagten, dass der Pilot aus technischen Gründen beschlossen habe, zum Flughafen zurückzukehren. Vielleicht war es nicht einmal der Blitz selbst, der uns traf, sondern seine elektrischen Entladungen, ein Impuls. Theoretisch hätte er überall treffen können. Danach begann das Flugzeug zu manövrieren und ging in den Sinkflug. Es gab kein starkes Ruckeln und  keine ungewöhnlichen Vibrationen.

Hatte der Pilot Schwierigkeiten bei der Landung? Waren die Passagiere beunruhigt?

Abgesehen davon, dass die Klimaanlage ausgeschaltet war, ist in der Kabine nichts passiert. Alles lief im Normalmodus, wie man so schön sagt. Das Einzige war ein Gefühl, dass die Geschwindigkeit zu hoch zu sein schien. Wir sind schneller heruntergekommen, als wir hätten sein sollen. Vor dem ersten Aufprall auf der Landesbahn war alles ruhig und keiner der Passagiere war besorgt. Man schrieb später, das Flugzeug sei eine zweite Runde geflogen. Das ist Unsinn, es gab keine zweite Runde! Wir sind beim ersten Versuch gelandet. Nichts deutete auf weitere Ereignisse hin.

Erzählen Sie uns von der Landung. Wann ist das Feuer ausgebrochen?

Sehr seltsam, aber den ersten Aufschlag auf der Landebahn, wie er im Video zu sehen ist, haben wir fast nicht gespürt. Das Fahrwerk muss diesen Aufprall gut abgefedert haben. Es gab eine Art Abprall, aber es gab keine starken Erschütterungen oder Schläge. Dann war deutlich ein Rasseln zu hören. Ob es vom Fahrwerk oder vom Heck herrührte, weiß ich nicht. Und ich konnte Feuer sehen, weil ich am Fenster an der linken Tragfläche saß. Vielleicht begann das Gleiche auf der rechten Seite, weil die Leute anfingen, vor Angst zu schreien. Selbst wenn die Crew versucht hätte, uns vor etwas zu warnen, wir hätten es nicht hören können.

Stimmt es, dass ein Teil der Passagiere von den Flugbegleitern auf dem Rücken herausgetragen wurde? Erzählen Sie uns, wie sie sich verhalten haben.

Ja, sie brachten sie heraus, führten sie hinaus über die Rutsche hinunter. Die Flugbegleiterinnen waren bis zur letzten Minute im Flugzeug und retteten Menschen. Es gab kein Gedränge und keine größere Panik unter den Passagieren. Ich kam als Letzter raus, aus der 12. Reihe, nach meiner Frau. Aus den Reihen hinter mir hat es keiner hinausgeschafft. Die Menschen, die hinausgetragen wurden, saßen vorn an den Seiten, nicht im Heck. In der sechsten Reihe wahrscheinlich - vielleicht in der neunten. Einige von ihnen haben einfach ein wenig gezögert, andere hatten bereits zu viel Qualm eingeatmet. Die drei letzten Menschen, die wir herausgezogen haben, waren bereits bewusstlos.

In diesem Moment war ich im Gang, neben mir noch ein anderer junger Mann, von dem ich nicht weiß, ob er ein Flugbegleiter war, sowie eine Flugbegleiterin. Als wir den dritten bewusstlosen Passagier zusammen über die Notrutsche hinunterließen, sagte die Crew, wir seien fertig und sollten gehen. In dem Moment standen die Flammen im Heck so hoch, dass es unmöglich war, auch nur annähernd noch dorthin zu gelangen. Das Flugzeug brannte nicht nur, es schmolz wie ein Plastikbecher. Die Türen des Flugzeugs waren offen und die Luft zog durch die Kabine wie in einem Schornstein. Der Lärm war natürlich unbeschreiblich…

Sie haben erwähnt, dass jene Menschen mit Koffern, deren Fotos durch das ganze Internet gingen, aus der Business Class kamen und niemanden behinderten?

Ich kann nur eindeutig sagen, dass sie mich nicht behindert haben. Weil ich der Letzte war, der mit der Crew ausstieg. Ich kann nicht sagen, ob sie jemanden vor mir behindert hatten, ich kann es nicht behaupten, weil ich es nicht gesehen habe.

Der verunglückte Suchoi Superjet 100-95B auf der Landesbahn nach der Löschung

Meine Frau und ich flogen mit zwei Koffern, die wir als Gepäck, also für den Frachtraum aufgegeben hatten. Und wir nahmen einen kleinen Rucksack als Handgepäck mit, den wir aber nicht mitnehmen konnten. Alles ist verbrannt. Vielleicht hatten die Passagiere, die als erste ausgestiegen waren, gerade noch Zeit, ihre Taschen zu schnappen, weil es noch nicht so viel schwarzen Qualm gab. Wenn du solchen Rauch einatmest, fängst du an, das Bewusstsein zu verlieren. Ich sah bei mir schon schmelzende Bordfenster. Sauerstoffmasken hätten sowieso nicht geholfen.

Brauchten Sie nach der Evakuierung die Hilfe von Ärzten?

Nein, zum Glück nicht. Meine Frau und ich bekamen sofort Sauerstoff und Augentropfen. Es gab geschulte Rettungsmannschaften mit sehr anspruchsvoller Ausrüstung, Wasser und Essen. Jedem wurde geholfen. Man hat diejenigen, die Verbrennungen erlitten oder Rauch eingeatmet hatten, sehr schnell behandelt. Sowohl Krankenwagen als auch Feuerwehrleute waren meiner Meinung nach sofort da.

Die Maschine der Aeroflot SSJ-100 auf dem Flug von Moskau nach Murmansk musste am 5. Mai notlanden, dreißig Minuten nach ihrem Start vom Flughafen Scheremetjewo, und fing nach der Notlandung Feuer. Es waren 78 Personen an Bord, von denen 41 ums Leben kamen. Es wurden 33 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder evakuiert und gerettet.

Unter den Toten war auch der Flugbegleiter Maxim Moissejew, der unter Einsatz seines eigenen Lebens viele Passagiere rettete, indem er ihnen beim Verlassen der Kabine half. Die Evakuierung wurde von den Flugbegleiterinnen Xenia Vogel und Tatjana Kasatkina durchgeführt, die auch bewusstlose Menschen zur Rutsche schleppten.

Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation leitete ein Strafverfahren wegen der Flugkatastrophe ein. Die Ermittler vermuten ungenügende Qualifikation der Piloten, der Fluglotsen oder des technischen Wartungspersonals sowie auch technisches Versagen oder widrige Wetterbedingungen als mögliche Gründe für das Unglück. 

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