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Italien und Malta: Afrikanische Flüchtlinge "kapern" Handelsschiff

Italien und Malta: Afrikanische Flüchtlinge "kapern" Handelsschiff
Von der spanischen Küstenwache festgesetzte Migranten, November 2018 in Malaga
Die einen sprechen von "Piraten", die anderen von verzweifelten Menschen auf der Flucht. Mehrere Migranten übernehmen angeblich die Kontrolle über ein Handelsschiff und steuern von Libyen Richtung Europa. Maltas Armee ist alarmiert.

Gerettete Migranten haben nach italienischen und maltesischen Angaben vor Libyen ein Handelsschiff unter ihre Kontrolle gebracht und steuern es in Richtung Norden. "Es sind keine Schiffbrüchigen, es sind Piraten", sagte Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei am Mittwoch. Das Handelsschiff "Elhiblu" habe im Mittelmeer eine Gruppe Migranten vor der libyschen Küste aufgenommen, dann aber etwa sechs Seemeilen vor der Hauptstadt Tripolis plötzlich den Kurs Richtung Nord geändert. Die Flüchtlinge stammen offenbar aus afrikanischen Staaten.

Es ist nun offenbar in Richtung Malta unterwegs, wie die maltesische Armee erklärte. Die maltesischen Behörden seien am Mittwoch über ein "auf See überfallenes Schiff" informiert worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Der Kapitän habe einen Alarm abgesetzt. Die maltesische Armee sei in Bereitschaft.

Italienischen und maltesischen Medien zufolge sind 108 Migranten an Bord des Schiffes, das unter der Flagge des Inselstaates Palau fahre. An Bord sollen auch Frauen und Kinder sein.

Symbolbild: Ein überfülltes Flüchtlings-Boot näher sich der Küste Griechenlands.

Sowohl Italien als auch Malta wollen Bootsflüchtlinge nicht aufnehmen, solange es keinen EU-weiten Verteilmechanismus gibt. Vor der libyschen Küste sind kaum mehr Rettungsschiffe im Einsatz, die Boote von Hilfsorganisationen wurden immer wieder lange auf dem Meer blockiert oder aus dem Verkehr gezogen.

Auch die EU hat ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste gestoppt. Die am Mittwoch offiziell bestätigte Entscheidung sieht vor, bei der Anti-Schleuser-Operation Sophia vorerst nur noch Luftaufklärung zu betreiben und libysche Küstenschützer auszubilden.

Diese sollen die Migranten wieder in das Bürgerkriegsland bringen, wo den Menschen allerdings schwere Misshandlungen drohen. Immer wieder wehren sich Migranten deshalb, nach Libyen zurückgebracht zu werden. Hilfsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen vor Ort und gar von "Konzentrationslagern", in denen die Migranten auch Folter ausgesetzt seien. Im November hatten sich etwa 90 Migranten geweigert, ein Containerschiff zu verlassen, das sie nach Libyen zurückgebracht hatte.

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(rt deutsch/dpa)

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